Notfahrplan

Kind stürzt ins Gleis - S-Bahn sperrt weitere Strecken

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Auf dem Bahnhof Spandau ist ein Kleinkind im Gedränge auf die Gleise gestoßen worden. Nur das Eingreifen eines Fahrgastes bewahrte das Mädchen vor Schlimmeren. Am Wochenende wird der S-Bahn-Verkehr zusätzlich eingeschränkt wegen Bauarbeiten. Es fahren aber mehr Regionalzüge.

Seit Montag fährt die Berliner S-Bahn nur noch nach einem Notfahrplan. Während die Bahn und der Senat von einem guten Funktionieren der Ersatzangebote sprechen, warnt der Fahrgastverband Igeb vor „Beschönigungen“. „Es läuft keineswegs alles rund“, sagte Igeb-Vize Jens Wieseke. Vor allem nachmittags, wenn Arbeiter und Angestellte, Ferienkinder und Touristen gleichzeitig unterwegs sind, gebe es erhebliche Platzprobleme.

Angesichts teils völlig überfüllter Bahnsteige und Züge wächst inzwischen die Sorge vor Unglücksfällen. Genährt wird die Furcht von Zwischenfällen wie Donnerstagmorgen im S-Bahnhof Spandau. Als ein Regionalzug um 8.48 Uhr einfuhr, drängten alle aus Angst, nicht mitzukommen, zu den Eingängen. Mittendrin eine Mutter mit Kinderwagen und einem zweijährigen Mädchen an der Hand. Auf einmal wurde das Kind losgerissen. Das Mädchen rutsche zwischen Bahnsteigkante und Zug und fiel auf das Gleisbett. Ein junger Mann mit rotem T-Shirt reagierte blitzschnell und angelte nach dem Kind. Es gelang ihm, das schreiende Mädchen an einem Arm nach oben zu ziehen.

Augenzeuge dieses Vorfalls war die Tochter von Hannelore Walentowitz. Sie rief sofort ihre Mutter an, die daraufhin bei der S-Bahn nachfragte, warum kein Aufsichtspersonal zur Stelle war. Dort habe man nichts von dem Vorfall gewusst und auch kein Interesse gezeigt, so die 70-Jährige. „Muss erst jemand überfahren werden“, fragt Hannelore Walentowitz. Ein Bahn-Sprecher erklärte hingegen, dass der Unfall registriert worden sei. „Ein Servicemitarbeiter hat den Vorfall gesehen und wollte zu Hilfe eilen“, sagte er. Reisende seien jedoch schneller gewesen.

Grund für das stark eingeschränkte Zugangebot sind zusätzliche Sicherheitschecks und Radwechsel, die das Eisenbahn-Bundesamt nach einem Radbruch am 1. Mai angeordnet hat. Für den Betrieb stehen der S-Bahn derzeit nur noch 165 ihrer 1264 Wagen zur Verfügung. Da einige Züge die Werkstätten wieder verlassen konnten, lässt die S-Bahn die S8 inzwischen bis Blankenburg und nicht nur bis Treptower Park fahren. Damit könne das Angebot auf dem östlichen Ring verbessert werden.

Bauarbeiten am Wochenende

Am Wochenende wird indes der S-Bahn-Verkehr auf einigen Strecken zusätzlich eingeschränkt. So fahren von Freitag, 22.30 Uhr, bis Montag, 1.30 Uhr, die Züge der S3 nur bis Friedrichshagen. Zwischen Friedrichshagen und Wilhelmshagen besteht Pendelverkehr, zwischen Wilhelmshagen und Erkner wird die S3 durch Busse ersetzt. Aufgrund von Bauarbeiten am Bahnhof Baumschulenweg fahren auch zwischen Treptower Park und Baumschulenweg sowie Neukölln und Köllnische Heide am Wochenende Busse statt S-Bahnen.

Über Sperrungen und Ersatzverbindungen mit Regionalzügen und Bussen informiert jetzt auch ein Flugblatt in drei Sprachen – auf Deutsch, Englisch und Polnisch. Es soll von Freitag an verteilt werden und ist im Internet abrufbar (PDF) .

Bahn gibt Entwarnung bei Regionalzügen

Nach dem Radriss bei einem Regionalzug gibt die Deutsche Bahn (DB) Entwarnung. „Wir gehen davon aus, dass keine weiteren Wagen aus dem Betrieb genommen werden müssen“, sagte ein Bahnsprecher am Donnerstag in Berlin.

Vergangenen Freitag war im brandenburgischen Wünsdorf an einem Doppelstockwagen ein Radriss entdeckt worden. Der betroffene Wagen war daraufhin sofort aus dem Verkehr gezogen worden. Er zählt zu der veralteten Baureihe 747.3, die nach DB-Angaben bis 2011 ausgemustert werden soll. Im Berlin-brandenburgischen Regionalverkehr sind noch 44 dieser Wagen im Einsatz.

Dieser Fall sei mit den Problemen bei der Berliner S-Bahn nicht vergleichbar, deren Radsätze und Achsen auf mögliche Materialfehler überprüft werden müssten, sagte der Bahn-Sprecher. Der Schaden an dem Rad des Regionalzuges sei durch eine von außen zu stark einwirkende Klotzbremse verursacht worden. Daher gebe es keine Veranlassung, die übrigen Wagen dieser Baureihe außerplanmäßig zu überprüfen. Die Bahn sei darüber mit dem Eisenbahnbundesamt im Gespräch, sagte der Bahn-Sprecher.

Dementsprechend können am Wochenende auf den S-Bahn-Strecken auch mehr Regionalbahnen als bisher eingesetzt werden. Zwischen Potsdam Hauptbahnhof und Berlin Ostbahnhof fahren künftig an sieben Tagen in der Woche in der Zeit von 4 bis 24 Uhr vier Züge pro Stunde und Richtung. Dieses Angebot war bislang nur montags bis freitags von 6 bis 20 Uhr vorgesehen gewesen.

Ergänzend zu den planmäßig fahrenden Nachtzügen des Regionalverkehrs gibt es am Wochenende weitere Fahrten um 0.59, 1.56 und 3.20 Uhr ab Berlin Ostbahnhof sowie um 23.52 Uhr, 2.28 Uhr und 3.22 Uhr ab Potsdam Hauptbahnhof.

Mit ddp

( bsm/fü/kla )