Banken

SPD kritisiert Berufung des neuen IBB-Chefs

Der frühere Deutsche-Bank-Manager Ulrich Kissing wird Vorstandschef der Investitionsbank Berlin. Er übernimmt am 15. September den Posten von Dieter Puchta, der zum 31. August ausscheidet. Die SPD-Frauen im Abgeordnetenhaus reagierten empört, weil keine Frau für den Posten zum Zuge kommt.

Der Verwaltungsrat der landeseigenen Investitionsbank Berlin (IBB) hat gestern den früheren Deutsche-Bank-Manager Ulrich Kissing (52) zum IBB-Vorstandschef berufen. Kissing übernimmt den Posten am 15. September von Dieter Puchta, der zum 31. August ausscheidet. Das teilte die Senatverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen von Senator Harald Wolf (Die Linke) mit. Die mitregierende SPD kritisierte die Entscheidung scharf. Sie forderte eine Frau auf einem der zwei IBB-Vorstandssessel.

„Dieses Vorgehen steht der Gleichstellungsverpflichtung der Verfassung, dem Landesgleichstellungsgesetz und dem Willen des Parlaments eindeutig entgegen“, sagte die frauenpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Ulrike Neumann. Das Abgeordnetenhaus habe dazu im Juni einen einstimmigen Beschluss gefasst. „Gerade vom zuständigen Frauensenator Harald Wolf erwarten wir, dass er sich für mehr Frauen in den Vorständen einsetzt und gegen die Unterrepräsentanz von Frauen vorgeht“, so Neumann weiter. Auch die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Dilek Kolat war enttäuscht. Wolf habe ausreichend „Zeit gehabt“, den Posten mit einer Frau zu besetzen. Er müsse sein Vorgehen nun erklären. Anlass für die scharfen Worte war die Tatsache, dass nach dem Ausscheiden von Birgit Roos aus dem Vorstand der IBB ohne Ausschreibung ein männlicher Nachfolger bestellt worden war.

Auch die Grünen reagierten enttäuscht. Die Stellenbesetzung sei „ein Rückschritt“, sagten die Grünen-Sprecherinnen für Frauen und Wirtschaft, Anja Kofbinger und Lisa Paus. „Zum zweiten Mal innerhalb von einem Vierteljahr billigt Harald Wolf als Verwaltungsratsvorsitzender die rechtswidrige Besetzung einer Vorstandsposition.“ Das Vorgehen zeige einmal mehr, dass Harald Wolf sich weder als Wirtschaftssenator, noch als Senator für Frauen auf der Höhe der Zeit befinde. Die Grünen wollen den „Gesetzesverstoß“ jetzt im Parlament behandeln. Dagegen sagte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linken, Jutta Matuschek, dass Wolf keinen Zweifel daran gelassen habe, dass er bei gleicher Eignung eine Frau berufen hätte.

Der Wirtschaftssenator verwies auf die 23 Jahre währende Erfahrung Kissings in den unterschiedlichen Bereichen des Bankgeschäfts hin. Kissing studierte Betriebswirtschaftslehre an der Universität Regensburg. Seine Bankenlaufbahn begann er 1986 bei der Deutschen Bank AG Augsburg/Frankfurt am Main. Nach verschiedenen Stationen im DB-Konzern war er von 2003 bis 2008 im Vorstand der Deutsche Bank Privat- und Geschäftskunden AG.

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