Schöneberg

Millionen-Mängel - Stadtbad ist wieder Baustelle

Vor zehn Jahren wurde das Stadtbades Schöneberg für umgerechnet rund 25 Millionen Euro saniert. Doch dabei ist offensichtlich eine Menge schiefgelaufen. Denn die Schwimmhalle ist nicht ganz dicht und muss jetzt erneut renoviert werden - bis zum Herbst nächsten Jahres.

Foto: Marion Hunger

Das Stadtbad Schöneberg wurde 1999 für 50 Millionen Mark komplett saniert und als Spaß- und Erlebnisbad wieder eröffnet. Genau zehn Jahre später ist es wieder ein Sanierungsfall. Seit dem 6.Juli ist die Halle an der Hauptstraße geschlossen. Mindestens ein Jahr werden die erneuten Sanierungsarbeiten dauern. Bäderchef Klaus Lipinsky rechnet damit, dass die Schwimmhalle im Herbst 2010 wieder eröffnet wird.

Bei der damaligen Sanierung des Bades sei eine „Menge schiefgelaufen“, sagt Carsten Piede, Mitarbeiter der Berliner Bäderbetriebe. Bereits kurz nach der Eröffnung traten Probleme bei der Abdichtung von Becken und Böden, der Lüftung und der Wasseraufbereitungsanlage auf. So war die Anlage für maximal 600 Besucher pro Tag ausgelegt. Tatsächlich kamen nach der Wiedereröffnung bis zu 2400 Besucher. Wegen einer unzureichenden Wasserqualität musste das Bad deshalb immer wieder vorübergehend geschlossen werden.

Bauherr vor zehn Jahren war der Bezirk Schöneberg. Der Bezirk habe sich vertraglich einen Regress in Höhe von drei Prozent der Bausumme zusichern lassen, sagt Matthias Oloew, Sprecher der Bäderbetriebe. Allerdings hätten die Firmen nach der Eröffnung der Halle Insolvenz angemeldet. Viele Mängel seien zudem in ihrem Ausmaß erst später zu erkennen gewesen.

Mangelhafte Abdichtung der Fliesen

Das größte Problem ist die mangelhafte Abdichtung der Fliesen. Aus Kostengründen hatte der Bezirk einem neuen Verfahren der Abdichtung zugestimmt. Das habe zwar der Norm entsprochen, aber nicht ausgereicht, sagt Matthias Oloew. Bernd Krömer (CDU), Baustadtrat seit 2006, sieht auch keine Fehler in dem Verfahren, sondern in der unzureichenden Dicke, in der die Schicht aufgetragen wurde. Das Wasser konnte so bis in den Keller eindringen und Decken und Böden zerstören. Aus diesem Grund muss die Schwimmhalle bis auf den Rohbau entkernt und neu abgedichtet werden. Außerdem wird die Wasseraufbereitungsanlage optimiert und nachgerüstet. Künftig könnten sich 1200 Badegäste zugleich im Bad aufhalten, sagt Lipinksy.

Die erneute Sanierung wird mindestens vier Millionen Euro kosten. Das Geld kommt aus dem Topf des Bädersanierungsprogramms, der mit 50 Millionen Euro aus dem Verkauf der Gewerbesiedlungsgesellschaft (GSG) gefüllt wurde. Zwölf weitere Hallen werden derzeit instand gesetzt, darunter das Stadtbad Mitte, die Schwimmhalle Hüttenweg und das Stadtbad Märkisches Viertel.

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