Asthma und Hautreizungen

Eichenlaub-Raupe nervt Berlins Allergiker

Allergiker sind im Sommer in Berlin besonders geplagt. Zum einen beginnt bald die Hochsaison für die Pollen-Schleuder Ambrosia. Und zusätzlich wütet ein tierisches Pendant: die Eichenlaub-Raupe. Ihre Gifthaare lösen Asthma und Hautreizungen aus. Experten mahnen: Abstand zu befallenen Bäumen halten.

Foto: ddp

An immer mehr Eichen im Berliner Stadt- und Waldgebiet werden die Raupen des Eichenprozessionsspinners zum Problem: Die feinen, sich leicht ablösenden Gifthaare der Raupen können beim Menschen schmerzhafte Entzündungen und allergische Reaktionen hervorrufen. „Schwerpunkt ist weiterhin der Grunewald“, sagte der Sprecher des Landesforstamtes, Marc Franusch.

Aber nicht nur im Grunewald, sondern auch in Tegeler und Spandauer Waldflächen breite sich der Schädling aus. „Wir haben in diesem Jahr erstmals Warnschilder aufgestellt.“ Waldbesucher sollten diese Stellen nur mit langärmeliger Kleidung betreten, die Gespinstnester an den Eichenstämmen nicht berühren und nach einem möglichen Kontakt duschen und die Kleidung wechseln.

Befall steigt seit Jahren

Die Raupen finden sich normalerweise in Gruppen zusammen und spinnen sich miteinander zu einem Nest zusammen. Tagsüber ziehen sich die älteren Raupen zur Häutung in diese Gespinstnester zurück. Sind sie gehäutet, so gehen sie in Gruppen von bis zu 50 Tieren im „Gänsemarsch“ auf die Suche nach ihrem Futter, den Eichenblättern.

Die feinen Härchen der Raupen brechen leicht und bewegen sich mit dem Wind über weite Strecken fort. „Deshalb kann man sich auch nicht umfassend davor schützen“, sagt Franusch. Empfindliche Personen sollten besonders belastete Gebiete besser meiden.

Auch in Städten, an Alleen, in Parks und Schwimmbädern breiten sich die Raupen der gräulichen Falter aus. „Seit mehreren Jahren nimmt der Befall vom Südwesten der Stadt nach Nordosten hin zu“, sagt der Leiter des Pflanzenschutzamtes, Holger Schmitz. In Einzelfällen könne man die Nester mit Spezialsaugern von den Bäumen entfernen. „Auf keinen Fall sollten das Anwohner mit dem Staubsauger selber machen“, sagte Schmitz. Schutzkleidung sei erforderlich.

In anderen Teilen Deutschlands, vor allem im Süden, ist der Eichenprozessionsspinner seit Jahren verbreitet. An Berliner Straßen machen Eichen insgesamt etwa neun Prozent der Bäume aus. Die Bäume selbst sind durch den Falter, der in den Nachtstunden von August bis September fliegt, nicht in Gefahr.

Die Raupen schlüpfen im Mai, bilden dann ihre Gifthaare und spinnen sich gemeinsam am Stamm in Nester ein, die sie nachts zur Futtersuche verlassen. Selbst seit Jahren verlassene Nester sind noch mit den giftigen Härchen bestückt. Einen natürlichen Feind hat der Eichenprozessionsspinner nicht. Bislang können bei stärkerem Befall die betroffenen Flächen nur abgesperrt werden.

Kommen empfindliche Menschen mit den Härchen in Kontakt, können diese an Schleimhäuten und an allen frei liegenden Hautstellen allergische Reaktionen von juckenden Quaddeln bis hin zu starkem Husten und Asthma auslösen. Bei ersten Anzeichen sollte deshalb der Arzt aufgesucht werden.

Abflammen oder Absaugen

Auf wessen Privatgrundstück Eichen wachsen, sollte regelmäßig kontrollieren. Allerdings sollte – wenn die Raupen zu sehen sind – unbedingt ein Schädlingsbekämpfer zu Hilfe gezogen werden.

Bei der Bekämpfung der Raupen gibt es verschiedene Methoden, die allerdings fast alle noch in der Entwicklung sind: Als im Jahr 2005 eine Region in Baden-Württemberg besonders stark befallen war, besprühten Wissenschaftler eine 118 Hektar große Fläche vom Hubschrauber aus mit einer bestimmten Bakterien art. Diese Bakterien produzieren ein Gift, das für den Menschen ungefährlich, für die Raupen aber tödlich ist.

Andere Methoden sind das Abflammen der Gespinstnester oder das chemische Abkapseln der Nester und anschließende Absaugen mit speziellen Sauggeräten.