Speedminton

Die schnellste Trendsportart kommt aus Berlin

Wer die Geschwindigkeit wie beim Squash braucht, aber so wie beim Federball lieber im Grünen spielen will, für den ist „Speedminton" genau das Richtige. Mit Geschwindigkeiten bis zu 290 Kilometer pro Stunde zischt der kleine Speeder durch die Luft. Erfunden wurde Speedminton in Berlin.

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Nicht nur durch die Geschwindigkeit unterscheidet sich Speedminton von seinem "Vorgänger" Badminton. Auch über die große Distanz zwischen den Speedminton-Spielern. Mit dem schwereren Federball lässt es sich sogar über den Dächern der Hauptstadt spielen.

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Das Pfeifen nach dem Knall ist viel lauter, es dauert nur den Bruchteil einer Sekunde, aber dieses Pfeifen macht den Unterschied. Der neon-gelbe Ball, der „Speeder“ heißt, erreicht Geschwindigkeiten von bis zu 290 Kilometern pro Stunde und zischt in die Ferne – bis er im Idealfall wieder in rund 13 Metern Entfernung von einem weiteren Knall auf den Schläger abgefangen wird. Die 48 Zentimeter großen, ovalen Schläger sind genau wie der Ball, sehr bunt.

Nicht „Federball“ wird hier gespielt, sondern „Speedminton“, eine schnellere Variante des Spiels mit dem kleinen Ball mit Plastikaufsatz. Es ist schneller, braucht kein Netz und hat etwas abgewandelte Regeln: Die zwei Felder sind 5,5-Meter-Quadrate in 12,8 Metern Entfernung. Man schlägt den Ball noch härter, muss anders reagieren und braucht wohl etwas mehr Platz am Strand. Speedminton ist inzwischen ein weltweit erfolgreicher Sport – der nicht in den USA erfunden wurde, wie der englische Name vermuten lasse, sondern in Berlin.

Der Beweis dafür hängt im Kreuzberger Büro der Firma an der Wand. Zwischen Kaffeemaschine, Schreibtischen, und vielen Schlägermodellen ist dort eine Weltkarte angebracht. Kleine bunte Nadeln zeigen an, wo es bereits Speedminton-Clubs gibt. „Wir haben Ableger in mehreren Ländern Europas und den USA“, sagt Nina Weber, Speedminton-Mitarbeiterin, „aber es erreichen uns auch Postkarten von Spielern aus Nepal, Japan und Australien.“ Landesmeisterschaften gibt es bisher nur in Deutschland, Schweden und der Schweiz. Die Weltmeisterschaft mit Teilnehmern aus 17 Ländern findet jährlich in Berlin statt – Favoriten sind derzeit die Schweden.

Entwickelt wurde Speedminton ebenfalls in Berlin – und wenn die Mitarbeiter davon erzählen, fällt immer schnell das Wort „Hasenheide“. In jenem Park hat Bill Brandes, den alle nur den „Kapitän“ nennen, oft Federball gespielt. Dabei hat er sich allerdings geärgert, dass bei starken Böen der Ball nur schwer zu kontrollieren war. So begann er zu experimentieren. Doch je schneller er den Ball konzipierte, umso häufiger rissen die Saiten auf seinem Schläger. Also musste er auch einen neuen Schläger erfinden.

Im Jahr 2001 gründete sich dann in Berlin die Speedminton GmbH und brachte kurz darauf das erste Schläger-Ball-Set heraus. Von da an wurden beide Teile immer weiter entwickelt. Aus dem S70, wurde der S100, aber inzwischen gibt es Profi-Schläger S500 und S1000. Bei letzterem gibt es eine „Mega-Power-Zone“, mit der die Spieler dem Ball noch mehr Geschwindigkeit verpassen können.

Zu kaufen gibt es sie in vielen Sportgeschäften, das Einsteigerset für rund 50 Euro. Schwieriger, als an die Sportgeräte heranzukommen, ist es allerdings, in Berlin an einen Speedminton-Platz zu finden. „In Berlin gibt es noch keinen nur für Speedminton eingerichteten Platz in einer Halle, sagt Nina Weber. Das habe aber eher mit der allgemeinen Situation zu tun. „Berlin hat insgesamt einfach zu wenige Sportstätten.“ Dafür hat zum Beispiel das finnische Helsinki eine eigene Speedminton-Spielstätte eingerichtet. In Deutschland muss man dafür bisher einen Tennisplatz umrüsten. Das geht aber in wenigen Handgriffen: Einfach das Netz abnehmen und die hinteren beiden Felder abstecken.

Ähnlich einfach lässt sich ein Federball-Spieler zum Speedminton-Spieler „umrüsten“. Die Handhaltung, der Ball und sämtliche anderen Vorbereitungen fallen weg. Wer trotzdem schon einen Profi sucht, kann sich im Online-Forum des Herstellers melden. Das funktioniert ähnlich zu anderen Online-Foren wie StudiVZ oder Facebook. Die Nutzer vernetzen sich dort von selbst und verabreden sich auch zu kleinen Turnieren. Immer wieder auch zu „Blackminton“, der Dunkelvariante, bei der ein von innen leuchtender Ball zum Einsatz kommt. Dann sieht dann von weitem aus wie ein verwirrtes Glühwürmchen, das zudem seltsame Pfeifgeräusche von sich gibt.