Ärger um Bio-Potenzmittel

Berliner Charité-Professor wird beurlaubt

Ein halbes Jahr nach Bekanntwerden der Tests für eine neue Potenzpille ist der verantwortliche Berliner Professor Holger Kiesewetter beurlaubt worden. Seine Studie soll nichts als ein PR-Gag gewesen sein. Die Charité hat bereits Anzeige erstattet.

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Dem bisherigen Direktor des Instituts für Transfusionsmedizin Holger Kiesewetter wird vorgeworfen, die Untersuchungen ohne die gängigen wissenschaftlichen Parameter durchgeführt zu haben. Der Fall war im Frühjahr bekanntgeworden und hatte an Europas größtem Universitätsklinikum für eine Menge Ärger gesorgt. Damals hatte sich ein Mitarbeiter des Professors in verschiedenen Medien zu den Tests mit der Pille geäußert. Wie sich jedoch herausstellte, war der Mitarbeiter kein Mediziner, sondern lediglich ein Student, der seine Doktorarbeit plante. Nach Angaben der Charité war er auch nicht berichtigt, Erklärungen für das Klinikum abzugeben.

Die Charité zog schon bald Konsequenzen und erstattete wenig später Anzeige. Wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, nun sagte, laufen die Ermittlungen gegen Kiesewetter dazu noch. Zunächst müssten die Ergebnisse der Durchsuchungen vor mehreren Wochen abgewartet werden. Erst dann könne man sagen, ob sich die Vorwürfe erhärten ließen. Die Beurlaubung habe auf diese Ermittlungen keinen Einfluss.

Dreistes Finanzgebaren, medizinische Studien von zweifelhafter Seriosität, öffentliche Werbung für dubiose Mittelchen: In die Schlagzeilen geraten war der Charité-Professor schon häufiger. Mehrfach wurde ihm vorgeworfen, er führe fragwürdige medizinische Studien durch und mache Werbung für Medikamente von zweifelhafter Wirkung. Unter anderem hatte Kiesewetter eine Nasensalbe zum Schutz gegen Pollen empfohlen. Fachleute warnten daraufhin vor der Einnahme des Präparates wegen möglicher Spätschäden. Ärger gab es auch um eine Studie aus Kiesewetters Institut, die zeigen sollte, dass Knoblauchpillen gegen Gefäßverkalkung helfen. Bezahlt worden war die Studie vom Hersteller der Pillen.

Seinen bislang letzten öffentlichen Auftritt hatte Kiesewetter vor wenigen Wochen, als er bei einer Pressekonferenz der unter Doping-Verdacht stehenden Eisschnellläuferin Claudia Pechstein gegen Bezahlung als Experte auftrat und dabei die Dopingkontrolleure heftig attackierte.

In der Vergangenheit hatte Kiesewetter die gegen ihn erhobenen Vorwürfe stets bestritten. Zu den neuen Vorwürfen der Untreue und Bestechlichkeit wollte sich der Professor nicht äußern.

Kritiker bezeichneten das "Bio-Viagra" als völlig wirkungslos und die Studie als reinen PR-Gag.

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