Mai-Krawalle

Schüler bestreiten Mordversuch an Berliner Polizisten

Versuchter Mord und gefährliche Körperverletzung - so lauten die Vorwürfe gegen zwei 17- und 19-jährige Berliner. Sie sollen während der diesjährigen Mai-Krawalle in Kreuzberg einen Molotowcocktail auf Polizisten geworfen haben. Nun stehen die Jugendlichen deshalb vor Gericht.

Foto: dpa / dpa/DPA

„Ich hätte an diesem Tag gar nicht erst nach Kreuzberg fahren sollen“, sagte der 19-jährige Yunus K., „das war ein dumme Entscheidung“. Keiner im Saal 817 des Moabiter Kriminalgerichts wollte dem Abiturienten widersprechen. Denn dieser 1. Mai 2009 hatte für ihn und den zwei Jahre jüngeren Rigo B. ein fatales Ende. Beide wurden festgenommen und müssen sich jetzt vor einer Jugendkammer wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung verantworten.

Oberstaatsanwalt Ralph Knispel geht in seiner Anklage davon aus, dass die beiden im Rahmen der Mai-Krawalle in Richtung einer Gruppe von Polizisten einen so genannten Molotowcocktail warfen. Dabei sei ein Teil des brennenden Benzins aus der Flasche geschleudert worden und habe eine Frau verletzt. Sie erlitt schwere Verbrennungen am Rücken und musste im Krankenhaus behandelt werden.

19-Jähriger ist vorbestraft

Yunus K. und Rigo B. bestritten die Anschuldigungen. Er habe sich bewusst abseits gehalten, sagte Yunus K., „weil ich noch unter Bewährung gestanden habe“. Bei seinem ersten Strafverfahren war es um die Mai-Randale im Jahr 2007 gegangen. K. hatte damals eine Bierflasche auf einen Polizisten geworfen und war wegen schweren Landfriedensbruchs zu einer zehnmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden. Die Frage der Vorsitzenden Richterin Petra Müller, warum er trotz dieser offenen Bewährung zu der Demonstration nach Kreuzberg gefahren sei, beantworte er mit „Abenteuerlust“. Er habe mit Freunden zu dieser Demo gehen wollen. Aber ihm sei schon klar gewesen, dass da „Steine und Flaschen auf Polizisten fliegen“.

Die Verteidigung rügte zum Prozessauftakt die Arbeit der Ermittler und forderte in einem förmlichen Antrag, Oberstaatsanwalt Knispel durch einen anderen Beamten der Staatsanwalt zu ersetzen. Die Verstöße des Anklagevertreters seien derart „gravierend“, dass sich „der Verdacht der Befangenheit“ regelrecht aufdränge, sagte Anwältin Ulrike Zecher.

Foto soll die Täter zeigen

Wichtigster Kritikpunkt war ein von Zeugen zur Verfügung gestelltes Foto, das nach Meinung der Verteidigung die eigentliche Tätergruppe zeige. Die Zeugen, die das Foto noch am 1. Mai bei der Polizei übergaben, hätten später in ihren Aussagen auch von einer Frau gesprochen, die bei dem Wurf des Molotowcocktails verletzt worden sei. Der Oberstaatsanwalt habe diese Fotos jedoch zurückgehalten, so Anwältin Zecher, und diese Erkenntnisse bei den Ermittlungen und der Anklageerhebung nicht berücksichtigt. Kritisiert wurden ebenso, dass die Kleidung von Rigo B., der den Brandsatz geworfen haben soll, trotz wiederholter Aufforderung eines Verteidigers nicht sofort untersucht worden sei.

Oberstaatsanwalt Ralph Knispel wies die Vorwürfe der Verteidigung in einer Stellungnahme zurück und nannte sie „grotesk bis unverfroren“. Am Rande des Prozesses informierte er, dass das Foto mit den vermeintlichen Tätern mit der aktuellen Anklage nichts zu tun habe. Er sei auch sicher, so Knispel, die Angeklagten überführen zu können. Zwei Polizeibeamte einer Spezialeinheit hätten die beiden jungen Männer seit dem Wurf des Molotowcocktails nicht mehr aus den Augen gelassen und sie dann auch in der Nähe des Tatortes festgenommen.

Der Prozess wird am 8. September fortgesetzt.

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