Verwaltungskosten

Was ein Knöllchen die Berliner Bezirke kostet

Rechnet sich eigentlich das Verteilen eines 15-Euro-Knöllchens? Was kostet ein Schultag an einer Grundschule? Wo sind Lebensmittelkontrollen am teuersten. Der Berliner Senat hat die Dienstleistungskosten der Berliner Bezirke verglichen. Die Ergebnisse sind überraschend.

Die Kosten für Dienstleistungen in den Bezirken gleichen sich an. Das geht aus dem aktuellen Kostenvergleich der Finanzverwaltung hervor, die die Berliner Bezirke verglichen hat. Sie hat die Kosten der jeweiligen Leistung miteinander verglichen.

Die Zusammenstellung geht auf den ehemaligen Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) zurück, der den finanziellen Aufwand für die Angebote der einzelnen Bezirksverwaltungen vereinheitlichen wollte. Das Ergebnis des jüngsten Vergleichs: Mittlerweile haben sich die Kosten tatsächlich angeglichen. Nur noch in Einzelfällen sind erhebliche Preisunterschiede zu verzeichnen.

So sind die Kosten für eine Lebensmittelkontrolle in Tempelhof im Vergleich zum Vorjahr um fast 30 Prozent auf 108 Euro je Überprüfung gestiegen. Tempelhof-Schöneberg ist damit Spitzenreiter im Vergleich der Bezirke. In Marzahn-Hellersdorf sind die Kosten dagegen mit 46 Euro am geringsten und damit weniger als halb so hoch wie in Tempelhof-Schöneberg.

Der frappierende Unterschied hat auch in Tempelhof-Schöneberg den zuständigen Stadtrat für die Bürgerdienste, Oliver Schworck (SPD), alarmiert. Die Erklärung für den rasanten Preisanstieg bei den Lebensmittelkontrollen klingt profan: "Ein Mitarbeiter der Lebensmittelkontrolle ist langfristig erkrankt, ein anderer befand sich drei Monate in der Fortbildung, dazu hatten wir eine Reihe anderer Ausfälle", sagt Schworck. Entsprechend weniger Kontrollen seien vorgenommen worden. Das erkläre den Anstieg der Kosten je Kontrolleinheit. "Es ist schon ärgerlich, wenn man durch Umstände, die man nicht zu vertreten hat, in Kritik gerät", sagte Schworck. Bei der Berechnung der Lohn-Stück-Kosten würden die fehlenden Mitarbeiter nicht berücksichtigt.

Gewinnbringende Dienstleistungen

Umgekehrt erklärt der Marzahner Stadtrat für Personal, Christian Gräff (CDU), sein gutes Abschneiden mit der Rückkehr eines Langzeitkranken sowie einer Mitarbeiterin aus dem Erziehungsurlaub. "Wir konnten wieder mehr Kontrollen vornehmen, das hat die Lohn-Stück-Kosten gesenkt", sagte Gräff. Die Berechnungsgrundlage bilde nicht die Realität ab, kritisierte Stadtrat Schworck.

Ähnlich deutliche Unterschiede herrschen bei der Bibliotheksausleihe. Die Kosten differieren zwischen 75 Cent je Buch in Steglitz-Zehlendorf und 1,66 Euro in Treptow-Köpenick (siehe Grafik).

Die unterschiedlichen Kosten bleiben für die Bezirke nicht folgenlos. "Die Finanzmittelzuweisung für die Bezirke basiert auf den mittleren Stückkosten einer Dienstleistung", sagt die Haushaltsreferentin der Finanzverwaltung, Karola Scherler. "Bezirke, die nicht kostendeckend arbeiten, müssen entsprechende Defizite durch gewinnbringende Dienstleistungen selbst ausgleichen." Dieser Mechanismus führe dazu, dass die Bezirke ein eigenes Interesse hätten, möglichst wirtschaftlich und damit auch kostendeckend zu arbeiten.

Das Argument der Bezirke, Personalausfall verzerre das Bild, lässt die Finanzverwaltung nur teilweise zu. Bei Angestellten falle bei langer Krankheit die Lohnfortzahlung weg, daher fielen auch keine Personalkosten mehr an. Hier gelte das Argument also nicht. Anders verhalte es sich bei Beamten, deren Personalkosten auch bei längerfristiger Abwesenheit in die Kostenberechnung einflössen.

Mehr Personal - höhere Kosten

Die Broschüre "Was kostet wo wie viel?" führt auf 120 Seiten Beispiele aus allen Ressorts auf. So kostet das Ausstellen und Bearbeiten eines Knöllchens durchschnittlich 16,30 Euro. Am günstigsten arbeitet das Ordnungsamt Steglitz-Zehlendorf (11,91 Euro), den teuersten Verwaltungsaufwand betreibt Pankow (19.96 Euro). Für die Ummeldung in einem Bürgeramt fallen in Steglitz-Zehlendorf 16 Euro an, in Lichtenberg 26 Euro. Durchschnittlich sind es in Berlin 21,20 Euro. Ein Schultag in einer Grundschule kostet durchschnittlich 9,01 Euro je Schüler. Die Aufwandssumme differiert zwischen 10,50 Euro in Charlottenburg-Wilmersdorf und 7,83 Euro in Lichtenberg. Bemerkenswert ist, dass durch die bessere Ausstattung der Schulen mit Personal die Kosten in allen Bezirken im vergangenen Jahr angestiegen sind.

Die Berechnung der Finanzverwaltung misst auch die die Zahl der fleißigsten Leser in den Bezirken. So entleiht ein Bibliotheksbesucher in Pankow mit 2,9 Büchern die meisten Titel je Besuch. Die Spandauer nehmen durchschnittlich nur 1,9 Bücher pro Besuch mit.

Für die Bearbeitung eines Wohngeldantrages fallen in Charlottenburg-Wilmersdorf 237 Euro an, in Lichtenberg sind es nur 117.

Für die Berechnung der einzelnen Kosten je Dienstleistung werden alle Verwaltungsvorgänge mit eingerechnet, die dadurch anfallen. Im Fall der Wohngeldanträge beispielsweise sind es neben der Bearbeitung auch die Kosten für Vorschuss- und Rückforderungsbescheide der Verwaltung.