Familienunternehmen

Was Daniel Wall vom Verkauf erwartet

Der französische Außenwerbespezialist JC Decaux hat seinen deutschen Konkurrenten Wall übernommen. Firmengründer Hans Wall hat seinen 50-prozentigen Anteil verkauft. Sohn Daniel gehören noch 9,9 Prozent und er bleibt Vorstandsvorsitzender. Morgenpost Online sprach mit ihm über die Zukunft der Wall AG.

Foto: Laessig

Morgenpost Online: Herr Wall, JC Decaux kontrolliert jetzt die Wall AG. Was bedeutet das für die Zukunft des Unternehmens?

Daniel Wall: Nur Gutes. JC Decaux ist ein finanzstarker, weltweit aufgestellter Konzern. Mit den Franzosen im Rücken erhöhen wir noch mal deutlich unsere Wettbewerbsfähigkeit. Dadurch können wir im nächsten Schritt unsere Wachstumsziele umsetzen und kräftig expandieren.

Morgenpost Online: Im Gegenzug geben Sie aber Ihre Eigenständigkeit auf. Wall ist nun kein Familienunternehmen mehr.

Wall: Das stimmt nur bedingt. Es ist zwar richtig, dass wir kein deutsches Familienunternehmen mehr sind. Dafür sind wir aber nun Teil eines französischen Familienunternehmens. Und da gibt es bei Philosophie und Strategie starke Übereinstimmungen. Anders als etwa bei einem Finanzinvestor. Daher wird Wall jetzt nicht plötzlich ein völlig anderes Unternehmen.

Morgenpost Online: Warum haben Sie den Anteil Ihres Vaters nicht selbst übernommen?

Wall: Natürlich hätte mein Vater auch an mich verkaufen können. Aber ohne etwas zum Kaufpreis sagen zu wollen – die Summe hätte ich alleine nicht aufbringen können.

Morgenpost Online: Ihr Vater hätte Ihnen die Anteile auch übertragen können, wie es in vielen anderen Familienunternehmen üblich ist.

Wall: Das stimmt. Und ich bin auch etwas enttäuscht, dass es keine andere Lösung gegeben hat. Aber ich respektiere die Entscheidung meines Vaters. Er hat lange überlegt, aber am Ende ist eine Zusammenarbeit mit JC Decaux nach seiner Überzeugung das Beste für Wall. Damit können wir weiter expandieren und Marktanteile hinzugewinnen. Derzeit sind wir – auch zusammen – die Nummer zwei in der Außenwerbung in Deutschland. Unser Ziel ist aber, die Nummer eins zu werden.

Morgenpost Online: In der Branche wird über einen Notverkauf spekuliert.

Wall: Derlei Spekulationen sind absolut falsch. Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und sind gut aufgestellt.

Morgenpost Online: Aber die Wirtschaftskrise macht der Branche ziemlich zu schaffen.

Wall: Natürlich ist auch Wall von der Wirtschaftskrise betroffen. Alles andere wäre für ein Unternehmen aus der Werbebranche derzeit auch überraschend. Mit einem Minus von zehn Prozent zum Halbjahr stehen wir aber noch gut da – und zwar sowohl im Vergleich zu unseren Wettbewerbern als auch im Vergleich zu anderen Werbeformen. Überraschend ist das für mich nicht: Das Instrument Außenwerbung hat in meinen Augen noch großes Potenzial in Deutschland. Wir können den Marktanteil in den kommenden Jahren locker von derzeit vier Prozent auf acht Prozent verdoppeln.

Morgenpost Online: Wie läuft es bei Wall bislang im zweiten Halbjahr?

Wall: Das Geschäft hat sich stabilisiert. Das Minus wird daher auch für das Gesamtjahr nicht weiter steigen.

Morgenpost Online: Sie rechnen mit einem Minus von zehn Prozent.

Wall: Langfristig rechne ich dann mit einem kräftigen Wachstum. Denn auch wenn es abgedroschen klingt: In der Krise bieten sich immer auch Chancen. Insofern kommt der Einstieg von JC Decaux als Mehrheitseigner genau zum richtigen Zeitpunkt. Denn in den kommenden Monaten wird in etlichen deutschen Städten die Stadtmöblierung neu ausgeschrieben, darunter in Frankfurt und Essen, Bremen und Bielefeld. Um diese Aufträge für uns zu gewinnen, sind aber erhebliche Investitionen nötig.

Morgenpost Online: Die die Wall AG allein nicht hätte aufbringen können?

Wall: Zusammen mit JC Decaux können nun wir diese Investitionen stemmen. Das erhöht unsere Chancen. Und davon profitiert am Ende auch der Standort Berlin.

Morgenpost Online: Warum?

Wall: Wall und JC Decaux sollen jeweils als eigenständige Unternehmen und Marken erhalten bleiben. Dabei wird Wall auch weiterhin von Berlin aus geführt. Denn bei dem Deal geht es nicht um eine Verschmelzung, sondern um eine enge Zusammenarbeit. Indem wir Ausschreibungen gewinnen, entsteht also in Berlin die Mehrarbeit. Dementsprechend brauchen wir dann auch dort neue Mitarbeiter.

Morgenpost Online: Ausschreibungen hätten Sie ja auch als Wall AG ohne die Franzosen gewinnen können. Welchen Sinn hat da die Übernahme?

Wall: Natürlich schafft die Mehrheitsübernahme von JC Decaux in vielen Bereichen Synergien, zum Beispiel bei der Vermarktung. Sie wird aber keine Arbeitsplätze kosten, vielmehr werden sogar neue Jobs geschaffen. Jeder bringt seine Stärken ein. Wir zum Beispiel könnten unsere Toilettentechnik nach Frankreich exportieren und im Gegenzug das Pariser Fahrradverleihsystem von JC Decaux auch hier in Deutschland übernehmen.

Morgenpost Online: Wie sieht die künftige Aufgabenverteilung aus?

Wall: Über Details kann ich noch nichts sagen. Vorher muss das Kartellamt dem Vertrag noch zustimmen. Fest steht aber, dass ich Vorstandschef bleibe, wenn die Behörde den Vertrag genehmigt. Darüber hinaus bleibt mein Vater weiterhin Vorsitzender des Aufsichtsrates. Er wollte sein Amt zur Verfügung stellen, die Franzosen haben sich aber gewünscht, dass er weitermacht.

Morgenpost Online: Was passiert mit Ihren Sponsoring-Aktivitäten in Berlin? Laufen die auch weiter?

Wall: So ist es mit JC Decaux besprochen. Da kann ich die Berliner beruhigen. Wir haben unsere Aktivitäten wegen der Wirtschaftskrise nicht zurückgefahren und werden das auch jetzt nicht machen. Das Sponsoring ist für Wall eine Herzensangelegenheit, egal, ob es die 80 von uns geförderten Brunnen sind, die Weihnachtsbeleuchtung oder das Projekt Kreuzberger Schule. Wir sind ein Stadtmöblierer und verdienen als solcher unser Geld in, durch und mit der Stadt. Daher haben wir eine Verantwortung gegenüber den Menschen, die dort leben. Das gilt für sämtliche Städte, in denen wir tätig sind, vor allem aber für Berlin, immerhin steht da auch unser Unternehmenssitz.

Morgenpost Online: Werden die Aktivitäten noch ausgedehnt?

Wall: An uns werden regelmäßig Ideen und Projekte herangetragen. Wir prüfen dann diese Konzepte. Und einige davon könnten wir in den kommenden Wochen und Monaten auch durchaus aufgreifen. Bislang ist aber noch nichts davon spruchreif.

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