Farb-Attacke

Obama-Störer wird in Psychiatrie untergebracht

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Einen Tag bevor Barack Obama 2008 nach Berlin kam, als der Bereich um die Siegessäule bereits abgesperrt war, drang ein Autofahrer zur Säule vor, umrundete sie und schüttete einen Eimer Farbe aus. Bombenexperten mussten anrücken. Nun wird der Mann in die Psychiatrie eingewiesen. Er gilt als schuldunfähig.

Ein Jahr nach einer Farbattacke kurz vor dem Besuch des damaligen US-Präsidentschaftskandidaten Barack Obama in Berlin hat das Landgericht die dauerhafte Unterbringung des 41-jährigen Amokfahrers in der Psychiatrie angeordnet. Der psychisch kranke Mann aus Baden-Württemberg wurde schuldig gesprochen, am Vortag der geplanten Rede Obamas an der Siegessäule im Juli 2008 mit seinem Auto die Absperrungen durchbrochen und rote Farbe auf der Fahrbahn verteilt zu haben. Mit 50 Kilometern pro Stunde war er auf dem Gehweg Richtung Brandenburger Tor gefahren, bis ihn Sicherheitskräfte stoppen konnten.

An einem Sicherheitsmann, der versucht hatte, den Fahrer zum Anhalten zu bewegen, sei der Angeklagte nur „haarscharf“ vorbeigefahren, hieß es. Zwei weitere Personen hätten „das Unheil“ auf sich zukommen sehen und rechtzeitig zur Seite treten können. Der Autofahrer, Vater von zwei minderjährigen Töchtern, wurde von Einsatzkräften überwältigt und der Polizei übergeben. Da Polizeibeamte in dem Kleinwagen verdächtige Gegenstände gesichtet hatten, mussten Bombenexperten der Kriminaltechnik das Auto untersuchen, bevor schließlich Entwarnung gegeben werden konnte.

Im Prozess hatte der arbeitslose gelernte Schlosser seine Tat eingestanden. „Ich habe es bewusst gemacht. Ich musste Aufmerksamkeit erregen“, sagte er. Seinen Angaben nach hatte er damals über eine Zeitarbeitsfirma einen „Job gemacht, der menschenunwürdig war“. Er habe die Menschen mit seiner Tat aufwecken wollen, sagte er.

Die Richter folgten dem Gutachter, wonach „ohne Therapie ähnliche oder andere Straftaten“ von dem manisch-depressiven Mann zu befürchten sind. Er habe kein Krankheitsgefühl und sei daher auch nicht krankheitseinsichtig, sagte der Experte. Dieser hatte nicht ausschließen können, dass die Steuerungsfähigkeit des 41-Jährigen zur Tatzeit aufgrund seiner Erkrankung aufgehoben war. Daher sei der Angeklagte schuldunfähig und könne nicht bestraft werden, hieß es im Urteil. Ihm waren versuchte gefährliche Körperverletzung, Nötigung und gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr zur Last gelegt worden.

( ddp/dpa/pol/sh )