Partyszene

Auf dem Flughafen Tempelhof werden die Nächte lang

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Foto: Sergej Glanze

Nach dem Dröhnen der Flugzeuge kommt nun das Wummern der Bässe. Denn mit dem "Berlin Festival" nimmt an diesem Wochenende die Berliner Club- und Partyszene das ehemalige Airport-Gelände in Beschlag. Auf der Hauptbühne haben sich zugkräftige internationale und lokale Namen angesagt.

Mit einem Woodstock-Jubiläumsfestival auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof hat es ja nicht geklappt. Dafür erobert nun Berlins wendige Subkultur für zwei Tage und vor allem Nächte das stillgelegte Gelände. Am späten Freitagnachmittag öffneten sich die Airport-Tore zum „Berlin Festival“, jenem lauten, frech-charmanten Klassentreffen der Indie- und Partyszene, bei dem sich alles, was in Berlins Nightlife-Szene Rang und Namen hat, an Turntables und Laptop-Mix präsentiert, während die Fans die Nacht durchtanzen.

Auf der Hauptbühne haben sich zudem zugkräftige internationale und lokale Namen angesagt, so als Headliner Peter Doherty, der britische Rockpoet und Lebensrabauke, der in der Nacht eines seiner raren Berlin-Konzerte geben wollte. Kommt er oder kommt er nicht?, lautete das Mantra des Abends. „Doherty hat sein Flugzeug verpasst!“ machte die Runde. Dann heißt es wieder: „Nein, er sitzt im Flieger. Er schafft es bestimmt!“ Alle sind gespannt. Irgendwann dann die Botschaft: Er ist im Hotel angekommen.

Am Sonnabend stehen unter anderen der Britpopper Jarvis Cocker, die Rifles, Zoot Woman und Deichkind auf dem Programm. 30 Bands und 50 DJs sind an zwei Tagen aktiv auf einer der fünf Bühnen.

Es hat sich mächtig gemausert, das „Berlin Festival“, das nach einem Jahr Pause nun zum vierten Mal stattfindet. Im Sommer 2005 veranstalteten die in der Berliner Clubszene aktiven Festivalmacher Cornelius Opper und Hilary Kavanagh das erste Festival, 15 Kilometer vor den Toren Berlins in Paaren im Gliem. Und ein paar Hundert Fans fanden damals auch den Weg in das kleine Dorf im Havelland. 2007 wagten sie erstmals den Sprung nach Berlin, ins Poststadion in Moabit. Und gut Dreitausend kamen. Nun nehmen sie mutig den Flughafen Tempelhof in Beschlag.

Der Andrang vor den Kassen war am frühen Freitagabend noch etwas spärlich. Es blieb genug Platz zum Flanieren und Chillen zwischen Dancefloors, Imbissbuden, einem Rosinenbomber oder einer Kicker-Lounge. Cornelius Opper, seit langen Jahren aktiv mit Clubs wie „Scala“ oder „Rio“, hofft auf bis zu 10.000 Besucher. Danach sah es zunächst nicht aus, doch ist er sich der Strahlkraft des Programms sicher: „Das Berlin Festival ist das Festival für Leute, die keine Festivals mögen“. Die gehen mitunter auch später aus dem Haus, schließlich wird an jedem der beiden Tage bis früh um sieben durchgefeiert.

In der Haupthalle sind auf den Anzeigetafeln, wo einst die Flugzeiten standen, die Bandnamen und der Zeitpunkt ihres Auftritts angegeben. Pete Doherty wurde für 0.30 Uhr angekündigt. Zu den ersten Bühnengästen gehörte das trinkfeste irische Indierocker-Gespann Humanzi. Der eher poppigen Spielart mit Anleihen bei House und Elektro ist das englische Gespann Saint Etienne verpflichtet. Die Hauptbühne wurde vom Freigelände kurzfristig in den Hangar 4 verlegt, um den Lärmschutzauflagen gerecht zu werden. Um Mitternacht wird, der Anwohner wegen, nur noch indoor gefeiert. Höhepunkt soll am frühen Morgen Berlins Elektro-Punk-Queen Peaches mit einem DJ Set werden.

Wie überhaupt die späten DJ Sets zu den nächtlichen Attraktionen zählen. Auf dem Berlin-Floor mit Blick auf das Flughafengelände werden Berlins beste DJs aktiv, von Alan Always aus dem „White Trash“ über Dennis Rastzlaff vom „Rio“ bis Pony Pop vom „Cookie“. Das Ganze ist eine phonmächtige Inszenierung, bei der Tempelhof zum Star wird – und zu einem einzigen, vibrierenden Club.

Alle Infos zum Berlin Festival auf dem Flughafen Tempelhof.

( pem )