Randale

Berliner Bäder sprechen mehr als 150 Hausverbote aus

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Maren Wittge und Brigitte Schmiemann

Im Schwimmbad am Columbiadamm ist es am Wochenende zu schweren Randalen gekommen. Die Polizei musste eine Clique von 50 Kindern und Jugendlichen des Bades verweisen. Sie haben nun Hausverbote, insgesamt 158 wurden in dieser Saison bereits ausgesprochen. Doch sie sind schwer zu kontrollieren.

Die Berliner Bäderbetriebe (BBB) gehen strenger gegen Pöbler und Randalierer vor. Bisher erteilte das Unternehmen schon 158 Hausverbote. Ein besonders schwerer Vorfall ereignete sich jetzt im Schwimmbad am Columbiadamm. Dort kam es am Sonntagnachmittag zu einem Polizeieinsatz mit 60 Beamten. Nur so konnte die Badeordnung wieder hergestellt werden. Eine Clique von 50 Kindern und Jugendlichen hatte den Badebetrieb so stark gestört, dass die Schwimmmeister und Sicherheitskräfte die Polizei zu Hilfe rufen mussten.

Mahnungen verpufften

Zu Dutzenden hatte die randalierende Gruppe – es handelte sich um 11- bis 24-Jährige – immer wieder den Sprungturm und die Rutsche gestürmt. Im Schwimmerbecken war die Clique mehrmals von der Seite ins Wasser gesprungen – ohne Rücksicht auf andere Badegäste. Die Bademeister hatten die jugendlichen Störenfriede über den Lautsprecher immer wieder ermahnt und ihnen angedroht, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen. Die Clique zeigte sich davon unbeeindruckt. Schließlich wurde ein Hausverbot für 50 Personen verhängt. Um es durchzusetzten, alarmierte der Betreiber des Bades die Polizei. Gemeinsam mit dem Sicherheitsdienst brachten sie die Schüler in kleinen Gruppen aus dem Bad, stellten ihre Personalien fest und schrieben Anzeigen wegen Hausfriedensbruches.

20 Jugendliche der randalierenden Gruppe weigerten sich trotzdem, das Bad zu verlassen. Sie mussten an Armen und Beinen aus dem Bad getragen werden.

Hausverbote schwer zu kontrollieren

Nach Auskunft des Sprechers der Berliner Bäderbetriebe, Matthias Oloew, sind es vor allem junge Männer, denen – zumeist bei schwül-warmen Wetter – Hausverbot erteilt werden muss. „Die Störer haben nicht nur sich, sondern auch andere Badegäste gefährdet“, sagte Oloew. Es sei die erste Randale in dieser Saison gewesen.

Für die Kontrolle der Hausverbote ist das Bad zuständig. Hier sind vor allem die Bademeister gefragt. „Die Stammbelegschaft kennt ihre Pappenheimer. Dennoch ist das Hausverbot schwer zu kontrollieren“, gibt Oloew zu. Aber spätestens beim zweiten Vergehen, wenn das Hausverbot missachtet wird, handele es sich um eine Straftat, die dann das Gericht ahnde. Die Bäderbetriebe setzen allerdings auch auf Einsicht. 57 Hausverbote aus dem laufen Ende dieses Jahres aus.

Die Bäder-Betriebe haben noch nicht entschieden, ob den randalierenden jungen Leuten vom Sonntag für immer Hausverbot erteilt wird oder nur für diese Saison. Lebenslanges Hausverbot gibt es vor allem bei massiven Vorfällen wie sexueller Belästigung. Messerstechereien oder anderen gewalttätigen Ausschreitungen.

Körperverletzung und Diebstahl

Auch eine 27 Jahre alte Frau musste am Sonntag aus dem Sommerbad Neukölln am Columbiadamm fast herausgetragen werden. Sie hatte einen anderen Badegast bestohlen, war dabei erwischt worden und sollte das Bad verlassen. Doch sie wehrte sich lautstark und widersetzte sich dem Sicherheitspersonal. Als sich Polizisten um sie kümmerten, schrie sie weiter, schlug um sich und trat einem der Beamten gegen das Schienenbein. Gegen die Frau wurde unter anderem ein Ermittlungsverfahren wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und gefährlicher Körperverletzung eingeleitet. Die Berliner Bäder-Betriebe kontrollieren – zum Ärger von manchem ihrer Besucher, der sich unter Generalverdacht gestellt fühlt – beim Betreten der Sommerbäder auch Taschen.

„Wenn viel los ist, so wie jetzt, ist das unerlässlich“, sagte BBB-Sprecher Matthias Oloew. Die Sicherheitsleute fänden bei diesen Kontrollen Dutzende von Messern, nicht nur kleine zum Schälen eines Apfels, es seien darunter etliche mit bis zu 24 Zentimeter langen Klingen. Auch Reizgas und Schlagstöcke, ja sogar eine Machete, seien neulich konfisziert worden. Nicht nur bei jungen Leuten würden diese Gegenstände, die dann erst beim Verlassen des Bades wieder ausgehändigt würden, gefunden. „Es gibt auch ältere Menschen, die diese Messer für Jüngere mit ins Bad tragen“, so Oloew weiter.

Das seit 2004 bestehende Konzept mit privaten Sicherheitsleuten habe sich bewährt. „Wir haben deutlich weniger Hausverbote und fast gar keine Messerstechereien mehr. Gewaltvorfälle sind bis auf Ausnahmen zurückgegangen. Schrankaufbrüche gab es im vergangenen Jahr keinen einzigen“, verwies der Sprecher auf die erfolgreichen Maßnahmen der Bäderbetriebe in den vergangenen Monaten.