Fotografie

Er knipste die Berliner Feuerwehr im Einsatz

30 Jahre den Finger am Auslöser, eine Million Fotos im Archiv und jetzt ein Buch. Detlef Machmüller hielt die kleinen und großen Dramen in Berlin mit seiner Kamera fest. Dabei begann für den Feuerwehr-Fotografen alles mit John F. Kennedy.

Ob verheerender Großbrand, Rettung eines Tieres oder Loveparade – wenn die Berliner Feuerwehr zum Einsatz ausrückt, zückt er seine Kamera: Detlef Machmüller (58) hat rund eine Million Feuerwehr-Fotos in seinem Archiv. Als Pressefotograf arbeitet er mittlerweile nicht mehr, der Feuerwehr ist er immer noch auf den Fersen – ganz offiziell. Auf 128 Seiten dokumentiert er jetzt in seinem Buch „Die Berliner Feuerwehr im Einsatz“, was die Männer in den vergangenen 30 Jahren geleistet haben.

„Er hat die Feuerwehr ins Herz geschlossen und die Feuerwehr ihn. Er ist eine Institution bei uns“, sagt Jens-Peter Wilke, Kommunikationsleiter der Berliner Feuerwehr, über Machmüller. „Vielleicht werde ich im nächsten Leben Feuerwehrmann“, ulkt der 1,58-Meter große Mann – für diesen Beruf ist er damit zu klein. „Das war auch nicht ernst gemeint“, sagt er, „ich würde jederzeit wieder Fotograf werden wollen.“

Bloß keine Fotografenausbildung

Es begann mit Kennedy. In der Schule in Moabit schrieb er sich bei einem Fotokursus ein, dann kam US-Präsidenten John F. Kennedy nach Berlin. „Es gab einen Wettbewerb, wer das beste Foto macht“, erinnert sich Machmüller. Er postierte sich zum richtigen Zeitpunkt an der richtigen Straßenecke, als die Limousine vorbeirollte. Sein Foto gewann – der Ehrgeiz und die Leidenschaft waren geweckt. Jedoch: Der Vater hatte andere Pläne für seinen Jungen. Eine Fotografenausbildung sollte es nicht sein. „Damit verdienst du kein Geld. Mach was Anständiges“, bekam Machmüller Junior zu hören – schloss eine Ausbildung zum Offset-Drucker ab und arbeitete dann in diesem Beruf. Unterdrücken konnte und wollte er seine Foto-Leidenschaft jedoch nicht. „Mich interessiert es dann, wenn etwas passiert, wenn ich Action fotografieren kann. Nicht die Blumenfotografie“, schwärmt er. Familienfotos? – „Dagegen wehre ich mich.“

Fotos von Mode bis Mord

Also wartete er an Wochenenden vor der Feuerwehrwache, um bei einem Einsatz schnell mit seinem VW-Käfer hinterherzufahren. Oder er hängte sich an seinen Onkel, einen Polizisten. 1974 dann das erste große Erfolgserlebnis: Die Berliner Morgenpost druckte eines seiner Fotos und bezahlte es. Mit etwa 30 Jahren stand für ihn fest: Die Arbeit als freier Fotograf für Berliner Zeitungen reicht zum Leben, der Drucker-Job muss nicht mehr sein.

„Ich habe von Mode bis Mord alles gemacht. Eine meiner Spezialitäten waren auch Misswahlen“, erzählt er mit einem schelmischen Lachen. Feuerwehreinsätze gehörten immer dazu. Angst habe er dabei nie gehabt. „Ich ziehe Zuhause nachts alle Stecker heraus, habe in jedem Zimmer Rauchmelder, aber bei Einsätzen wird die Angst vollkommen durch das Adrenalin überdeckt“, erzählt er ruhig. „Ich will ja nicht der große Held sein und renne ins Feuer.“ Mit guten Fotos dokumentieren – das möchte er. Und so war er auch dabei, als 1980 die Kongresshalle im Tiergarten einstürzte, als 1987 eine Entenfamilie einen schweren Verkehrsunfall verursachte oder eine Sau in einem Kanalschacht feststeckte und gerettet werden musste. Folgenschwere Ereignisse wie ein Wohnungsbrand mit zwei toten Babys wird er nie vergessen. „Ich drücke sie weg, aber die Toten sind im Gedächtnis eingebrannt und gehen nicht raus“, sagt er, erinnert sich dann aber sofort an eines seiner schönsten Erlebnisse: Es ist der 29. April 1990. In Bernau kommen Zwillinge als Frühgeburten zur Welt. Doch im gesamten Ost-Berliner Raum findet sich kein freier Brutkasten. Zum ersten Mal wird eine Rettungsfahrt nach West-Berlin organisiert. Vom Virchow Klinikum startet ein Krankenwagen entlang extra abgeriegelter Straßen, eskortiert von Motorrad-Polizisten. Detlef Machmüller ist dabei, als die Babys abgeholt und gerettet werden. „Es war aufregend und wunderbar“, erinnert er sich. Vor einem Jahr trafen sich der Fotograf und die Zwillinge wieder.

Der Feuerwehr treu geblieben

Irgendwann war Schluss mit der Pressefotografie. Vor allem aus gesundheitlichen Gründen. „Jetzt kommen wir zu einem schwierigen Thema“, sagt Machmüller. Seit 25 Jahren ist er Dialyse-Patient. Er jammert nicht, aber für die aufreibende Arbeit mit der Kamera in der Hand reichte es nicht mehr. Zumal die Konkurrenz größer und jünger wurde und immer mehr Agenturen auf den Markt kamen. Dass trotz Vorrente keine Lücke in seiner Fotografie entstand, liegt an der Berliner Feuerwehr. Sie holte ihn vor acht Jahren als Fotografen für die offizielle Einsatz-Dokumentation. Machmüller musste nicht lange überlegen. „Das mache ich“, sagte er und ist seitdem im Schnitt zweimal in der Woche mit seinem Equipment im Einsatz.

Detlef Machmüller „Die Berliner Feuerwehr im Einsatz. Die Jahre 1980 bis 2010“. Sutton, Erfurt. 128 S., 18,90 Euro.