Prozessauftakt

Mutmaßliche Berliner Auto-Brandstifterin schweigt

Unter verschärften Sicherheitskontrollen hat der Prozess gegen die mutmaßliche Auto-Brandstifterin Alexandra R. begonnen. Die 21-Jährige soll versucht haben, Mitte Mai im Stadtteil Friedrichshain einen Geländewagen anzuzünden. Die Berlinerin schweigt jedoch.

Die 21 Jahre alte Alexandra R. muss sich vor dem Schöffengericht wegen versuchter Brandstiftung verantworten. Laut dem Vorwurf der Staatsanwaltschaft soll sie in der Nacht zum 18. Mai 2009 versucht haben, ein Auto mit einem Grillanzünder in Brand zu stecken. Die Attacke blieb damals erfolglos. Der Gesetzgeber sieht für die zur Last gelegte Tat einen Strafrahmen von einem Jahr bis zu zehn Jahren Haft vor.

Nach Angaben der Polizei wurden in diesem Jahr in mehr als hundert Fällen politisch motivierte Anschläge auf Autos verübt. Über 200 Fahrzeuge brannten.


Rückblick: In der Nacht zum 18. Mai beobachtete eine Zivilstreife die junge Frau, als sie sich zwischen geparkten Fahrzeugen herumtrieb. Das kam den Beamten verdächtig vor. Als sie daraufhin wendeten, um die Frau besser sehen zu können, bemerkten sie einen Feuerschein im Radkasten eines Geländewagens vom Typ Mazda "Tribute". Das Fahrzeug blieb unbeschädigt, und Alexandra R. konnte wenig später festgenommen werden. Dann aber wurde sie schon nach wenigen Stunden wieder auf freien Fuß gesetzt. Weitere Ermittlungen des Staatsschutzes brachten jedoch weiteres belastendes Material. Deshalb wurde ein Haftbefehl ausgestellt und am 20. Mai vollstreckt. Weil man mit Attacken von Sympathisanten rechnete, wurden an dem Tag sogar Einheiten der Bereitschaftspolizei zum Gebäude des Landeskriminalamtes geschickt. Es kam aber nicht zu Zwischenfällen.

Die Verhaftung wurde behördenintern als Erfolg im Kampf gegen die scheinbar nicht zu fassenden Brandstifter gewertet. Die Polizei hofft auf eine Verurteilung mit einer abschreckenden Wirkung: "Gerade junge Menschen halten das Anzünden von Autos für eine Art Kavaliersdelikt. Das trifft aber nicht zu, es handelt sich um eine schwere Straftat. " Wegen der nicht enden wollenden Serie von angezündeten Fahrzeugen hatte es große Diskussionen zwischen Polizei und Politik gegeben.

Dass der Prozess bereits jetzt stattfindet, ist nach Angaben einer Justiz-Sprecherin keine Besonderheit. Es gelte der Beschleunigungsgrundsatz: "Der Tatvorwurf ist noch nicht bewiesen, womit die Beschuldigte offiziell als unschuldig gilt. Da wir durch die Untersuchungshaft bereits stark in die Persönlichkeitsrechte der Frau eingreifen, sind wir angehalten, das Verfahren schnellstmöglich zu führen."