Berliner Ladenschluss

Geschäfte trotzen Shopping-Verbot im Hauptbahnhof

Der Senat will das generelle Sonntagsshopping am Hauptbahnhof unterbinden. Der Bezirk weigert sich noch, die geforderten Kontrollen durchzuführen - und die Händler ignorieren das Verkaufsverbot. Nur einer schloss am Sonntag.

Foto: Manuel Bewarder

Links strömen Einkäufer in den Modeladen Casa Moda, rechts blitzt der Schmuck von Swarovski in den Händen einer Gruppe italienischer Touristen - nur in der Mitte, beim Unterwäscheladen Calida, ist es duster. Ein kleiner, handgeschriebener Zettel in der Tür informierte dort die Bahnhofsgäste, dass das Geschäft vorübergehend geschlossen sei - nur am Sonntag.


Es blieb jedoch bei diesem einen Laden, der sich komplett an das sonntägliche Shoppingverbot im Hauptbahnhof hielt. In einem Drogeriemarkt waren allerdings einige Regale für Kunden abgesperrt. Wer geöffnet hatte, berichtete von konstant hohen Umsätzen. Dabei wurde den Geschäften, die sich nicht an das Verbot halten, ein Bußgeld angedroht. Bei Thomas Fink, Inhaber eines Bekleidungsgeschäfts im 1. Untergeschoss, riefen gestern verunsicherte Kunden an. Sie wollten wissen, ob er geöffnet habe. "Der Streit wird auf dem Rücken der Händler ausgetragen", sagte Fink. "Wir haben hier damals auch deshalb aufgemacht, weil uns die Bahn als Betreiber versprochen hatte, dass wir an sieben Tagen in der Woche öffnen können." Wie bei vielen Geschäften sei auch bei ihm Sonntag der umsatzstärkste Tag.

Der Senat will jedoch auf Druck der Gewerkschaft Ver.di den Sonntagsverkauf unterbinden. Das Ladenöffnungsgesetz soll, nach drei Jahren laxer Handhabung, auch am Hauptbahnhof durchgesetzt werden. Arbeitnehmer hatten sich über nicht gezahlte Sonntagszuschläge oder den Einsatz an drei Sonntagen im Monat beschwert.

Tamaris-Mitarbeiterin Ines Schulze konnte dafür kein Verständnis aufbringen: "Das gefährdet alle unsere Arbeitsplätze hier", sagte die Schuhverkäuferin.

Ohne die angedrohten Kontrollen durch das Ordnungsamt lief der vergangene Sonntag ab. Unsicherheit herrschte dennoch unter den Einzelhändlern, wie es mit dem Einkaufen im Hauptbahnhof am Sonntag weitergehen wird.

Swarovski-Boutique-Managerin Michaela Mirus hat mittlerweile Angst um ihr "Baby", wie sie ihr Geschäft nennt. Für die 39-Jährige steht fest: Sollte der Sonntag wegfallen, müsste wohl ein Teil der insgesamt fünf Mitarbeiter gehen.

Toni Brentrup, Inhaber des Gerry-Weber-Geschäfts, hofft auf eine Sonderregelung: Wie am Flughafen Tegel solle es eine Ausnahme geben, damit am Sonntag nicht nur Reisebedarf verkauft werden dürfe. Brentrup fragt sich: "Was für eine merkwürdige Welthauptstadt wäre Berlin denn sonst?"