Sanierung

Im Zoo haben Giraffen und Gorillas Hausarrest

| Lesedauer: 6 Minuten
Tanja Laninger

Foto: Amin Akhtar

Der Berliner Zoo wird saniert. Noch in diesem Jahr sollen 4,1 Millionen Euro in die Anlage investiert werden. Auch im Tierpark wird Erneuerungen geben. Eine Reihe der Gehege sind daher nur teilweise genutzt – wie jene der Giraffen und Gorillas.

Giraffen und Gorillas – im Zoo stehen einige prominente Tiere unter „Hausarrest“. Sie sind nur in den Innen-Hallen zu sehen, nicht im Freigelände; die Steinböcke sind ganz eingesperrt. Der Grund heißt Modernisierung, Baugerüste sind überall zu sehen. Für das laufende Jahr hat das Unternehmen Investitionen in Höhe von mehr als 4,1 Millionen Euro geplant. Im Tierpark stehen Umbauten in ähnlichem Umfang an.

Teuerstes Projekt ist mit 870.000 Euro die Fassadenerneuerung am 1872 eröffneten Antilopenhaus, dem ältesten historisch erhaltenen Gebäude. „Ich wollte das verschieben, weil wir dort schon seit zwei Jahren sanieren, Hallendach und Innenwände sind bereits fertig“, sagt Blaszkiewitz, „aber wir müssen weitermachen. Der Putz bröckelte schon und das Mauernwerk ist marode.“ Das historische Gewand inklusive blauer Keramikkacheln und hellgelber Klinkereinfassungen soll erhalten bleiben. Die Ziegelbögen über den Türen werden erneuert und die vor zwanzig Jahren angebauten Minarette neu verfugt. Noch fünf bis sechs Wochen bleibt das Gebäude eingerüstet, danach dürfen Giraffen, Wasserböcke und Sumpfantilopen wieder nach draußen.

782.000 Euro kostet eine Erweiterung am Affenhaus. „Dort entsteht bis zum Herbst eine mehr als 1000 Quadratmeter große Außenanlage mit Wassergraben“, sagt Blaszkiewitz. Gebaut wird für Gorilla-Mann Ivo und seine drei Frauen. Ein räumlich abtrennbares Areal sollen die beiden älteren Gorilla-Damen Fatou und Gigi beziehen. „Die Anlage hat verschiedene Höhen, sie läuft bis zum Wassergraben hinunter – ohne Steilgraben. Es wird außerdem einen Aussichtspunkt für Besucher geben, die von oben in eine Art Affenlichtung hereingucken könne“, sagt der für das Baugeschehen zuständige Zoo-Kurator Heiner Klös.

Zoo-Besucher erfahren direkt am Bauzaun von der geplanten Anlage, dort sind Pläne angeklebt.

Wegen anderer Bauarbeiten hatten sich Besucher zu Sommerbeginn beschwert. So wurden im Aquarium die arg zerkratzten Glasscheiben der Vitrinen ausgewechselt. Dazu sperrten Mitarbeiter Becken und Gänge. „Ein Besucher hat mich angeschrieben, er forderte sein Eintrittsgeld zurück und behauptete, er hätte nichts gesehen. Aber das Haus war nicht komplett gesperrt, es gab genug Tiere zu sehen“, sagt Blaszkiewitz.

Derzeit werden im Terrarium die großen Wandfliesen erneuert und die Westseite innen wie außen saniert, dort wo die Palmdiebe, eine Krebsart residiert.

615.000 Euro gibt der Zoo für die Aquarium-Sanierung aus. „Im vergangenen Jahr haben wir für 685.000 Euro die Fassade zur Budapester Straße hin saniert. Jetzt ist die Seite zum Gelände dran. Die Sanierung soll in drei Wochen abgeschlossen sein“, sagt Blaszkiewitz.

Das Gebäude war im Zweiten Weltkrieg durch Bomben stark beschädigt worden. „Es ist recht zügig und mit einfachen Mitteln wieder aufgebaut worden“, sagt Blaszkiewitz. Inzwischen wurden starke Schäden im Ziegelwerk und Putz festgestellt. „Wir machen alles neu: Putz runter, Ziegelwerk aufmauern, Vorputz drauf und dann Rauputz“, sagt der Direktor. Der zuletzt grüne Farbton verschwindet. Der neue creme-braunen Anstrich soll mehr dem Originalfarbton des 1913 eröffneten Hauses gleichen. „Der Zoo Berlin ist 165 Jahre alt und wir wollen unsere Historie bewahren und zeigen“, so der Direktor.

Bewahrt werden sollen auch die Steinböcke und zwar vorm Absturz. Der inzwischen rund 70 Jahre alte Steinbockfelsen ist marode. „Die Steine sind locker. Sie müssen neu gesetzt und verfugt werden“, sagt Blaszkiewitz. Die Kosten betragen 465.000 Euro. Der etwa 20 Meter hohe Felsen ist komplett eingerüstet, die sibirischen Steinböcke sind eingesperrt in den Innengehegen und sollen in vier bis sechs Wochen wieder für die Öffentlichkeit zu sehen sein.

Die genannten Projekte mögen die teureren sein. Ein Lieblingsprojekt des Zoo-Direktors aber ist der 390.000-Euro-Neubau des Nagetierfelsens. „Dort wollen wir künftig Besucher hindurch führen“, sagt der Doktor der Biologie. Das alte

Haus der Quastenstachler, Nutrias und Weißschwanzstachler wurde kürzlich abgerissen, ihre Freianlage von 1903 wird renoviert. Es ist die älteste Freianlage in Zoo.

Eingerüstet ist auch der Pferdeturm, der ein Heulager und Ställe beherbergt. Die Innen- und Außensanierung kostete 85.000 Euro.

Bereits freigegeben ist die erweiterte Freianlage für die Elefanten. 1865 war dort das Kleine Raubtierhaus, später ein Wasserturm errichtet worden waren. Zuletzt lebten Stelzvögel und Enten auf dem Areal. 245.000 Euro hat es nun gekostet, ihr Freigehege abzureißen, mit Sand aufzufüllen und Betonwände einzusetzen für die Elefanten. Die alte Wasserstelle der Tiere wurde zugeschüttet. Dort sollen heute am Freitag Bänke für Besucher aufgestellt werden.

Ebenfalls aufgefrischt wurde die Umgebung des 30 Jahre alten Kappengibbons: Er lebt auf einer Insel im Raubtierhaus-Teich. „Dort haben wir das Wasser abgelassen, genauso im Interconti-Teich, beide entschlammt, neuen Lehmbelag aufgetragen und Wasser eingelassen“, so der Zoo-Direktor. Kostenpunkt: 570.000 Euro.

Für 120.000 Euro hat das Schweinehaus ein neues Reetdach erhalten. „Das Gebäude sieht aus wie ein friesisches Bauernhaus. Wir wollten den Stil so belassen, auch wenn es nicht unbedingt zu den Bewohnern passt.“ Im kommenden Jahr sollen das Innendach renoviert und neue Stellwände eingezogen werden.

Bereits in Planung für das kommende Jahr ist ein Neubau für das Vogelhaus, der 2012 eröffnet werden soll. Das alte Gebäude stammt aus dem Jahr wurde 1962 eröffnet. „Wir müssen es wegen seines schlechten Zustandes abreißen“, so Blaszkiewitz.

Im Tierpark ist die geplante Sanierung des Alfred-Brehm-Hauses auf das kommende Jahr verschoben worden. Zoo- und Tierpark-Direktor Blaszkiewitz will zur Wärmedämmung Fördermittel bei der Senatsverwaltung für Umwelt beantragen.

Das Schlangenhaus wird bereits in diesem Jahr erweitert. Möglich ist das durch eine Spende der Fördergemeinschaft in Höhe von 85.000 Euro.

Davor wird derzeit der Brunnen des Schlosses Friedrichsfelde mit Granitsteinen umrandet. Es ist der Auftakt zum Umbau des Schlosses, in das die komplette Tierpark-Verwaltung inklusive Bibliothek und Archiv ziehen wird. „Das Bauvorhaben ist unser größter Brocken“, sagt Blaszkiewitz. „Es wird im kommenden Jahr mehr als dreieinhalb Millionen Euro kosten.“