Unglück in Berlin-Westend

Pfarrer stirbt bei Dacheinsturz des Gemeindehauses

Bei einem Dacheinsturz eines Kirchengebäudes in Westend sind zwei Männer ums Leben gekommen - darunter der Pfarrer. Fünf weitere Menschen wurden verletzt. Nach Polizeiangaben wollte die Gemeinde auf dem Gebäude einen Turm errichten. Die Baustelle sei aber "mehr als nur fahrlässig" gesichert gewesen.

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Bei Bauarbeiten am Gemeindehaus der Rumänisch-Orthodoxen Kirchengemeinde an der Kreuzung Heerstraße und Ortelsburger Allee sind am Dienstagabend zwei Menschen getötet worden, darunter der Pfarrer. Fünf weitere Menschen wurden mit einem schweren Schock in eine Klinik gebracht.

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Zwei Menschen sind bei Arbeiten an einem Hausdach in Westend gestern Abend ums Leben gekommen. Fünf weitere Menschen wurden verletzt. Das Unglück geschah im Gemeindehaus der rumänisch-orthodoxen Kirche an der Ortelsburger Allee Ecke Heerstraße. Die Toten sind ein 36-jähriger Bewohner des Hauses und der 49 Jahre alte Pfarrer der Gemeinde. Er soll mit Verwandten den Umbau geplant und ausgeführt haben.

45 Feuerwehrleute sowie 15 Polizisten waren an der Unglücksstelle, das Landeskriminalamt ermittelt. Außerdem seien, so ein Sprecher der Feuerwehr, ein Kran- und ein Rüstwagen im Einsatz gewesen. Die Rettungskräfte wurden gegen 19.10 Uhr alarmiert.

Das etwa 200 Quadratmeter große Dach stürzte zum Teil ein, die Giebelseiten blieben stehen. Augenzeugen beobachteten, dass die beiden Toten aus dem eingefallenen Dachteil des Gebäudes geborgen wurden. Nach Angaben von RBB-aktuell waren während des Unglücks sieben Menschen auf dem Dach.

Nach Polizeiangaben war die Baustelle völlig unzureichend, "mehr als nur fahrlässig" gesichert. Die Gemeinde wollte das Haus offenbar mit einem Turm zu einer Kirche ausbauen. Das Vorhaben war dem Vernehmen nach mit 1,8 Millionen Euro veranschlagt. Unklar ist, ob es eine Baugenehmigung gab und warum sich der Pfarrer und Gemeindemitglieder an den Arbeiten beteiligt haben.

Bei Nachbarn und Gemeindemitgliedern herrschten Trauer und Entsetzen. Mehrere Menschen zündeten Kerzen an und stellten sie vor das Grundstück. Der Grundstein zu dem Kirchenbau wurde, wie es gestern an der Unglücksstelle hieß, im Jahr 2006 gelegt. Damals war die kleine Gemeinde an die Heerstraße umgezogen. Bei dem Gebäude handle sich um ein ebenerdiges Haus mit einem Satteldach.

Das Unglück an der Heerstraße wird im Landesamt für Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz und technische Sicherheit (Lagetsi) als schwerer Arbeitsunfall eingestuft. Daher wird auch der Leiter vom Dienst der Behörde hinzugezogen. „Als Ingenieur und Sachverständiger trägt er zur Aufklärung des Hergangs bei“, sagt Lagetsi-Sprecher Robert Rath. „Wir untersuchen zudem, worin das Problem bestanden hat und legen die Baustelle so lange still, bis die Ursache beseitigt ist.“

40 Bauunfälle pro Jahr

Im Schnitt registriert das Landesamt für Gesundheit und Sicherheit pro Jahr zehn bis 20 tödliche und zehn bis 20 schwere Unfälle an Arbeitsplätzen. „Mit Arbeitsplatz ist in 99,9 Prozent der Fälle eine Baustelle oder eine damit in Verbindung stehende Entladetätigkeit gemeint“ sagt Rath. Zuletzt waren Anfang Juli innerhalb von nur vier Tagen in Berlin bei fünf Unfällen auf Baustellen sechs Arbeiter verunglückt, zwei von ihnen kamen dabei ums Leben.