Detektor

Neuer Entgleisungsmelder soll Züge sicherer machen

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Der Berliner TU-Professor Markus Hecht schlägt vor, in Zügen ein Gerät einzubauen, das Entgleisungen – beispielsweise nach Radbrüchen – frühzeitig entdeckt und eine Notbremsung einleitet. Kostenpunkt für die Bahn: rund 1,5 Millionen Euro. Doch der Detektor ist für den Schienenbetrieb nicht zugelassen.

Die Deutsche Bahn hat Kritik an ihrem Umgang mit den aktuellen Problemen bei der S-Bahn zurückgewiesen. „Weder der von dem Universitätsprofessor Markus Hecht vorgeschlagene Einsatz eines Entgleisungs-Detektors noch die Wiederinbetriebnahme ausrangierter Züge helfen uns in der jetzigen Situation weiter“, sagte am Dienstag ein Bahn-Sprecher.

So liege für den Detektor nach Informationen der Bahn keine Zulassung des Eisenbahn-Bundesamtes (EBA) vor. Die ausrangierten Züge zu reaktivieren sei ebenso wenig eine Option. Nach Angaben des Sprechers würde es Monate dauern, die Züge wieder zum Leben zu erwecken, die Kosten würden in die Millionen gehen.

Der Eisenbahn-Experte Hecht hatte der Bahn vorgeworfen, aus Kostengründen keine schnelle Lösung anzustreben. „Es gibt mehrere Möglichkeiten, wie der Normalbetrieb deutlich schneller wiederhergestellt werden könnte, als die Bahn das derzeit plant“, sagte der Leiter des Instituts für Land- und Seeverkehr und Spezialist für Schienenfahrzeuge an der Technischen Universität (TU) Berlin.

Eine davon sei, an den Waggons ein Gerät einzubauen, das Entgleisungen – beispielsweise nach Radbrüchen – frühzeitig entdeckt und eine Notbremsung einleitet. „Denn die Gefahr sind nicht die Entgleisungen an sich, sondern die Folgeereignisse – wenn der Waggon zum Beispiel über eine Weiche fährt“, erklärte der Ingenieur.

Ein Lokführer könne noch viele Kilometer weit fahren, bevor der Schaden zu einer Gefahr für die Fahrgäste werde. Durch den Anbau eines solchen Detektors müssten deutlich weniger Räder ausgetauscht werden als die 4000 von der Bahn vorgesehenen. „Einfach, weil die Schwelle für einen Austausch durch diese zusätzliche Sicherheitsmaßnahme heraufgesetzt würde“, sagte Hecht.

Folglich könnte auch schneller wieder Normalbetrieb bei der S-Bahn herrschen. Anlieferung und Einbau der Geräte würden seiner Einschätzung nach ein bis zwei Wochen dauern – bei rund 1,5 Millionen Euro Kosten für die Bahn.

Zugleich zeigte sich Hecht aber wenig optimistisch, dass die Bahn sich eine solche Maßnahme leisten wird. Er bezweifle, dass das Unternehmen vor dem Hintergrund etwaiger Zusatzausgaben eine schnelle Lösung überhaupt will. „So steht es dem Unternehmen ja frei, auch Werkstätten, die nicht zur Bahn gehören, mit dem Austausch der Räder zu beauftragen – aber das ist offenbar nicht erwünscht“, sagte Hecht.

Der Entgleisungs- oder Radbruch-Detektor wurde in der Schweiz entwickelt, von Hecht und seinen Mitarbeitern 2007 getestet und für gut befunden. Hergestellt wird er von Knorr-Bremse in Marzahn. Bahn-Chef Rüdiger Grube hält das System für vielversprechend, wie er beim Bahn-Gipfel in Berlin am Montag sagte. Allerdings sei es für den Einsatz im Alltag derzeit technisch noch nicht ausgereift. Grundsätzlich sei die Bahn an der Entwicklung aber interessiert. „Alles, was uns sicherer macht, ist willkommen“, so Grube.

( ddp/fal )