Wasserqualität

Gefährliche Blaualgen verderben Berlinern Badespaß

| Lesedauer: 5 Minuten
Katrin Lange und Brigitte Schmiemann
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Berliner Seen leiden unter Blaualgen

Algen machen den Berlinern das Badeleben schwer. In immer mehr Seen breiten sie sich aus und können bei Menschen Augen- und Magen-Darm-Reizungen auslösen. Es gilt einige Vorsichtsmaßnahmen zu beachten.

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Algen machen den Berlinern das Badeleben schwer. In immer mehr Seen breiten sie sich aus und können bei Menschen Augen- und Magen-Darm-Reizungen auslösen. Es gilt einige Vorsichtsmaßnahmen zu beachten.

Trübe Aussichten für Berlins Badegewässer: Zwölf der 39 ausgewiesenen Badestellen an Seen und Flüssen sind derzeit von Algen befallen. Und es könnte noch schlimmer werden. „Die Algen sind auf dem Vormarsch“, sagt Silvia Kostner, Sprecherin des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lageso). Schuld daran sei die andauernde Hitze, die das Algenwachstum begünstige. Daher rechne sie nicht damit, dass sich die Situation in den nächsten Tagen verbessere.

Gleichzeitig gibt Kostner aber Entwarnung. „Die Konzentration der Algen ist im Moment noch nicht so hoch, dass eine Warnstufe ausgerufen werden muss“, sagt Silvia Kostner. In allen Gewässern herrsche trotz der Algen eine gute bis hervorragende Wasserqualität. Dennoch sei Vorsicht geboten. Aufgrund der geringeren Sichttiefe könnten sich Rettungsmaßnahmen schwieriger gestalten. Zudem sei es gefährlich, in trübe Gewässer hineinzuspringen.

Bei kleinen Kindern könnten aufgrund der Algen Augen- und Magen-Darm-Reizungen auftreten, sagt die Expertin. Daher rät sie, lieber eine andere Badestelle, und sei es nur ein paar Meter weiter, aufzusuchen. Viele werden das von sich aus tun: Denn Algenteppiche sind nicht nur eklig, sie stinken auch aufgrund des zerfallenen Eiweißes.

Besonders betroffen von der Algenplage sind die Badestellen im Südosten und Südwesten, vor allem an Dahme und Unterhavel. Ob an der Lieper Bucht und der Radfahrwiese in Zehlendorf, der Kleinen Badewiese in Spandau oder an der Badestelle am Grunewaldturm in Charlottenburg-Wilmersdorf – die Sichttiefe geht nirgendwo über 50 Zentimeter hinaus. Betroffen ist auch das Strandbad Wannsee, allerdings nicht ganz so schlimm. Dort können Badegäste noch 70 Zentimeter in die Tiefe gucken. Teilweise ziehen sich die Algen wie ein Teppich über die Gewässeroberfläche und trüben das Wasser ein. Vor diesen Stellen warnt die Expertin vom Lageso. „Die Algenteppiche sollten auf jeden Fall gemieden werden“, sagt Silvia Kostner.

Auch Brandenburger Seen sind betroffen

Alle 14 Tage lässt das Landesamt für Gesundheit und Soziales Wasserproben der Berliner Badestellen untersuchen. Die neuen Werte werden in den nächsten Tagen erwartet. Die sommerliche Algenplage, besonders im Bereich der Unterhavel und der Dahme, ist seit Jahren bekannt. „Das liegt an den besonders flachen Gewässern und den Einleitungen aus der Landwirtschaft und dem Regenwasser“, sagt die Lageso-Sprecherin. Grund zur Panik gebe es trotzdem nicht. Abkühlung Suchende sollten nur die Badebekleidung nach dem Baden sofort ausziehen und gründlich duschen. Auch einige Seen im Umland sind betroffen. Im Moment wird an 19 der 255 brandenburgischen Badegewässer-Stellen vor einem erhöhten Algenaufkommen gewarnt. So stehen Hinweisschilder beispielsweise am Schwielochsee im Landkreis Dahme-Spreewald und am Großen Wentowsee im Landkreis Oberhavel. Die Wasserqualität in den brandenburgischen Seen bewertet Andrea Seidlitz vom Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Verbraucherschutz insgesamt aber als „relativ gut“.

Wer ganz sicher gehen und keine Alge zu sehen oder spüren bekommen will, kann immer noch eines der Berliner Sommerbäder aufsuchen. Die meisten sind noch bis zum 6. September geöffnet. Das Prinzenbad in Kreuzberg schließt sogar erst am 27. September. In den meisten Sommerbädern wird ab dem 1. September allerdings eine Stunde früher geschlossen, um 19 Uhr. Grund ist nach Auskunft von Matthias Oloew, Sprecher der Bäder-Betriebe, die frühere Dämmerung, denn die Schwimmbecken sind nicht beleuchtet. Durch das schöne Wetter der vergangenen 14 Tage haben die Bäder-Betriebe einen Teil ihres Defizits aus den weniger guten Monaten ausgleichen können. Rekordverdächtige Zahlen gab es beispielsweise mit weit über 8000 Besuchern am vergangenen Donnerstag im Columbiadamm-Bad, in Spandau-Süd und in Pankow. Ob das Vorjahresergebnis mit 1,45 Millionen Besuchern erreicht wird, ist aber noch offen.

Nach Gewitter zwei Tage nicht in die Seen

Im Strandbad Wannsee lassen sich die Besucher den Sprung ins Wasser nicht von den Algen vermiesen. „Am vergangenen Donnerstag kamen über 10.000 Badegäste“, sagt Badleiter Axel Ott. Das sei der Rekordtag dieses Sommers gewesen. Und das, obwohl es gerade an diesem Tag reichlich Algen gegeben habe. „Erwachsene und Kinder sind trotzdem baden gegangen“, sagt Ott. Es gebe kaum Klagen. Zwar seien manche ein bisschen vorsichtiger und erkundigten sich vorher nach den Algen. Dann kläre er über die Ungefährlichkeit auf. Manche duschten auch nur länger. Am Montag gab es nur noch vereinzelt Algen im Wannsee. Dafür hätten der Südwestwind und der vergangene Regen gesorgt, so Ott.

Tatsächlich gehe das Algenwachstum nach starkem Regen zurück, bestätigt Silvia Kostner. Trotzdem warnt sie davor, sofort nach einem Guss ins Wasser zu gehen. Denn durch starken Regen würden auch Hundekot, tote Ratten, Mäuse und Abfälle in das Gewässer einspült werden, die zu einem kurzzeitig vermehrten Auftreten von Kolibakterien führten. Daher sollte man erst zwei Tage nach einem Gewitterguss wieder in einem See oder einem Fluss baden.