Hunde-Zaun

Försterei sperrt Strand am Grunewaldsee

Erst am Griebnitzsee, dann am Groß Glienicker See und nun auch am Berliner Grunewaldsee: Immer neue Uferbereiche werden gesperrt. Die Försterei hat einen 100 Meter langen Zaun gezogen, um vor allem Hunde fernzuhalten. Denn die sollen den Uferweg zerstören. Hundehalter protestieren.

Foto: Krauthoefer

Die Berliner Forsten haben einen etwa hundert Meter langen Zaun entlang des nördlichen Seeufers gezogen – zum Entsetzen vieler Hundehalter und Spaziergänger, die an dieser Stelle nun nicht mehr ans Wasser können. Besonders die Besitzer von Hunden fühlen sich zurückgedrängt auf ein immer kleiner werdendes Terrain. Ihre Angst ist begründet: Erst 2003 sollte das Auslaufgebiet verlegt und verkleinert werden. Das Vorhaben wurde aufgrund vieler Protestaktionen abgeschmettert. Dennoch: „Gerade hier am Grunewaldsee wird das Auslaufgebiet immer mehr durch Zäune beschnitten“, beschwert sich Guido Zörner, Vorsitzender des Vereins „Hunde in Berlin“. Und eine 41-jährige Hundehalterin klagt über die nun fehlende Wasserstelle. „Wenn es sehr heiß ist, brauchen die Hunde regelmäßig Wasser“, sagt die Zehlendorferin. Der gesperrte Uferstreifen hätte genau zwischen dem Hundebadestrand und dem FKK-Strand gelegen. „Manchen Tieren wird es mit Sicherheit schwer fallen, jetzt bis zur nächsten Wasserstelle zu gelangen“, sagt die Frau.

Ein Zettel an einer Informationstafel am See klärt die Hundehalter über die Sperrung auf. „Dieser Uferabschnitt des Grundwaldsees muss durch einen Zaun vor Hundepfoten geschützt werden, damit sich die Natur wieder erholen kann und der angrenzende Wanderweg nicht zerstört wird“, heißt es in dem Schreiben des Forstamtes Grunewald. „Es besteht die akute Gefahr, dass der Weg abrutscht“, erläutert Marc Franusch, Sprecher der Berliner Forsten. Die Hunde würden mit ihren Pfoten den Sand ab- und in das Wasser hineintragen. Der Zaun solle nun verhindern, dass sich die Erosion fortsetze. „Wir müssen die Erholungsstruktur für alle Berliner sichern“, sagt Franusch.

Die Hundefreunde sehen das anders. Nicht der Sand an den Pfoten sei Schuld für den Zustand des Weges, sagt Guido Zörner. Vielmehr spüle das Regenwasser die Wege aus und greife die Palisaden an. Zörner zeigt die Holzbohlen, die den Weg an dem nun abgesperrten Strand stützen sollten. Sie sind morsch und liegen frei. „Das waren keine Hunde“, sagt der Vereinschef. Seiner Meinung nach hätten die Holzpfeiler, die das Abrutschen des Weges verhindern sollten, längst erneuert werden müssen. Auch ein paar Lkw-Ladungen Sand zum Aufschütten hätten das Problem gelöst – wenn auch nur für eine begrenzte Zeit.

Für den Verein „Hunde in Berlin“ liegt die Ursache der Probleme am Grunewaldsee noch ganz woanders: Es sei ein Beleg dafür, dass es zu wenige Auslaufgebiete in Berlin gebe, sagt Zörner. Aus der ganzen Stadt reisten die Hundehalter an, sogar aus dem Land Brandenburg. Dadurch konzentriere sich alles rund um den Grunewaldsee, für den es auch kein naturverträgliches Nutzungskonzept gebe.

Es gibt Stellen im Grunewald, da begegnet der Spaziergänger kaum einen Hund – an anderen Stellen kommt er vor lauter Hunden kaum vorwärts. Das sei ein Zeichen für ein falsches Nutzungskonzept, sagt der Vereinschef. Die Besucherströme müssten besser über beschilderte Rad- und Wanderwege gelenkt werden, es fehlten Bänke, Papierkörbe und Attraktionen wie Trimm-dich-Pfade rund um den Grunewaldsee. Alle Beteiligten müssten ein vernünftiges Konzept erarbeiten, statt das Auslaufgebiet durch immer mehr Zäune zu verdichten, so Guido Zörner.

Die Sperrung des Uferstreifens ist keine vorübergehende Angelegenheit. Es werde einige Jahre dauern, bis sich die Natur erholt habe, sagt Forstsprecher Marc Franusch. Die Forstverwaltung suche aber noch nach einer anderen Lösung. „Wir werden die Situation überprüfen und die technischen Möglichkeiten ausloten, um den Weg zu stabilisieren“, versichert Marc Franusch.

Zwölf Hundeauslaufgebiete mit einer Fläche von insgesamt 1250 Hektar listet die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung auf. Der Grunewaldsee umfasst allein 800 Hektar. Fast alle Auslaufgebiete liegen im Westteil der Stadt. Deshalb macht sich jetzt eine Bürgerinitiative für ein Hundeauslaufgebiet in Treptow-Köpenick stark. 2100 Stimmen braucht die Initiative, um einen entsprechenden Antrag in der Bezirksverordneten-Versammlung stellen zu können, über den die Fraktionen dann abstimmen. 800 Stimmen sind in den vergangenen zwei Monaten zusammengekommen. Die Initiatoren rechnen damit, den Antrag im Herbst einbringen zu können. „Ein weiteres gleichartiges Auslaufgebiet im Südosten der Stadt entlastet massiv den Grunewald“, sagt Guido Zörner.