Sicherheitsmängel

Ostdeutsche Eisenbahn stellt Hälfte aller Züge ein

Völlig überraschend hat die Ostdeutsche Eisenbahn am frühen Dienstagmorgen 50 Prozent ihrer Fahrzeugflotte aus dem Verkehr gezogen. An den Zugtypen war es in der letzten Zeit ungewöhnlich oft zu Bränden und Rauchentwicklung gekommen. Die Ausfälle kommen äußerst ungelegen: Das Unternehmen will künftig ein Drittel aller Regionalstrecken im VBB Berlin-Brandenburg betreiben.

Zum S-Bahn-Chaos in Berlin kommen jetzt auch noch spürbare Einschränkungen im Regionalverkehr in Brandenburg. Die Ostdeutsche Eisenbahn (Odeg) und die Prignitzer Eisenbahn (PEG) mussten am Dienstag aus Sicherheitsgründen fast alle Dieseltriebwagen des Typs RegioShuttle aus dem Verkehr ziehen. Aufgrund des Fahrzeugmangels ist mindestens bis Sonntag auf mehreren Linien mit Ausfällen sowie Ersatzverkehr mit Bussen zu rechnen.

Betroffen davon sind auch die wichtigen Odeg-Linien OE36 (Frankfurt (O.)–Berlin-Schöneweide) sowie OE60 (Frankfurt (O.)–Berlin-Lichtenberg). So enden auf der OE36 die Züge aus Frankfurt (O.) in Königs Wusterhausen (Dahme-Spreewald). Für die Weiterfahrt nach Berlin müssen die Reisenden in Regionalexpresszüge der Deutschen Bahn (RE2) umsteigen.

Hintergrund der Einschränkungen ist eine Anordnung des Eisenbahn-Bundesamtes (EBA). Nach mehreren Bränden vor allem in Süddeutschland haben Experten der Aufsichtsbehörde den Abgasturbolader für den Dieselmotor der RegioShuttle als Gefahrenquelle ausgemacht. Erst am 17. Juni war ein Triebwagen der Prignitzer Eisenbahn in Nassenheide (Oberhavel) ausgebrannt.

Nach der EBA-Anordnung müssen bundesweit alle Eisenbahnen, die den von der Firma Stadler seit 1996 in Berlin-Pankow montierten RegioShuttle RS1 einsetzen, die Turbolader vor Erreichen einer Laufleistung von 360.000 Kilometern austauschen. Nach Angaben von Stadler sind knapp 400 Triebwagen in ganz Deutschland „erfolgreich im Einsatz“. Die Odeg, die erst in der Nacht zu Dienstag von der Anordnung erfuhr, habe „völlig korrekt reagiert“, betonte EBA-Sprecher Ralph Fischer. Eine ähnlich lautende Anordnung sei am 26. Juni schon an die Deutsche Bahn gegangen, die in Baden-Württemberg auf Nebenstrecken mit RegioShuttles fährt. In Berlin und Brandenburg habe die Bahn diese Fahrzeuge aber nicht im Einsatz, so ein Sprecher.

Odeg bekommt weitere Strecken

Unabhängig von den aktuellen Problemen könnte die Odeg bald deutlich stärker als bisher im regionalen Zugverkehr in Berlin und Brandenburg präsent sein. Das gemeinsame Tochterunternehmen der städtischen Hamburger Hochbahn und des privaten britischen Arriva-Konzerns kann 2012 gleich mehrere Regionalzugverbindungen, darunter die umsatzstarke Linie RE2 (Stendal–Berlin–Cottbus), von der Deutschen Bahn übernehmen. Das ist das Ergebnis der Ausschreibung des Netzes Stadtbahn, das insgesamt 16 Regionalbahnlinien in Berlin und Brandenburg umfasst. Nach einer Wettbewerbsklausel kann nicht ein Bewerber den Zuschlag für alle Linien bekommen.

Die Deutsche Bahn, die weiter den Regionalexpress RE1 (Magdeburg–Berlin–Eisenhüttenstadt) sowie den Flughafen-Zubringer vom Berliner Hauptbahnhof nach Schönefeld (RE9) fahren darf, will erst nach Ende der Widerspruchsfrist am 27. Juli bekannt geben, ob sie gegen das Ausschreibungsverfahren klagen wird.

Von den Einschränkungen sind betroffen:

OE35: bis auf weiteres Schienenersatzverkehr mit Bussen zwischen Fürstenwalde und Bad Saarow

OE36: Die LInie Berlin-Schöneweide - Frankfurt (Oder) verkehrt nicht zwischen Königs-Wusterhausen und Schöneweide

R3: bis auf weiteres Schienenersatzverkehr mit Bussen zwischen Parchim und Lübz.

Auswirkungen habe der Notfahrplan besonders auf Ostbrandenburg und Süd-Mecklenburg, nicht jedoch auf die Lausitz.

Genaue Informationen für Reisende gibt es unter der Hotline 030 – 514 88 88 88 .