Erster Prozess um brennende Autos

Mutmaßliche Auto-Brandstifterin schweigt vor Gericht

Seit Jahresbeginn sollen rund 200 brennende Autos in Berlin auf das Konto politisch motivierter Brandstifter gehen. Doch selten werden sie gefasst. Nun hat der erste Prozess gegen eine mutmaßliche Auto-Brandstifterin begonnen. Die 21-jährige Angeklagte verweigerte zu Beginn die Aussage.

AlexandraR. schweigt. „Sie wird sich auf Anraten der Verteidigung hier nicht äußern“, erklärt eine ihrer beiden Anwältinnen im Saal 700 des Moabiter Kriminalgerichts. Das ist Alexandra R.'s gutes Recht. Aber sie hätte auch die Möglichkeit gehabt, vor dem Schöffengericht zumindest einen Satz zu sagen: Die Anklage ist falsch, ich war es nicht.

Es ist der erste Strafprozess, der sich mit den Brandanschlägen auf geparkte Autos befasst. Für die Berliner Polizei sind diese Straftaten zu einem Albtraum geworden. Allein seit Anfang dieses Jahres wurden in Berlin mehr als 200 Autos in Brand gesetzt. Die Ermittlungen laufen seit Monaten auf Hochtouren. Und Alexandra R., angeklagt wegen versuchter Brandstiftung, soll die Erste gewesen sein, die quasi auf frischer Tat ertappt werden konnte.

Flammen unterm Kotflügel

Die Festnahme der 21-Jährigen erfolgte in der Nacht zum 18. Mai dieses Jahres. „Wir waren sensibilisiert für Brandstiftungen“, sagte eine als Zeugin geladene Polizeiobermeisterin, die in dieser Nacht mit einem Kollegen in Friedrichshain mit einem Dienstwagen Streife fuhr. An der Liebigstraße habe ihr Kollege plötzlich eine verdächtige dunkle Gestalt entdeckt. Als er den Wagen wendete, um die Verfolgung aufzunehmen, hätten sie Flammen unter dem Kotflügel eines großen Geländewagens vom Typ Mazda Tribute gesehen. „Es waren brennende Grillkohleanzünder, die auf einem Vorderreifen lagen“, so die Polizistin. Der Kollege habe sie mit seinem Schlagstock heruntergewischt und gelöscht. Währenddessen sei sie in Richtung Frankfurter Tor gerannt und habe zunächst niemanden gesehen. Wenig später sei ihr jedoch eine dunkel gekleidete Person aufgefallen, die „normalen Schrittes“ zu einer Spätverkaufsstelle gelaufen sei. Ihr Kollege, der hinzukam, soll sie sofort wiedererkannt haben. „Er hat zu mir gesagt: ,Das ist die Person von vorhin. Ich bin mir sicher.'“

AlexandraR. wurde von den Beamten in der Spätverkaufsstelle festgenommen. Sie gab an, sie sei von der Frankfurter Allee gekommen. „Ich darf mir ja wohl noch eine Flasche Bier kaufen“, soll sie zu den Beamten gesagt und dabei „schwer geatmet“ haben. Auch habe sie sofort sehr sachlich festgestellt, dass ihr jetzt zwei Telefonate zustünden. Später stellte sich heraus, dass sie der linksautonomen Szene zuzuordnen ist; sie soll Mitglied der Berliner Anti-Nato-Gruppe (BANG) sein. Zudem war sie schon in Hamburg aufgefallen, nachdem sie am 1.Mai 2008 Steine auf das Gebäude einer Bank geworfen hatte. Ein Gericht soll dafür die Verrichtung von Sozialstunden angewiesen haben.

AlexandraR.'s Verteidigerinnen beklagen gleich zum Prozessauftakt, ihre Mandantin sei von den Medien vorverurteilt worden. Und sie habe wegen der Untersuchungshaft ihre Lehre zur Matrosin der Binnenschifffahrt abbrechen müssen, obwohl „die Beweislage äußerst dünn“ sei und es zu dieser Inhaftierung gar nicht erst hätte kommen dürfen.

Prozessbeobachter sind sich einig, dass vieles von der Aussage des zweiten Polizeibeamten abhängen wird. Er soll vor dem Schöffengericht voraussichtlich am 13.Oktober als Zeuge vernommen werden. Fraglich ist jedoch jetzt schon, wie der Polizeikommissar die Angeklagte damals so eindeutig erkannt haben will. Nach Aussagen seiner Kollegin hatte er bei der ersten Begegnung an der Liebigstraße nicht einmal gesehen, ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelte. Die Staatsanwaltschaft ist dennoch sicher, AlexandraR. mit einer Reihe von Indizien überführen zu können. So seien bei der Durchsuchung ihrer Wohnung Grillkohleanzünder, Fotos und Zeitungsausschnitte von brennenden Fahrzeugen sowie Schriften aus der linksextremen Szene sichergestellt worden.

Verdächtiger Sprühkopf

Als weiteres Indiz wird der Sprühkopf einer Sprühdose gewertet, den die Angeklagte am Tattag bei sich trug. Er sei von Interesse, heißt es, weil an der Liebigstraße neben dem Mazda Tribute zwei leere Sprühdosen lagen. Es sei jedoch keineswegs zwingend, so eine Verteidigerin, dass dieser Sprühkopf auch diesen Dosen zuzuordnen sei.

Es wird also spannend sein, wie dieser Prozess ausgeht. Für den 23.Oktober ist das Urteil geplant. Dass alles möglich ist, beweist schon der bisherige Verlauf dieses Verfahrens. So wurde AlexandraR. wenige Stunden nach ihrer Verhaftung wieder auf freien Fuß gesetzt. Nach der Durchsuchung ihrer Wohnung wurde jedoch ein Haftbefehl ausgestellt und vollstreckt. Das Kammergericht hat diesen Haftbefehl wegen dringenden Tatverdachts bestätigt.