Spreedreieck

Erste Mieter beziehen den Turm an der Friedrichstraße

Das gläserne Hochhaus an der Friedrichstraße wird bald seine ersten Mieter empfangen. Anfang Oktober zieht etwa das Wirtschaftsprüfungs-Unternehmen Ernst & Young, der Managementberater CNC sowie fünf weltweit agierende Anwaltssozietäten in acht der Etagen des Millionenobjektes. Investor Harm Müller-Spreer kann zufrieden sein.

Foto: Michael Brunner

Mit einem zufriedenen Lächeln klopft sich der Hamburger Großinvestor Harm Müller-Spreer den Baustaub aus der sandfarbenen Jeans, als er vor dem Hauptportal seines Glas-Hochhauses am Bahnhof Friedrichstraße steht. In diesen Tagen legen die Arbeiter letzte Hand an die Außenanlagen.

Der Hanseat hat allen Grund zur Freude: Anfang Oktober ziehen Großmieter wie der Wirtschaftsprüfer-Gigant Ernst & Young, der Managementberater CNC sowie fünf weltweit agierende Anwaltssozietäten in acht der Etagen des Millionenobjektes.


Aus Taktgefühl will Müller-Spreer jedoch auf eine große Eröffnungsfeier verzichten: "Nach all den Querelen würde das missverständlich wirken", befürchtet der Mittvierziger. Damit könnte er recht haben. Seit Monaten ist ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss damit beschäftigt zu klären, wie die Baugenehmigung für sein Haus zustande kam.

An der Friedrichstraße schließt das Hochhaus "Spreedreieck" die vorletzte Baulücke. Im kommenden Jahr beendet ein Hotelneubau neben dem Admiralspalast die Bautätigkeit in diesem Bereich. Seltsam klotzig erhebt sich Müller-Spreers Büroensemble nun über seine Nachbarbauten an Berlins ehemals erster Amüsiermeile, die mit dem vor drei Jahren eröffneten Admiralspalast wieder an glanzvolle Zeiten anknüpft. Dass es sein Umfeld derart in den Schatten stellen durfte, ist eine der Merkwürdigkeiten, an denen die Berliner Baugeschichte so reich ist. Ein Untersuchungsausschuss müht sich seit Monaten und bislang ohne greifbare Ergebnisse um die Aufklärung des desaströsen Grundstücksdeals, der dazu führte, dass dem Land Berlin vom erhofften Verkaufserlös von 100 Millionen Euro für die Baufelder rund um den Bahnhof Friedrichstraße kaum etwas übrig blieb.

Teile des Grundes gehörten der Bahn

Um Rückübertragungsansprüche der Erben Max Reinhardts, des Gründers des Deutschen Theaters, zu befriedigen, hatte man ihnen die Rechte am Spreedreieck zugesprochen, die diese weiterveräußerten, bis sie schließlich beim Hamburger Investor Müller-Spreer landeten. Bei dem Deal wurden dem Hanseaten vom Senat jedoch auch Grundstücksanteile übertragen, die der Bahn gehörten. In der Folge musste das Land einen Teil des Kaufpreises zurückerstatten und räumte Müller-Spreer zur Entschädigung auch noch die Genehmigung ein, 40 Meter hoch zu bauen.

Das Desaster nahm seinen Lauf, weil nun sämtliche Anlieger gegen die Verschattung klagten und in kostspieligen Vergleichen abgefunden werden mussten. Fühlt sich Harm Müller-Spreer als Sieger der Querelen? "Ganz und gar nicht", sagt er, "denn durch die vielen Fehler des Senats musste schließlich das Grundkonzept des Bauvorhabens immer wieder geändert und korrigiert werden". So liegen die Baukosten inzwischen bei rund 250 Millionen Euro, mehr als ursprünglich veranschlagt.

Doch das ist für den Hamburger inzwischen "Schnee von gestern". Harm Müller-Spreer kümmert sich jetzt selbst um die Einhaltung des Einzugstermins. So wird im Moment die zukünftige Zwischenstraße (ehemalige Taxi-Schleife) an der Nordseite des Bahnhofs Friedrichstraße planiert. Auch in Zukunft soll dieses etwa 250 Meter lange Straßenstück zwischen Reichstagsufer und Friedrichstraße nur von Taxen genutzt werden und von Pkw, die in die Tiefgarage (200 Plätze) des Glas-Hochhauses fahren.

Kleiner Tränenpalast

Direkt neben der Garageneinfahrt steht der Tränenpalast. Neben dem riesigen Neubau wirkt das Gebäude aus der Zeit der Teilung und des Kalten Krieges klein. "Das wird nicht so bleiben", versichert Harm Müller-Spreer und erläutert seine Rolle bei der Verwirklichung des Gedenkstätten-Konzeptes der Bundesregierung. Der Tränenpalast soll ein "Ort der Begegnung" werden. Unter Mitwirkung des Hauses der Geschichte der Bundesrepublik in Bonn ist eine Dokumentations- und Veranstaltungsstätte geplant.

Als Eigentümer des Tränenpalastes hat Harm Müller-Spreer mit dem Staatsminister im Kanzleramt Bernd Neumann (CDU) vereinbart, das Bauwerk aus DDR-Zeiten im Oktober "besenrein" zu übergeben. Das bedeutet, dass Handwerker im Moment den Tränenpalast sanieren. "Allerdings dürfen nur Originalteile verwendet werden", so Müller-Spreer. Tatsächlich stehen jetzt im Gebäude riesige Regale, in denen Einzelteile auf ihre Wiederverwendung warten.

Während der Investor seine Bauunterlagen zum Spreedreieck nach und nach vom Schreibtisch räumen kann, wird das Aktenstudium der Parlamentarier noch dauern. Erst Ende 2010 wird mit einem Abschlussbericht des Untersuchungsausschusses gerechnet.

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