Brandstiftung

Wenn in Berlin ein Auto brennt, wird es teuer

Am frühen Montagmorgen ist in Berlin wieder ein Auto abgefackelt worden. Dieses Mal an der Siegfriedstraße in Neukölln. Der BMW ist nach Polizeiangaben erheblich beschädigt. Egal ob Kratzer, fehlender Mercedes-Stern oder Totalschaden - bei Vandalismus bleiben Versicherte auf hohen Kosten sitzen.

Foto: AP

Ein Passant hatte am Morgen in Neukölln das Feuer bemerkt und die Berliner Feuerwehr alarmiert. Diese konnte den Brand rasch löschen. Verletzt wurde niemand. Doch das angezündete Auto, ein BMW, wurde eheblich beschädigt. Seit Jahresbeginn sind - ohne den neuen Fall - nach Angaben der Polizei bisher 185 Fahrzeuge durch vermutlich politisch motivierte Brandstiftungen beschädigt worden.

Neben dem Schrecken und dem Ärger, den Fahrzeugbesitzer in den Ortsteilen Friedrichshain, Kreuzberg und Neukölln nach einem solchen Vorfall ertragen müssen, bleiben viele auf zum Teil sehr hohen Kosten sitzen. Nicht immer kommen die Versicherungen für derart böse Überraschungen auf. Betroffene Autobesitzer, die nur eine Teilkaskoversicherung hatten - wie das oft bei Eigentümern älterer Autos der Fall ist - haben Pech: Laut Auskunft der Allianz zahlt die Versicherung in diesen Fällen nicht. Maximal der Glasschaden wird ersetzt - lächerlich bei einem ausgebrannten Fahrzeug.

Der Wrackbesitzer muss den Schädiger direkt in Anspruch nehmen und verklagen, um an sein Geld zu kommen. Entkommt der Brandstifter unerkannt, bleibt der Autobesitzer auf seinem Schaden sitzen. Wer eine Vollkaskoversicherung hat, bekommt beim Totalschaden durch Vandalismus immerhin den Zeitwert des Autos ersetzt. Allerdings wird der Eigenanteil abgezogen, und die Versicherung versucht auch, den Zeitwert noch zu drücken, indem sie das Wrack begutachten lässt. Wie war der Wagen ausgestattet, wie stark sein Motor, in welchem Zustand war der Wagen? Das kann sich alles auf den Zeitwert auswirken. Dazu kommen Folgekosten, denn der Schadenfreiheitsrabatt der Vollkasko entfällt anschließend natürlich. Auf den Mehrkosten der Höherstufung bleiben die Opfer sitzen.

Der Staat entschädigt die Opfer solcher Brandanschläge nur, wenn die Vorkommnisse als innere Unruhe eingestuft werden. Und auch wenn in Berlin mittlerweile fast jede Nacht Autos brennen - von "innerer Unruhe" sind die Vorfälle nach Meinung von Rechtsexperten derzeit noch weit entfernt.

Wurde das Auto jedoch nicht direkt angezündet, sondern haben die Flammen des brennenden, nebenan geparkten Wagens auf das eigene Auto übergegriffen, ist das aus Versicherer-Sicht ein völlig anderer Fall. Dann wurde das Auto offiziell im Straßenverkehr beschädigt - und die Versicherung zahlt.

Auch wenn ein in einer Tiefgarage geparktes Auto in Brand gerät und andere Personen dadurch zu Schaden kommen, muss die Versicherung zahlen. Das hat das Landgericht München entschieden. Die Versicherung könne sich nicht damit herausreden, dass der Betrieb eines Fahrzeugs prinzipiell mit dem Abstellen des Autos ende und das danach entstandene Feuer kein Verkehrsunfall und damit nicht versichert sei. Im verhandelten Fall hatte ein Mann seinen Ford in einer Tiefgarage abgestellt. Zehn Minuten, nachdem er diese verlassen hatte, geriet der Wagen in Brand, offenbar durch einen Kurzschluss an Ladeleitung oder Lichtmaschine. Durch das Feuer und die damit verbundene Ruß- und Rauchentwicklung kam es in einer direkt über der Tiefgarage gelegenen Wohnung zu erheblichen Schäden. Die betroffene Mieterin wollte die Kosten für die Sanierungsarbeiten und Neuanschaffungen von 16 371 Euro ersetzt haben - und bekam Recht.

Der Sommer brachte bisher nicht nur Sonnenschein sondern auch mächtige Gewitter. Durch Sturm herabfallende Dachziegel, Äste oder Hagelkörner können an geparkten Fahrzeugen heftige Schäden verursachen. "Dafür kommt die Kasko-Versicherung des Autohalters auf", erklärt Claudia Wagner, Sprecherin der Ergo-Versicherungsgruppe, die unter den Marken Hamburg-Mannheimer, Victoria und D.A.S. Versicherungen verkauft. "Der Versicherungsnehmer hat nur die in der Teilkaskoversicherung vereinbarte Selbstbeteiligung zu zahlen." In der Vollkaskoversicherung ist die Teilkaskoversicherung enthalten. "Der Schadenfreiheitsrabatt der Vollkaskoversicherung wird bei Sturmschäden also nicht belastet", so Wagner.

Beschädigen Dachziegel des Eigenheims das Auto des Nachbarn, können schnell hohe Schadenersatzforderungen des Autohalters auf den Hausbesitzer zukommen. "Bei selbst bewohnten Einfamilienhäusern hilft hier die Privathaftpflicht weiter", sagt Wagner. Bei Mehrfamilienhäusern greife hingegen die Haus- und Grundbesitzer-Haftpflichtversicherung.

Bei abgebrochenen Antennen oder Mercedessternen kommt es in erster Linie darauf an, ob diese nur abgebrochen oder auch verschwunden sind. In letzterem Fall wäre das Diebstahl - und für Schäden, die in Zusammenhang mit einem Diebstahl entstehen, kommt die Teilkaskoversicherung auf. Ist die Antenne oder der Mercedesstern jedoch noch auffindbar, kommt die Teilkasko nicht für den Schaden auf - versicherungstechnisch handelt es sich dann um Vandalismus. Im Fall von Vandalismus zahlt wie gehabt nur die Vollkaskoversicherung.