Ausbau

Berlin bekommt 56 neue Radwege

Die Straßen der Hauptstadt werden fahrradfreundlicher. Denn die Verkehrsverwaltung baut bis Ende kommenden Jahres 56 neue Radwege und Radfahrspuren. Die meisten entstehen in Mitte, die wenigsten in Spandau und Neukölln. Morgenpost Online sagt Ihnen, ob Ihr Kiez auch dabei ist.

Foto: Massimo Rodari

Die Verkehrsverwaltung baut bis Ende nächsten Jahres 56 neue Radwege und Radfahrspuren auf Berlins Straßen. Das geht aus dem aktuellen Haushaltsplan der Verkehrsverwaltung für dieses und das nächste Jahr hervor. Damit erhöht sich die Zahl der Radwege und Radspuren auf mehr als 750 Kilometer. In jedem Jahr stellt Berlin eine Million Euro für die Sanierung von vorhandenen Radwegen und drei Millionen Euro für den Neubau zur Verfügung. Das Geld stammt aus Fördertöpfen des Landes, des Bundes und der EU zur Verbesserung der Infrastruktur. Geld aus den beiden Konjunkturprogrammen des Bundes kommt dabei nicht zum Einsatz.

Mit dem Ausbau des Radwegenetzes soll Berlin zu einer radverkehrsfreundlichen Stadt werden. Allerdings stoßen nicht alle Erneuerungen auf den Zuspruch der Experten. „Es ist erklärter Wille des Senates, den Fahrradverkehr von den Bürgersteigen auf die Straße zu verlagern, deswegen verstehe ich nicht, dass weiter Radwege auf Bürgersteigen eingerichtet werden“, kritisiert der Fahrradbeauftragte des Landes Berlin, Benno Koch. Er versteht auch nicht, warum marode Radwege auf Bürgersteigen saniert oder wie in Hellersdorf sogar neu gebaut werden. Außerdem kritisiert Koch die Nutzungspflicht auf engen und gefährlichen Radwegen, wie die neu eingeführte Nutzungspflicht in der Potsdamer Straße in Tiergarten und Schöneberg.

Nach aktuellen Verkehrszählungen des Senats boomt der Radverkehr in Berlin weiter. Nachdem in den vergangenen Jahren der Anteil des Radverkehrs von sechs auf zwölf Prozent gestiegen war, liegt er inzwischen berlinweit bei rund 15 Prozent. „In einigen Bezirken der Innenstadt liegt er sicher weit darüber“, sagt Koch. Im Herbst will die Verkehrsverwaltung die Ergebnisse einer Haushaltsbefragung zur Verkehrsnutzung vorstellen. Stichproben haben schon jetzt ergeben, dass der Radverkehr in Mitte seit 2001 um 40 Prozent zugenommen hat und in Kreuzberg um mehr als 30 Prozent. In Spandau hat der Radverkehr dagegen im gleichen Zeitraum nur um zehn Prozent zugenommen.

Laut Unfallstatistik gab es weniger Tote

Erfreulich ist weiterhin die Entwicklung der Unfallstatistik. Die Zahl der tödlich verunglückten Radfahrer befindet sich auf einem Rekordtief. In diesem Jahr kamen bislang zwei Radfahrer ums Leben, zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres waren es bereits sechs. Insgesamt starben im vergangenen Jahr elf Radfahrer auf Berlins Straßen. Am 24.Juni starb eine 34-jährige Radfahrerin, die von einem rechtsabbiegenden Lastwagen in der Danziger Straße in Prenzlauer Berg übersehen worden war. Am 15. Juli starb ein 44-jähriger Radfahrer in der Neuköllner Sonnenallee. Der Mann musste einem plötzlich auf die Straße tretenden Fußgänger ausweichen und stürzte über den Lenker seines Rads.

Unfälle wie dieser unterstreichen nach Auffassung des Berliner Radfahrbeauftragten die Forderung nach dem Abbau von Radwegen auf Bürgersteigen. „Am sichersten für Radfahrer sind die Busspuren und die Tempo-30-Zonen“, sagt Koch.

Berlin verfügt derzeit über 625 Kilometer Radwege, dazu kommen rund 80 Kilometer Radfahrstreifen auf den Fahrbahnen. Außerdem können Radfahrer die 70 Kilometer Busspuren nutzen. Die Zahl der Radfahrer, die täglich unterwegs sind, wird gegenwärtig auf rund 500.000 geschätzt. 4500 Radfahrer wurden im vergangenen Jahr durch Unfälle verletzt, 500 davon schwer.

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