Ideenwettbewerb

Studenten zeigen ihre Visionen für Tempelhof

Die Schließung des Berliner Flughafens Tempelhof sorgte selbst in Japan für Schlagzeilen. International machen sich inzwischen Architekten und Planer Gedanken, was aus dem Areal mit seinem denkmalgeschützten Flughafengebäude einmal werden könnte. Jetzt wurden Ideen vorgestellt.

Ideen aus aller Welt stellte der Internationale Verband International Federation for Housing and Planning (IFHP) in Berlin vor. Das Netzwerk von Planern und Architekten mit Sitz in Den Haag hatte im Vorfeld seines im September in Berlin stattfindenden Weltkongresses zu Klimawandel und Energieeffizienz einen internationalen Ideenwettbewerb für Architekturstudenten zur Gestaltung des Tempelhofer Feldes ausgelobt. 22 Teams aus ganz Europa, Russland und Japan reichten Entwürfe ein. Drei wurden gestern prämiert.

Den ersten Preis erhielt das deutsch-russische Team Uli Schifferdecker und Pavel Zeldovich von der Universität Wien. Ihr Entwurf „templegarden“ nimmt das Bedürfnis vieler Berliner auf, das Flughafenfeld für Freizeit, Kultur und Sport zu öffnen. So schlagen die beiden Studenten einen riesigen, mit Flussläufen verzweigten See inmitten eines Landschaftsparks vor. Die beiden Landebahnen dienen als Brücken. „Bei der Gestaltung des Landschaftsparks bleibt die Struktur und Atmosphäre dieses besonderen Ortes erhalten. Das Flughafengebäude ist von überall aus zu sehen“, würdigte die Jury unter Vorsitz von Architekt Frank Barkow (Barkow Leibinger Architekten) den Entwurf. Überdies lasse das Konzept weitere Entwicklungen, zum Beispiel Wohnungsbau am Rand, zu. Den zweiten Preis erhielten die beiden Studenten der Moskauer Architektur-Universität, Leonor Alexander Alexandrowich und Zalivako Darya Andreevna, für ihr Konzept „Berlin 2109. urban transformation“. Beide haben ein völlig neues Stadtviertel entworfen, dessen Zentrum die als Verkehrsadern umfunktionierten Start- und Landebahnen bilden.

Mit dem 3. Preis wurden die Berliner Architekturstudenten der Universität der Künste, Jonas Klock und Felix Heisel, ausgezeichnet. Sie griffen die Idee des öffentlichen Parks auf und verwandelten das Flughafenfeld in einen Solarwald mit 950 sogenannten Solarbäumen. Die Start- und Landebahnen funktionieren die beiden Studenten zu Wasserbecken um. Je nach Jahreszeit können diese als Schwimmbad oder Eislaufbahn genutzt werden. Eingerahmt wird dieser Park von einem ovalen Ring aus Wohn-, Industrie- und Gewerbebauten.

Irene Wiese-von Ofen, Jury-Mitglied und ehemalige IFHP-Präsidentin, betonte, wie wichtig bei diesem umstrittenen Thema der Nachnutzung Tempelhofs der Blick von außen sei. Insofern seien die Entwürfe dazu gedacht, die Diskussion in Berlin voranzutreiben. Von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung kam gestern bereits ein positives Zeichen. „Wir freuen uns, dass das Thema Tempelhof bei internationalen Wettbewerben auf so eine Resonanz stößt“, sagte Manuela Damianakis, Sprecherin von Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD). Die Ergebnisse deckten sich mit der Idee der Senatsverwaltung für einen 220 Hektar großen Park auf dem Flughafenfeld. Damianakis kündigte an, dass Ende des Jahres ein internationaler Wettbewerb zur Gestaltung dieser Parklandschaft ausgelobt wird.

In der nächsten Woche will die Senatorin über das weitere Prozedere für das Areal informieren. Die Öffnung des Geländes wird dabei eine entscheidende Rolle spielen.

Das Land Berlin wird ab dem 1. September alleiniger Eigentümer des Flughafens Tempelhof sein. Die bundeseigenen Anteile an Gebäude und Flughafenfeld gehen dann in den Besitz des Landes über. Das bestätigte gestern die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Nach Informationen von Morgenpost Online zahlte das Land Berlin den vereinbarten Kaufpreis von 35 Millionen Euro (18 Millionen Euro für die Flächen und 17 Millionen Euro für das Gebäude) bereits an den Bund. Wie berichtet hatte der Senat Anfang Juni den Ankauf zu diesem Preis beschlossen.