Öffentlicher Nahverkehr

Notfahrplan - So verkehrt die Berliner S-Bahn

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Foto: ddp / ddp/DDP

Zwei Wochen nach Beginn des Chaos bei der Berliner S-Bahn stehen in dem Unternehmen in diesen Tagen wichtige Entscheidungen an. So verkehren die Züge nun nach einem sogenannten Basisfahrplan, Klaus Wowereit (SPD) traf Bahnchef Grube und das Eisenbahn-Bundesamt will erste Prüfergebnisse mitteilen.

Bei der S-Bahn wurde heute ein Notfallfahrplan in Kraft gesetzt, der zunächst bis Ende Juli gelten soll. Nach wie vor ist das Angebot stark eingeschränkt. Im Zwanzig-Minuten-Takt fahren die Züge mit weniger Wagen als sonst auf der S 2, S 25, S3 , S 46, S 5, S 75, S 8/47 und S9. Auf der S 1 gibt es nur zwischen Wannsee und Yorkstraße einen Zehn-Minuten-Takt. Während diese Linie zwischen Oranienburg und Potsdam fährt, fährt die S 7, die sonst Potsdam ansteuert, zwischen Ahrensfelde und Olympiastadion. Aufgrund von Bauarbeiten gibt es zwischen Messe Süd und Nikolassee Ersatzverkehr mit Bussen. Planmäßig fahren nur die Ringbahnen S 41/42.

Die S 45 (Hermannstraße-Schönefeld) und die S 85 fallen weiter aus. Dafür gibt es anstelle der S 45 von Südkreuz nach Schönefeld einen Schnellbusverkehr. Zwischen Potsdam und Ostbahnhof werden zusätzlich Regionalbahnen eingesetzt. Ebenso gibt es zusätzliche Regionalbahnen zwischen Nauen und Charlottenburg. Die Züge enden sonst in Spandau.

Die 100-prozentige Tochter des Bahnkonzerns kann noch bis in den Herbst hinein keinen normalen Zugverkehr mehr anbieten, weil viele Züge nicht einsatzbereit sind. Grund sind Sonderprüfungen und Auswechslungen an den Rädern von Zügen der wichtigsten Baureihe 481.

Treffen zwischen Wowereit und Bahnchef Grube

Bahnchef Rüdiger Grube hat der angeschlagenen Berliner S-Bahn umfassende Hilfe der Bahn zugesichert. „Die S-Bahn erhält von Seiten des Mutterkonzerns alle notwendige Unterstützung, um so schnell wie möglich zu einem normalen Verkehrsbetrieb zu gelangen“, sagte Grube laut Mitteilung nach einem Spitzentreffen mit dem Berliner Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit. Der SPD-Politiker forderte: „So schnell wie irgend möglich muss der reguläre Fahrplan wieder gelten und verlässlich eingehalten werden.“ Wowereit verlangte „nachhaltige Investitionen in Strecken, Service und Fahrzeugpark“.

Der Regierende Bürgermeister hatte vor dem Treffen erklärt, er erwarte von der Deutschen Bahn einen Kurswechsel in ihrer Geschäftspolitik. Die Probleme der Berliner S-Bahn seien auch eine Chance für Bahn, ihren Kurs neu zu bestimmen, sagte Wowereit am Sonntagabend in der rbb-Abendschau.

Die aktuellen Probleme der S-Bahn seien eigentlich unverständlich, sagte der Berliner Regierungschef. Denn das Unternehmen fahre große Gewinne ein. Doch Grubes Vorgänger Hartmut Mehdorn habe die Bahn für den geplanten Börsengang „schönrechnen“ wollen und zu große Gewinnabführungen veranlasst.

Ebenfalls am Vormittag traf sich nach Informationen von Morgenpost Online der Betriebsrat der S-Bahn zu einer außerordentlichen Sitzung.

Am Dienstag hat der Aufsichtsratsvorsitzende Hermann Graf von der Schulenburg zur Mitarbeiterversammlung in die Hauptwerkstatt Schöneweide geladen. Dort will die neue Geschäftsführung der S-Bahn ihre Pläne erläutern. Ebenfalls für Dienstag werden neue Ergebnisse des Anhörungsverfahrens und der Messfahrten durch das Eisenbahnbundesamt erwartet. Dann wird sich herausstellen, ob weitere Sicherheitschecks oder ein zusätzlicher Radwechsel an den Zügen der S-Bahn angeordnet werden.

Mit dem Start der Sommerferien fahren die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) nach dem Ferienfahrplan. Dann wird sich zeigen, ob reduzierte Angebote bei S-Bahn und BVG gleichzeitig zu verkraften sind.

( dpa/fal/sei )