Finanzierung wackelt

Berliner Riesenrad könnte Anleger Millionen kosten

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Richard Haimann und Brigitte Schmiemann

Foto: Great Berlin Wheel GmbH

Das geplante Riesenrad am Berliner Zoo bereitet 10.000 Anlegern Sorge. Sie hatten insgesamt 208 Millionen Euro in einen Fonds investiert, mit dem Aussichtsräder in drei Städten finanziert werden sollten. Doch jetzt wurde bekannt, dass für die Projekte zum Teil feste Kreditzusagen fehlten.

Der Traum vom 175 Meter hohen Riesenrad am Berliner Zoo droht wie eine Seifenblase zu zerplatzen – und rund 10.000 Anleger müssen um insgesamt 208 Millionen Euro bangen. Das Geld hatte die DBM Fondsinvest seit 2006 für ihren geschlossenen Immobilienfonds Global View eingesammelt, um Aussichtsräder in Berlin, Peking und Orlando zu errichten. Den privaten Investoren waren dafür hohe Ausschüttungen versprochen worden.

Doch die Projekte wurden zum Teil ohne feste Kreditzusagen in Angriff genommen. Jetzt ist nach dem Kauf der Grundstücke und ersten Bauarbeiten fast das gesamte Kapital aufgebraucht. Wegen der Finanzkrise gewähren Banken jedoch keine Darlehen zur Fortsetzung der Projekte.

Die bitteren Fakten erfuhren die Anleger jetzt auf einer Krisensitzung im Plenarsaal der Frankfurter Börse. Dorthin hatte der Initiator, eine Tochter der zur niederländischen ABN Amro-Gruppe gehörenden Privatbank Delbrück Bethmann Maffei, geladen. Rund 180 Millionen der 208 Millionen Euro an eingesammelten Eigenkapital sind demnach für Grundstückskäufe, Projektentwicklungskosten und das Fundament des Pekinger Riesenrads ausgegeben worden – knapp 50 Millionen Euro davon in Berlin, wo die restlichen Baukosten über 70 Millionen Euro durch einen Kredit finanziert werden sollten.

So wurde zwar das Grundstück an der Hertzallee am Zoo erworben, doch die Baugenehmigung für die überarbeitete Planung hat das Bezirksamt Mitte noch nicht erteilt. Und die Investoren scheinen es damit auch nicht eilig zu haben. Das Bauamt wartet seit Monaten auf den Nachweis des Brandschutzes. „Ist er da, steht der Baugenehmigung nichts mehr im Wege“, sagte Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD). Dass inzwischen auf dem Grundstück bei den vorbereitenden Arbeiten – unter anderem müssen Baracken des ehemaligen Wirtschaftshofs des Zoos abgerissen werden – Asbest gefunden wurde, spielt dabei keine Rolle. „Sollte es so sein, dass das Projekt am Zoo wirklich platzt, wäre das nicht nur für den Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf, sondern für ganz Berlin eine Katastrophe – und natürlich auch für die anderen Städte, die solche Räder bekommen sollten“, sagte Bezirksbürgermeisterin Monika Thiemen (SPD). Informationen über mögliche Finanzierungsschwierigkeiten liegen weder den Bezirken Mitte und Charlottenburg-Wilmersdorf noch der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung vor.

Michael Waiser, Geschäftsführer der Great Berlin Wheel GmbH & Co. KG, die das Aussichtsrad plant, sieht trotz der Schwierigkeiten keinen Grund, die Flinte ins Korn zu werfen: „Ich glaube weiterhin an das Projekt. Wir verhandeln, um die Finanzierung zu schließen“, sagte er gestern auf Anfrage dieser Zeitung.

Für das Vorhaben in China gab es zwar Darlehen. Weil sich der Baubeginn verzögerte, wollen die Kreditinstitute jedoch die Konditionen ändern. Jetzt wird mit den Banken über die Neugestaltung der Finanzierung verhandelt. Für die Räder in Berlin und Orlando fehlen jegliche Kreditzusagen. „Es werden derzeit Gespräche mit mehreren Banken geführt“, sagte Christian Harreiner, Geschäftsführer der DBM Fondsinvest.

Allerdings sei es momentan äußerst schwierig, Banken Kredite für die Vorhaben zu entlocken, heißt es in Frankfurter Finanzkreisen. „Die Projekte gelten als spekulative Investments, die kein Institut in der gegenwärtigen Krise gern anfassen will“, sagte ein Kreditmanager einer großen Bank. Erschwerend komme hinzu, dass der erste Riesenrad-Fonds von DBM unter Plan liegt. Mit rund 50 Millionen Euro Anlegerkapital hatte der bereits 2005 aufgelegte Fonds ein 165 Meter hohes Aussichtsrad in Singapur errichtet. Doch die Zahl der Fahrgäste ist geringer als erwartet, der Fonds leistet derzeit keine Ausschüttungen.

Die Anwältin Katja Fohrer von der Münchner Kanzlei Mattil bereitet nun für mehrere betroffene Anleger Schadensersatzklagen gegen jene Banken vor, die den Global View vertrieben hatten – neben Delbrück Bethmann Maffei zählen dazu die Deutsche Bank, die Citibank und das Bankhaus Wölbern. „Die Banken hätten die Anleger darüber informieren müssen, dass das Kapital nach dem Fondskonzept bereits ohne gesicherte Kreditfinanzierung investiert werden durfte“, sagt Fohrer. Außerdem hätten die vermittelnden Banken ihre Kunden gegenüber offen legen müssen, dass sie „eine Provision von zehn Prozent für den Verkauf der Fondsbeteiligung erhalten“.

Bei der Deutschen Bank herrscht Nervosität. „Noch einmal würden wir unseren Kunden einen solchen Fonds nicht anbieten“, sagte ein Manager der Privatkundensparte. Jetzt versucht das Institut, den Schaden zu begrenzen. „Die Deutsche Bank wird mit allem Nachdruck die Interessen der Anleger unterstützen“, so eine Sprecherin. Sie wollte sich nicht dazu äußern, ob damit auch ein Kreditengagement des Instituts zugunsten des Fonds gemeint sei.