Ansturm auf die U55

Alle wollen in Berlins Kanzler-U-Bahn fahren

Deutschlands kürzeste U-Bahn-Linie lockt die Fahrgäste in Scharen an. Innerhalb der ersten Woche zählten die Berliner Verkehrsbetriebe BVG rund 200.000 Fahrgäste - deutlich mehr als erwartet. Während der Leichtathletik-Weltmeisterschaften rechnet die BVG nun mit noch mehr U55-Begeisterten.

Eine Woche nach dem Start der „Kanzler-U-Bahn“ haben die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) schon fast 200.000 Passagiere gezählt. Nachdem am Premierentag 70.000 Menschen mit der neuen Linie U55 unterwegs waren, seien täglich etwa 20.000 Fahrgäste dazugekommen, sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz am Sonnabend. „Das ist deutlich mehr als wir erwartet haben.“

Nach fast 14-jähriger Bauzeit war die neue Strecke am 8. August in Betrieb genommen worden. Für die Fahrt zwischen den drei Stationen Hauptbahnhof, Bundestag und Brandenburger Tor brauchen die gelben U- Bahn-Waggons gerade einmal drei Minuten. Insgesamt 14 Fahrer sind für den Betrieb der „Stummellinie“ ausgebildet, zunächst acht lösen sich im Schichtdienst ab.

Während der Leichtathletik-Weltmeisterschaften rechnet die BVG noch einmal mit einem Anstieg der Fahrgastzahlen. Mit der Haltestelle Brandenburger Tor biete die U55 schließlich eine „günstige Verbindung zu den Laufwettbewerben“, betonte Reetz. Am Berliner Wahrzeichen werden in den kommenden Tagen die WM-Medaillen im Marathon und bei den Geher-Wettbewerben vergeben. Beim 20-Kilometer-Wettbewerb der Geher am Sonnabend war der Bahnhof unter dem Brandenburger Tor bereits brechend voll.

Beeindruckt sind in dieser Station viele Besucher von der Ausstellung zur Berliner Mauer. „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten“, dieses Zitat des SED-Chefs Walter Ulbrichts aus dem Jahr 1961 ist eines von vielen, mit denen die Fahrgäste konfrontiert werden, wenn sie die Stufen zum Bahnhof hinabgehen. Unten erwartet sie ein kurzer Abriss der Geschichte des Bauwerks am Pariser Platz in sieben Szenen.