Tempelhof

Berliner Eissportler sollen Hangar 3 nutzen

Die fast einjährige Suche nach einem Ausweichquartier für die Eissportler aus der Deutschlandhalle ist offenbar beendet. Bis ihre neue Halle unweit des Olympiastadions fertig ist, sollen sie ihre Trainings- und Spielstätte im Hangar 3 des Flughafens Tempelhof haben.

Foto: Sergej Glanze

Wie eine Trumpf aus dem Ärmel gezogen hat Thomas Härtel, Staatssekretär in der Senatsverwaltung, diese Variante bei einer Besprechung, nachdem sie Anfang des Jahres verworfen worden war – nämlich als der Regierende Klaus Wowereit die Flächen der Modemesse Bread & Butter versprach.

Die 24 Stunden Bedenkzeit, die Härtel dem Berliner Eissportverband und dem Verein ECC Preussen Juniors Berlin als ehemaligem Hauptnutzer der Deutschlandhalle bei seinem überraschenden Angebot einräumte, war nicht nötig. Die Sportler sagten sofort ja. Damit wurden monatelange Diskussionen über Ausweichquartiere beendet, die daran scheiterten, dass sie zu teuer wurden wie bei der Ersatzhalle neben dem Erika-Hess-Stadion in Wedding oder nicht funktionierten wie im Velodrom in Prenzlauer Berg, das zu einer kombinierten Halle für beide Sportarten umgebaut werden sollte.

Die Radsportler hatten wegen der Eisfläche Angst um ihre Holz-Radrennbahn und um zu kühle Trainingstemperaturen. Die Eissportler befürchteten, dass wegen des weiten Anreisewegs vor allem der Nachwuchs nicht mitziehen und der Verein keine Zukunft mehr haben könnte. Außerdem hätten sie nur 100 ihrer 235 Spieltage im Velodrom zur Verfügung gehabt.

Anders im Flughafen Tempelhof: Dort ist nur der Januar problematisch. Der ist für die Modemesse Bread & Butter als Mieter reserviert. Am liebsten hätten die Sportler die Deutschlandhalle so lange genutzt, bis sie in ihren Ersatz-Neubau ziehen können. Der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf hätte sie dabei unterstützt und die Deutschlandhalle in Eigenregie betrieben. „Unser Anliegen ist jedoch zurückgewiesen worden“, sagte Bezirksbürgermeisterin Monika Thiemen (SPD). Die Senatssportverwaltung bestätigte die neuen Pläne mit dem Flughafen Tempelhof gestern nicht, dementierte sie aber auch nicht. Es hieß lediglich: „Wir sagen im Moment nichts.“

Der Berliner Eissport-Verband hingegen begrüßte die Pläne. „Wir hoffen, dass der Vorschlag, im Hangar 3 eine wettkampfgerechte Eissportanlage einzurichten, jetzt schnell umgesetzt wird, damit wir spätestens Anfang Oktober unseren Sportbetrieb aufnehmen können“, sagte Dieter Matz, Vize-Vorsitzender des Berliner Eissport-Verbandes auf Anfrage der Berliner Morgenpost. Der SCC Preussen wolle mit dem gesamten Spielbetrieb inklusive den Nachwuchsspielen der Bundesliga in den Hangar ziehen. Nur die Spiele der 1. Mannschaft der Regionalliga sollen im Erika-Hess-Stadion veranstaltet werden, da dort Tribünen für die Zuschauer sind. Die Eissportler sind nach der Modemesse Bread & Butter, dem Musikfeuerwerk Pyromusikale, dem Berlin-Festival, der Marathonmesse Berlin Vital, dem Reit- und Springturnier und der Sportveranstaltung Freestyle.berlin der siebte große Mieter des Flughafens, den die Berliner Immobilienmanagement GmbH nach der Schließung des Flughafens an Land ziehen konnte.

Als der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) Ende Januar die Modemesse Bread & Butter überraschend als ersten großen Mieter des stillgelegten Flughafens präsentierte, stieß dies nicht nur auf positives Echo. Die Opposition warf Wowereit vor, den Bread & Butter-Vertrag im Alleingang in die Wege geleitet und damit das Nachnutzungskonzept von Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) konterkariert zu haben. Überdies, so lautete die Kritik, blockiere die Hangar-Vermietung an die Modemesse für zwei Monate pro Jahr andere nachhaltigere Nutzungen. Wowereit dagegen nannte den Zehnjahresvertrag mit einer Option für weitere zehn Jahre einen Erfolg und Impuls für weitere Nutzungen sowie die gesamte Entwicklung des Geländes. Einen Messestandort, hieß es, wolle der Senat aber nicht etablieren. Die Modemesse nutzt alle sieben Hangars, die Haupthalle und das Vorfeld im Januar und Juli.