Illegaler Waffenbesitz

Anklage gegen Ohnesorg-Schützen Kurras erhoben

Gegen den früheren West-Berliner Polizisten Karl-Heinz Kurras hat die Staatsanwaltschaft Anklage erhoben. Allerdings nicht wegen der tödlichen Schüsse auf den Studenten Benno Ohnesorg 1967 oder wegen seiner Spitzeldienste für die DDR-Staatssicherheit.

Gegen den früheren West-Berliner Polizisten Karl-Heinz-Kurras ist Anklage wegen illegalen Waffenbesitzes erhoben worden. Der Termin für die Verhandlung steht noch nicht fest. Andere Strafanzeigen gegen Kurras, der 1967 in Berlin den Studenten Benno Ohnesorg am Rande einer Demonstration gegen den Schah-Besuch erschoss, würden dagegen noch geprüft, sagte der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, Martin Steltner. Durch einen Fund in der Birthler-Behörde war Ende Mai bekannt geworden, dass Kurras SED-Mitglied und Stasi-Spitzel war. Bei der Staatsanwaltschaft waren auch Anzeigen wegen Mordes und Spionage eingegangen.

Die Berliner Sicherheitsbehörden hatten in der Wohnung von Kurras bei einer Durchsuchung im Juni einen Revolver, Kaliber 38, und einen sogenannten Totschläger beschlagnahmt. Zuvor hatte der 81-Jährige, der als Waffennarr gilt, Ende Mai eine andere Pistole und Munition freiwillig an die Polizei übergeben. Als er die Waffe beim Landeskriminalamt abgab, hatte er den Beamten gesagt, es sei die einzige im Haus. Aus den Stasi-Akten geht hervor, dass sich Kurras mit Geld von der Stasi damals auch neue Waffen kaufte.

Nach dem Tod des Studenten Ohnesorg war Kurras in zwei Verfahren 1967 und 1970 mangels Beweisen vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freigesprochen worden. Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe hatte im Juni einen Band der umfangreichen Stasi-Akten über Kurras gesperrt, um die Papiere ohne Öffentlichkeit zu bewerten. Geklärt werden soll, ob die oberste deutsche Anklagebehörde zuständig ist. Ein Sprecher hatte im Juni erklärt, dies hänge davon ab, ob das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) möglicherweise einen Auftragsmord angeordnet habe.

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