Stadtentwicklung

Areal um Frankfurter Allee wird Sanierungsgebiet

60 Millionen Euro sollen in den Kiez rund um die Frankfurter Allee fließen. 14.000 Menschen leben dort, doch es mangelt an Geschäften, Cafés, Spielplätzen und Grünanlagen. Am problematischsten ist aber der Riesenbürokomplex des früheren DDR-Ministeriums für Staatssicherheit.

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Der 150 Hektar große Kiez Frankfurter Allee Nord rund um das ehemalige Stasi-Hauptquartier wird zum Berliner Sanierungsgebiet. Die offizielle Berufung durch den Senat soll im ersten Quartal des nächsten Jahres erfolgen. Maria Berning, in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung zuständig für Städtebauförderung, sieht Handlungsbedarf, aber auch gute Entwicklungschancen für den Kiez. In dem Wohngebiet – zwischen Möllendorffstraße, Gotlindestraße, Gudrunstraße und Frankfurter Allee nur wenige Autominuten vom Alex entfernt – leben 14.000 Menschen. Es mangelt an Geschäften, Cafés, Spielplätzen und Grünanlagen.

Am problematischsten sind aber der Riesenbürokomplex (22 Hektar) des früheren DDR-Ministeriums für Staatssicherheit, das seit 20 Jahren verwaiste Hubertusbad an der Hubertusstraße und die Kinderklinik Lindenhof an der Gotlindestraße, die in zwei Jahren in das Oskar-Ziethen-Krankenhaus des Sana-Klinikums an der Fanningerstraße umgelagert wird.

Allein in der ehemaligen Stasi-Zentrale zwischen Rusche- und Normannenstraße steht schon die Hälfte von 50.000 Quadratmeter Bürofläche leer. Den anderen Teil nutzt hauptsächlich noch die Deutsche Bahn AG. Nach dem 2010 geplanten Umzug ihrer Mitarbeiter in das neue Verwaltungsgebäude am Nordbahnhof sind nur noch wenige Büros in den Gebäuden belegt. Im einstigen Haus 1 befindet sich das Stasi-Museum Forschungs- und Gedenkstätte Normannenstraße.

Baustadtrat Andreas Geisel (SPD) ist „skeptisch, dass alle Büros wieder zu vermieten sind“. Aber ein Abriss der Gebäude wäre auf jeden Fall teurer als der Wert des Grundstücks überhaupt, sagt er: „Bisher fehlen uns Ideen für eine künftige Nutzung.“ Deshalb müsse man bei der Lösung dieses speziellen Problems über den Tellerrand Lichtenbergs und sogar Berlins hinausschauen. Es handele sich eindeutig um eine gesamtstaatliche Aufgabe. Geisel denkt an einen europaweit ausgeschriebenen städtebaulichen Wettbewerb für das ehemalige Stasi-Hauptquartier.

Für die Sanierung des historischen Hubertusbades ist bisher kein Investor und Betreiber in Sicht. Für den notdürftigen Unterhalt des denkmalgeschützten Bauwerks muss das Land Berlin jährlich etwa 70.000 Euro aufbringen. Mit der Ausweisung des Kiezes Frankfurter Allee Nord als Sanierungsgebiet erhofft Geisel auch einen Schub, das Bad wieder zu beleben. Was aus den mehr als hundert Jahre alten Gebäuden und dem Parkgelände der jetzigen Kinderklinik Lindenhof wird, müsse ebenfalls langfristig bedacht werden. Im Gespräch sind bereits Nutzungen als Reha-Klinik oder als „Freizeitstätte der Generationen“.

Für das potenzielle Sanierungsgebiet Frankfurter Allee Nord hat jetzt die Stadtentwicklungsgesellschaft Stattbau Untersuchungen abgeschlossen. Es wurde festgestellt, dass unter den 14.000 Bewohnern der Anteil junger Leute überwiegt, der Wohnungsleerstand minimal und die Wohnhäuser weitgehend saniert sind. Stadtplanerin Genia Krug: „Notwendig sind aber neue Kitas, Freizeiteinrichtungen, sowie ein Kieztreff, ein Wochenmarkt und Spielplätze.“ Die Magistrale Frankfurter Allee, die täglich von 78000 Fahrzeugen frequentiert wird, soll auch auf ihrem Lichtenberger Teil einen begrünten Mittelstreifen erhalten. Für eine Freifläche an der Kreuzung Frankfurter Allee/Möllendorffstraße wird als Blickfang der Bau eines imposanten, halbrunden Hochhauses vorgeschlagen. Es soll „ÖkoDrom“ heißen und ein Zentrum für ökologische Projekte, für Kultur und Gastronomie werden.

Derzeit hat Berlin elf Sanierungsgebiete. Sechs weitere befinden sich in der engeren Wahl. Stadtrat Geisel kalkuliert für zehn Jahre mit Fördermitteln von insgesamt 60 Millionen Euro für den Kiez Frankfurter Allee Nord. Darin nicht eingerechnet seien aber die Aufwendungen für die Umgestaltung des ehemaligen Stasi-Geländes, des Kinder-Krankenhauses Lindenhof oder Investitionen wie für den Bau des „ÖkoDroms“.

Über die Ergebnisse der „Stattbau“-Untersuchungen informiert vom 4. Januar bis 28. März eine Ausstellung in der Egon-Erwin-Kisch-Bibliothek an der Frankfurter Allee 149 Ecke Rathausstraße.