Anschläge

Unbekannte zünden in Berlin sechs Autos an

Die kriminellen Brandstifter, die seit Monaten Autos anzünden, haben wieder ein halbes Dutzend Fahrzeuge zerstört. In der Nacht zu Donnerstag schlugen die Täter in Lichtenberg zu, sechs Autos, darunter zwei hochwertige Modelle, gingen in Flammen auf.

Mit dem jüngsten Anschlag nähert sich die Anzahl der seit Jahresbeginn in der Hauptstadt in Brand gesetzten Autos der 200er-Marke. Wie ein Polizeisprecher mitteilte, alarmierte eine Anwohnerin der Rutnikstraße gegen 3.25 Uhr Polizei und Feuerwehr, nachdem sie dreimal einen lauten Knall gehört und ein Feuer zwischen mehreren auf einem nahen Parkplatz abgestellten Fahrzeugen sah.

Die Polizei hält es für möglich, dass die Täter es auf einen Hummer – einen hochpreisigen Geländewagen – und einen BMW abgesehen hatten. Denkbar sei, dass die Flammen dann auf vier in unmittelbarer Nähe geparkte Fahrzeuge, einen VW, einen Citroën, einen Volvo sowie einen Opel, übergegriffen hätten. Da ein politisches Motiv der Tat nicht ausgeschlossen werden kann, ermittelt wie bereits in allen vorangegangenen Fällen der letzten Monate der Polizeiliche Staatsschutz.

Mehrere Stadtteile betroffen

Der Tatort des jüngsten Brandanschlags erhärtet bei den Ermittlern nochmals die Überzeugung, dass in der seit Monaten anhaltenden Brandserie inzwischen zahlreiche Trittbrettfahrer aktiv sind. "Täter aus dem linksextremen Spektrum, die vorgeben, mit diesen Anschlägen gegen die ,Luxussanierungen' bestimmter Stadtteile und eine damit verbundene Vertreibung der angestammten Kiezbewohner zu protestieren, würden sicherlich dort zuschlagen, wo diese Maßnahmen stattfinden", sagte ein Ermittler am Donnerstag. Dass die Brandanschläge inzwischen in verschiedenen Stadteilen erfolgen, sei ein weiteres mögliches Indiz für das Werk von Nachahmungstätern ohne ernsthaftes politisches Motiv, ergänzte der Beamte.

Die mit Abstand größte Anzahl der Brandstiftungen gibt es seit Monaten in Friedrichshain-Kreuzberg. Weitere Brennpunkte sind Teile von Mitte und Prenzlauer Berg. Hier sieht das Landeskriminalamt zu einem Großteil politisch motivierte Täter am Werk. Weitere Brandanschläge in Schöneberg oder jetzt zum wiederholten Mal in Lichtenberg ordnen die Ermittler eher Trittbrettfahrern zu. Seit dem Beginn der Anschlagserie nach dem Weltwirtschaftsgipfel im Sommer 2008 bemüht sich die Polizei vergeblich, auf die Spur der Täter zu gelangen. Auch mehrere Festnahmen von Tatverdächtigen aus der linksextremistischen Szene haben die Ermittler bislang nicht weitergebracht. Hinter den Taten vermuten die Beamten eine kleine, völlig abgeschottete Gruppierung. "Unser Problem ist, dass die sich, anders als sonst üblich, nicht in der Szene mit ihren Taten brüsten. So ist es jedes Mal wieder schwer, einen Ermittlungsansatz zu finden, der uns zu den Tätern führt", sagte ein leitender Beamter gestern.

Die Oppositionsparteien im Berliner Abgeordnetenhaus werfen dem rot-roten Senat seit Langem vor, Gewalttaten von Linksextremisten nicht entschlossen genug zu bekämpfen. Die Gewerkschaften fordern als Reaktion auf die anhaltende Brandserie, den Stellenabbau bei der Polizei umgehend zu stoppen.

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