Kriminalität

Berliner Senat prüft Verbot von Rockerclub

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Michael Behrendt

Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) hat vor kurzem den Rockerclub Chicanos MC Barnim verboten. Und auch die Berliner Innenverwaltung arbeitet an der Zwangsauflösung eines Vereins. Es soll sich um einen Club handeln, der dem kriminellen Umfeld zugerechnet wird.

In Berlin wird ähnlich wie in Brandenburg das Verbot eines Rockerclubs geprüft. Das erfuhr Morgenpost Online aus Sicherheitskreisen. Einem Ermittler zufolge gehe es allerdings nicht um die großen Clubs wie die Hells Angels oder die rivalisierenden Bandidos, da diese bundesweit aktiv sind und dafür das Bundesinnenministerium zuständig wäre. In Brandenburg waren erst kürzlich die die Bandidos unterstützenden Chicanos MC Barnim verboten worden.

Eine Sprecherin der Innenverwaltung hatte am Mittwoch gesagt, Berlin prüfe wie alle anderen Bundesländer entsprechende Möglichkeiten. Vorliegenden Informationen nach soll allerdings bereits Anfang des Jahres konkret das Verbot eines bestimmten Rockerclubs in Berlin erwogen worden sein. Um welchen es sich handelt, wollte ein ranghoher Beamter aus ermittlungstaktischen Gründen nicht sagen. Es gehe aber um eine Vereinigung, die dem kriminellen Umfeld zugerechnet wird und die einen der beiden großen Clubs unterstützt.

Ob das Verbot des in Brandenburg aktiven Clubs einen positiven Einfluss auf die seit Jahren anhaltenden blutigen Übergriffe haben könnte, wird in Ermittlerkreisen angezweifelt. „Theoretisch könnten die bundesweit agierenden Bandidos diese Gruppe bei sich als Mitglieder aufnehmen. Somit würde die Verbotsbegründung ausgehebelt“, so ein Szenekenner. Nur ein Verbot auf Bundesebene könne dauerhaft Bestand haben und der Polizei bessere Werkzeuge zur Bekämpfung dieser speziellen Form der Kriminalität geben. In Australien beispielsweise sei eine Bruderschaft mit einem sogenannten Bann belegt worden. Somit ist es in dem Land bereits illegal, wenn sich Mitglieder treffen.

In Berlin und Brandenburg haben es die Ermittlungsbehörden seit Monaten mit einem eskalierenden Rockerkrieg zwischen den Hells Angels und den Bandidos sowie deren Unterstützern zu tun, der nur noch selten mit den Fäusten, sondern viel mehr mit Waffen ausgetragen wird.

Erst kürzlich war in Hohenschönhausen ein Rocker auf der Straße erschossen worden, der früher dem Umfeld der Hells Angels zugerechnet wurde und sich zuletzt bei deren Kontrahenten aufgehalten haben soll. Die Kripo geht in diesem Fall vielen Hinweisen nach. Eine „heiße“ Spur hat sich noch nicht ergeben.