Neugestaltung

Schmuddelecken am Fernsehturm sollen verschwinden

Kaputte Gehwegplatten, demolierte Blumenbeete und abendliche Gelage jugendlicher Trinker: Ausgerechnet die Gegend um den Touristenmagneten Fernsehturm ist in den letzten Jahren sichtbar verkommen. Nun will der Bezirk Mitte etwas gegen das Schmuddelimage tun. Das Umfeld wird neu gestaltet.

Foto: Levin Monsigny

Mehr als 1,2 Millionen Besucher zieht es pro Jahr auf den Berliner Fernsehturm, weil sie in gut 200 Meter Höhe einen tollen Ausblick auf die Stadt bekommen können. Doch ausgerechnet das unmittelbare Umfeld dieses Berlin-Wahrzeichens präsentiert sich alles andere als hauptstadtwürdig. Kaputte Gehwegplatten, demolierte Blumenbeete oder Müllecken inmitten von wucherndem Gestrüpp bilden eine unansehnliche Kulisse etwa für regelmäßige abendliche Gelage jugendlicher Trinker.

Doch damit soll nun Schluss sein. Der Bezirk Mitte will dem Umfeld des inzwischen 40 Jahre alten höchsten Bauwerks Deutschlands sichtbar mehr Chic geben. Laut Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) haben die Bezirkspolitiker dem Projekt jetzt grünes Licht gegeben. Auch das Geld steht inzwischen dafür bereit: 500.000 Euro aus dem Platz-Programm der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung.

Die Pläne des vom Bezirk beauftragte Büros Levin Monsigny Landschaftsarchitekten sehen indes keine völlige Neugestaltung, sondern eine „am Bestand orientierte behutsame Aufwertung“ des 18.000 Quadratmeter großen Areals zwischen Liebknechtstraße und Rathauspassagen sowie den Tramgleisen vor dem Bahnhof Alexanderplatz und den Wasserkaskaden südwestlich des Turms vor. „Wir wollen, dass die einstige Helligkeit und Luftigkeit dorthin zurückkehrt“, sagt Rob Grotewal, Projektmanager von Levin Monsigny.

Pflaster soll kaugummiresistent sein

Dazu werden zum einen die beiden Vorplätze des Sockelbaus des Fernsehturms mit hellen Steinplatten neu gepflastert. Dabei will Grotewal ein Material finden und einsetzen, das sich besser als die Granitplatten am benachbarten Alexanderplatz von Kaugummiresten reinigen lässt. „So einen schwarzen Fleckenteppich wird es bei uns nicht geben“, verspricht Grotewal.

Ein neues Bild soll auch das Grün an den Seiten des Turmsockels abgeben. Das Gebüsch, das etwa die benachbarte Marienkirche fast zugewuchert hat, soll zurückgeschnitten, der üppige Baumbestand gelichtet werden. Ziel sei „das Freihalten von Durchblicken und Durchgängen“. Erhalten werden sollen indes die beiden frei stehenden Baumgruppen vor dem Haupteingang, da sie eine Art Torfunktion erfüllen. Gutachter haben aber festgestellt, dass der Bestand marode ist. Es sollen nun neue Bäume der gleichen Art gepflanzt werden.

Neu bepflanzt sollen auch die dreieckigen Hochbeete, die in verschiedenen Größen um den Turmsockel gruppiert sind. Sie erhalten jedoch neue Einfassungen aus hochwertigem Kunststein und einen „Sitzrand“ aus Holz. Bänke, die zum Verweilen einladen, sind auch vor den bereits sanierten Wasserkaskaden im Südwesten der Anlage geplant. Eine weitere Gestaltungsidee: eine Baumreihe aus 36 Linden parallel zur Karl-Liebknecht-Straße, die den Boulevard Unter den Linden optisch verlängert.

Doch es soll auch Neues geben: Auf der dem Bahnhof Alexanderplatz zugewandten Platzseite ist eine mit einem Kunststoffbelag befestigte Dreiecksfläche vorgesehen, die Kindern Platz zum Toben und Spielen geben soll. Neben dem Panoramahaus ist zudem ein kleiner Biergarten geplant. Im Gegenzug sollen die vielen kleinen Verkaufsbuden vom Platz ebenso verschwinden wie die Bauzäune an den frei schwebenden Flügeln des Fernsehturm-Sockelbaus. Wie das als Gefahr eingestufte Hinauflaufen auf die Betonstreben anders verhindert werden kann, weiß Gothe allerdings noch nicht. Der Baustadtrat will außerdem die oft wild durcheinander parkenden Autos von der Panoramastraße verbannen.

Beginnen sollen die Arbeiten im Herbst. Zunächst werden die alten, oft defekten Leuchten ersetzt. Ein neues Lichtkonzept solle dafür sorgen, dass das Umfeld des Fernsehturms „wieder aus dem Zwielicht herauskommt“, sagt Gothe. Die landschaftsgestalterischen Arbeiten beginnen im nächsten Frühjahr und sollen möglichst noch im Jahr 2010 abgeschlossen werden.