Autoverkehr

Tempo-Messung ist in Berlin demnächst unsichtbar

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Markus Falkner

Berlins Autofahrer müssen sich auf neue Geräte zur Geschwindigkeits-Messung einstellen. Im Tunnel Britz, einem der Berliner Unfallschwerpunkte, soll noch in diesem Jahr ein sogenannter Schwarz-Blitzer stehen. Er misst die Geschwindigkeit mit Infrarotlicht – und das ist für die Autofahrer unsichtbar. Der ADAC begrüßt die Anschaffung.

Es hat nicht geblitzt, aber trotzdem kommt der Strafzettel. Diese Erfahrung könnten Autofahrer künftig machen, die im Tunnel Ortsteil Britz (TOB) zu schnell fahren. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung will in dem gut 1,7 Kilometer langen Tunnel der Stadtautobahn A 100 noch in diesem Jahr sogenannte „Schwarz-Blitzer“ installieren. 1,49 Millionen Euro hatte Senatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) bereits im August dafür beantragt. Der Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses hat jetzt zugestimmt, wie Junge-Reyers Sprecherin Petra Rohland am Montag bestätigte. 1,3 Millionen Euro können noch 2009 fließen, der Rest folgt im kommenden Jahr.

Das neue System ist bei Autofahrern umstritten, gilt Verkehrsexperten aber als wirksames Mittel, um den Straßenverkehr sicherer zu machen. Vor allem in Tunneln wie in Britz. Der unterirdische Autobahnabschnitt ist einer der Unfallschwerpunkte der Stadt. In Spitzenzeiten rauschen 5500 bis 6000 Autos pro Stunde durch den Untergrund. Im Vergleich zu ähnlichen Tunneln – etwa dem Tunnel Ortsteil Tegel – kracht es in der Doppelröhre in Britz bis zu 75 Prozent öfter. 2005 forderte ein folgenschwerer Unfall ein Todesopfer. Hauptursache für Unfälle ist überhöhte Geschwindigkeit.

Im längsten Autobahntunnel Berlins gilt Tempo 80. Bei Messungen der Polizei wurde diese Höchstgeschwindigkeit teilweise um bis zu 50 Prozent überschritten. Wer künftig zu kräftig aufs Gas tritt, soll daher eine unangenehme Überraschung erleben. Gleich an drei Standorten pro Fahrspur sollen die Blitzer installiert werden. Welches Gerät aktiv ist, bestimmt ein Zufallsgenerator. Die Geschwindigkeit wird über Sensoren in der Fahrbahn gemessen, die in einem Abstand von einem Meter installiert werden. Einen Blitz, wie bei bisherigen Geschwindigkeitskameras üblich, werden die Raser aber nicht sehen. Das Infrarotlicht der Digitalkameras ist für das menschliche Auge unsichtbar. Die neue Technik wurde speziell für Tunnelabschnitte entwickelt, in denen blendendes Blitzlicht für eine zusätzliche Gefährdung – etwa durch plötzliches Bremsen – sorgen könnte. Ähnliche Anlagen sind bereits in mehreren Autobahntunneln in Bayern, Thüringen und Baden-Württemberg im Einsatz.

Und nicht nur der unsichtbare Blitz unterscheidet die neuen Überwachungskameras von herkömmlichen Anlagen. Auf der linken Spur soll künftig zusätzlich zur Frontalansicht auch von hinten fotografiert werden. Motorradfahrer – bislang bei fest installierten Blitzern meist nicht identifizierbar – können damit ebenfalls zur Kasse gebeten werden.

ADAC befürwortet Einsatz

In mehreren Internet-Foren ist im Zusammenhang mit der neuen Technik von „Abzocke“ und „Schikane“ die Rede. Der Berliner ADAC befürwortet den Einsatz an Unfallschwerpunkten wie im Tunnel Ortteil Britz hingegen. Einziger Nachteil der Schwarz-Blitzer sei der fehlende „erzieherische Effekt“, sagte ADAC-Anwalt Ralf Wittkowski. Die Autofahrer würden erst von ihrer Tempoüberschreitung erfahren, wenn der Bußgeldbescheid eingeht. Wittkowski forderte daher, dass Schilder vor den Tunneleinfahrten auf den Einsatz der Kameras hinweisen müssten. „Wenn man Vor- und Nachteile gegeneinander abwägt, sind die Anlagen aber ein angemessenes Mittel“, so der Rechtanwalt.

Von Schikane gegenüber den Autofahrern könne keine Rede sein, betont auch Grünen-Verkehrsexpertin Claudia Hämmerling. Sie fordert eine Ausweitung des Blitzereinsatzes auch auf andere Unfallschwerpunkte der Stadt. Ein Viertel aller tödlichen Verkehrsunfälle werde durch Raser verursacht, argumentiert sie.

„Die Blitzer sollen gezielt an unfallträchtigen oder gefährlichen Orten eingesetzt werden, um die Zahl der Verkehrsunfälle zu senken“, so Hämmerling „Sie sollen ausdrücklich nicht eingesetzt werden, um Autofahrer in die Blitzerfalle, zum Beispiel am Ende einer Autobahn oder an einer abschüssigen Straße zu locken.“ Auf Antrag der Grünen soll sich in Kürze auch das Abgeordnetenhaus mit der Forderung nach zusätzlichen Blitzern befassen.