Bahn-Chaos

Wowereit wettert gegen Bahn-Börsenplan

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Angesichts des Chaos bei der Bahn warnen führende Berliner SPD-Politiker vor einem Börsengang der Bahn. Die Missstände bei der Berliner S-Bahn zeigten deutlich, wie schädlich ein weiterer Privatisierungskurs sei. Der ADAC fordert wegen des Chaos den Verzicht auf Parkgebühren in der Stadt.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hat sich angesichts des S-Bahn-Chaos in der Hauptstadt gegen einen Börsengang der Deutschen Bahn ausgesprochen. „Für die SPD ist klar: Das Thema ist beendet“, sagte Wowereit der „Berliner Zeitung“ von Donnerstag. Auch der Sprecher der SPD-Linken, Björn Böhning kritisierte, dass die Bahn an ihren Börsenplänen festhalte. „Niemand sollte zwei Mal gegen die selbe Wand fahren“, sagte er der Zeitung. Die Missstände bei der Berliner S-Bahn zeigten deutlich, wie abwegig der Privatisierungskurs sei.

In Berlin fallen seit Anfang Juli massenweise Züge aus, es kommt zu teils starken Verspätungen. Grund ist eine Anweisung des Eisenbahn-Bundesamtes zur Kontrolle der Achsen und Räder der S-Bahn-Züge. Die Berliner S-Bahn, eine Tochter der Deutschen Bahn, hatte die vorgeschriebenen Intervalle für die Prüfungen nicht eingehalten und musste daher nun sehr viele Züge auf einmal aus dem Verkehr nehmen. Kritiker werfen der Bahn vor, Sparmaßnahmen im Zuge des geplanten Börsengangs seien Grund für die Missstände.

Die Deutsche Bahn hatte ihren für vergangenen Herbst geplanten Börsengang aufgrund der Finanzmarktkrise abgesagt. Das Unternehmen hält bislang aber weiter an einer Privatisierung fest. Die „Berliner Zeitung“ berichtete, der Konzern wolle schon 2011 wieder reif für die Börse sein. Dazu sollten die internen Vorgaben noch einmal verschärft werden.

Das Chaos bei der Berliner S-Bahn könnte bald noch größer werden. Denn es drohen neue, verschärfte Sicherheitsanordnungen durch das Eisenbahn-Bundesamt. Eine Entscheidung steht unmittelbar bevor. Experten rechnen für diesen Fall mit dem Ausfall von drei Vierteln des Wagenparks der S-Bahn.

Angesichts des S-Bahn-Chaos hat der Autofahrerclub ADAC einen völligen Verzicht auf Parkgebühren in der Berliner Innenstadt verlangt. Da kein Ende der Zugausfälle abzusehen sei, müssten vor allem die Berufspendler aus dem Berliner Umland entlastet werden. Viele von ihnen würden inzwischen das eigene Auto nehmen, um ihren Arbeitsplatz in der Innenstadt zu erreichen, erklärte der Vorsitzende des ADAC Berlin- Brandenburg, Walter Müller. „Es ist legitim, für diese Menschen einen Ausgleich für die zusätzlichen Aufwendungen zu fordern, die sie zum Beispiel beim Tanken haben."

Nach Vorstellung Müllers könnten die Einnahmeausfälle an den Parkuhren durch die Gelder ausgeglichen werden, die der Senat an Zuschüssen für die S-Bahn einspart. Ausgefallene S-Bahn-Fahrten müssen nicht bezahlt werden. Müller rief Berufspendler dazu auf, nach Möglichkeit Fahrgemeinschaften zu bilden. Die S-Bahn kann seit Ende Juni keinen normalen Zugverkehr mehr anbieten, weil hunderte Wagen zur Überprüfung von Rädern und Achsen in die Werkstätten müssen.