Randale in Kreuzberg

1.-Mai-Randalierer zu Bewährungsstrafe verurteilt

Nach den schwersten 1.-Mai-Krawallen seit Jahren ist ein weiterer Randalierer verurteilt worden. Der 24-jährige Auszubildende erhielt 14 Monate Haft auf Bewährung wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung. Er habe nicht nachgedacht, sagte er.

In einem weiteren Prozess zu den schweren Maikrawallen in Berlin in diesem Jahr ist ein 24-jähriger Berliner am Mittwoch zu 14 Monaten Haft mit Bewährung verurteilt worden. Das Amtsgericht Berlin-Tiergarten sprach den angehenden Ofenbauer wegen besonders schweren Landfriedensbruchs und versuchter gefährlicher Körperverletzung schuldig. Der geständige Angeklagte hatte an der Kreuzberger Adalbertstraße eine Glasflasche Richtung Polizei geworfen.

Die Gegend war einer der Brennpunkte der dieses Jahr besonders brutalen Krawalle. Die Polizei war einem Hagel von Stein- und Flaschenwürfen von 300 bis 400 zum Teil vermummten Randalieren ausgesetzt. Auch ein 24-jähriger Bundespolizist aus Hessen soll im Bereich Adalbertstraße drei Steine geworfen haben. Der Prozess gegen den vom Dienst suspendierten Beamten ist für den 6. Oktober terminiert.

Der geständige Ofenbauer bekam als bisher unbestrafter Ersttäter Bewährung. In der Stimmung vor Ort habe er sich dummerweise mitreißen lassen, hatte der Angeklagte erklärt. Er habe nicht nachgedacht. Genau das sei das Problem, argumentierte die Richterin. Der durch Alkohol leicht enthemmte Mann habe sich in die Menge gemischt. Die nicht beherrschbare Gruppendynamik sei gefährlich.

Bei den schwersten Maikrawallen seit Jahren wurden mit 479 Polizisten so viele verletzt wie sonst nie. 289 Personen wurden vorläufig festgenommen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft sind vor dem Amtsgericht bisher knapp zehn Verfahren abgeschlossen worden, zumeist mit Bewährungsstrafen. Die höchste Strafe mit drei Jahren und zwei Monaten erhielt ein vorbestrafter Randalierer, der mehrere Steine und Flaschen auf Polizisten geworfen hatte.

In 80 Fällen hat die Staatsanwaltschaft bis Mitte Juli Anklage erhoben. Der schwerste Vorwurf wird zwei Schülern gemacht, die in Kreuzberg einen Molotowcocktail gegen Polizisten geworfen haben sollen. Getroffen wurde eine unbeteiligte Passantin, die schwere Brandverletzungen erlitt. Den Jugendlichen im Alter von 17 und 19 Jahren wird versuchter Mord vorgeworfen.

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