Kriminalität

WM-Hooligan macht Karriere bei Rockern

Einer der fünf Hooligans, die während der Fußball-Weltmeisterschaft in Frankreich vor knapp zehn Jahren den Polizisten Daniel Nivel fast tot geschlagen hatten, gehört bei den Potsdamer Hells Angels zur Führungsriege des streng hierarchischen Clubs.

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Der Magdeburger stammt aus dem Umfeld der Hells Angels in Cottbus und gilt in Polizeikreisen als „geschäftstüchtig“. Ursprünglich sei sogar angedacht gewesen, den gelernten Elektriker und Ex-Hooligan aus dem Umkreis des Berliner Fußballclubs Dynamo zum Präsidenten zu ernennen, wie ein szenekundiger Beamter sagte. Die Hells Angels selbst stellen sich vor ihr Mitglied. „Die Vergangenheit eines Members ist uns keinesfalls egal“, sagt Django vom Hells Angels MC. „Doch wer bei uns dabei ist, hat diesen früheren Zeiten abgeschworen.“ Man werde sich deshalb nicht an den Stigmatisierungen beteiligen. Dennoch gebe es Grenzen innerhalb der Bruderschaft: „Wenn wir erkennen, dass das Mitglied wieder wie früher agiert, ist der Mann für uns Geschichte“, sagt Django. Dennoch gibt er zu bedenken, dass jeder eine zweite Chance verdient habe. „Wir Hells Angels schauen auf den Charakter des Menschen und nicht auf das, was in den Polizeiakten steht.“

In ihren Unterlagen haben die Beamten notiert, dass die Potsdamer Verquickung zwischen Ex-Hooligans und den Hells Angels offensichtlich kein Einzelfall ist: Auch beim „Charter“ (Ortsgruppe) Hannover ist einer der ehemaligen Schläger von Lens (Frankreich) organisiert. Auch dieser ehemalige Straftäter hat dort mittlerweile den Rang eines „Offiziers“ erreicht und nach Angaben von Ermittlern „eine steile Karriere innerhalb kürzester Zeit hingelegt“.

Rocker sind Thema im Landtag

Der Innenausschuss des Landtages wird sich heute erneut mit dem Thema Rockerkriminalität befassen. Nach Angaben des Innenministeriums soll Staatssekretär Hans-Jürgen Hohnen unter anderem zum Verbot der „Chicanos“ im Barnim und der personellen Aufstockung bei der Polizei sprechen.

Der innenpolitische Sprecher der CDU, Sven Petke, verlangt in diesem Zusammenhang eine gemeinsame Sonderkommission „Rocker-Kriminalität“ mit Berlin. Die äußerst gewaltbereite Szene erfordere eine massivere Vorgehensweise der Behörden. „Berlin und Brandenburg müssen viel stärker zusammenarbeiten“, sagt Petke. Es reiche nicht, dass Schönbohm die Zahl der Ermittler in Brandenburg aufgestockt hat. Es sollte einen gemeinsamen Ermittlungsführer der beiden Landeskriminalämter geben. Wie in Berlin praktiziert, müsse Brandenburg stärker präventiv tätig werden. So könnten Angehörige der Rockerszene schon vor absehbaren Auseinandersetzungen vorübergehend in Haft genommen werden. Der Druck müsse unbedingt erhöht werden.

Auch der SPD-Rechtsexperte Ralf Holzschuher warnt vor den Gefahren der gewaltbereiten Szene. Der Vorsitzende des Innenausschusses, Hans-Jürgen Scharfenberg (Linke) sagte gestern, sie müsse „sehr ernst genommen werden“. Auch er plädiert dafür, die Zusammenarbeit mit Berlin zu verstärken.

Scharfenberg begrüßte erneut das Verbot der „Chicanos“, den dem Bandidos MC nahestehen. „Dass man zum Verbot greift, ist das richtige Mittel“, sagt er. Er gehe davon aus, dass das Innenministerium die Vorrausetzungen dafür geprüft habe. „Es wäre ein verheerendes Signal, wenn man das Verbot zurücknehmen müsste.“ In Polizeikreisen war die Vorgehensweise von Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) kritisiert worden. Es wird die Befürchtung geäußert, dass das Verbot juristisch angreifbar ist.

Bislang scheint die Verfügung wasserdicht: Nach Angaben des Innenministeriums haben die Barnimer Rocker bis gestern keinen Widerspruch gegen das Verbot ihrer Gruppe eingelegt.

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