Molkenmarkt

Grüne Höfe sollen Berlins triste Mitte aufwerten

Der Molkenmarkt in Mitte lädt nicht gerade zum Verweilen ein. Achtspurig rauscht hier der Verkehr über die Freifläche zwischen Rotem Rathaus und Altem Stadthaus. Dabei liegen hier die Ursprünge der Stadt Berlin. Jetzt soll das Areal neu gestaltet werden. SPD und Linke haben sich schon auf ein Konzept geeinigt.

Foto: Senatsverwaltung stadtentwicklung / Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

Der Molkenmarkt ist ein unwirtlicher Platz. Einer Autobahn gleich erstrecken sich Mühlendamm und Grunerstraße über die riesige Freifläche zwischen Rotem Rathaus und Altem Stadthaus. Achtspurig, ein Asphalt-Monstrum. Menschen, eilen, hasten über die Straße, verweilen tut hier niemand. Dabei lag hier einst Berlins Gründungskern. Wo die Stadt ihren Anfang nahm, wo die hohen Stände ihren Sitz hatten und Händler ihre Waren anpriesen. Ein Ort kleiner hutzeliger Handwerkerhäuschen, der Kontore und „Buden“ des frühen Berliner Judentums. Die Bomben des Zweiten Weltkriegs und die Abrisswut der DDR-Moderne ließen davon nur wenig übrig.

Doch dies soll anders werden. Der Molkenmarkt, der heute nur ein Parkplatz vor dem Stadthaus ist, soll wieder ein Ort zum Wohlfühlen werden, ein Platz zum Verweilen, einer mit Lebensqualität. Nach monatelanger, teils heftiger Debatte haben sich Berlins Linke und die SPD auf die Gestaltung des sogenannten Klosterviertels geeinigt. Damit haben die Parteien einen Streit zwischen der SPD-geführten Bauverwaltung und den Stadtplanern der Linken beigelegt. Zwar war geplant, das Areal zu bebauen. Aber die Art und Weise der Bebauung vor dem Alten Stadthaus war zwischen SPD und der Linken umstritten. Das ist nun vorbei.

Wie diese Zeitung aus dem entsprechenden Koalitionsausschuss erfuhr, haben sich SPD und Linke auf folgende Eckpunkte geeinigt: Der heute noch freie Platz vor dem Stadthaus wird mit einem viereckigen Häuserblock bebaut (siehe Grafik). Um jedoch „einen prominenten Blick“ auf das Stadthaus freizuhalten, wird der Block so gestaltet, dass eine Sichtachse auf das Stadthaus frei bleibt. So wir man etwa von der Nikolaikirche aus künftig zumindest Turm und Mittelrisalit des Stadthauses sehen. Der Blick auf das Stadthaus in Verbindung mit einem „begrünten und qualifizierten“ Stadtplatz vor dem Haus war eine der Forderungen der Linken. Ihr baupolitischer Sprecher Thomas Flierl begrüßte die Einigung: „Das Stadthaus ist eines der prägenden Gebäude Berlins. Es zu verstellen, wäre ein Makel.“ Das 1908 bezogene Haus hat eine bewegte Geschichte. Es beherbergte nicht nur den Magistrat Berlins, sondern ab 1955 auch den Sitz des Ministerrates der DDR.

In anderen das Klosterviertel betreffenden Aspekten setzte sich die SPD durch. So soll das Quartier ab 2010 in kleinen Parzellen nach historischen Umrissen wieder aufgebaut werden. Wie berichtet, werden dabei der ehemalige Jüdenhof, der Französische Kirchhof sowie das Gymnasium Zum Grauen Kloster wieder errichtet. Höfe werden begrünt und durch „großzügige Wegebeziehungen für Fußgänger miteinander verknüpft“. Der Autoverkehr wird auf das „unbedingt erforderliche Maß“ beschränkt, um die „Aufenthaltsqualität“ in dem geplanten Stadtquartier zu erhöhen.

Laut Flierl einigte sich der Koalitionsauschuss auch auf Details am Spittelmarkt. Im Nordosten des heute kaum mehr erkennbaren Platzes sah das Planwerk des Senats einen riegelförmigen Bau zwischen dem Spreearm und dem U-Bahnausgang Spittelmarkt vor; er soll nun nicht mehr errichtet werden. „Auf dieser Seite wird der Spittelmarkt ein grün geprägter Platz bleiben“, sagt Flierl.

Auf der nordwestlichen Seite des Platzes ist dagegen noch ein weiteres Haus geplant, dessen „Umfang“ jedoch noch bestimmt wird. Seit 2006 entstanden dort bereits zwei neue Bürohäuser. Das nun zusätzlich geplante Haus soll westlich angrenzen. Wie der Verkehr künftig über die Gertraudenbrücke geführt werden soll, werde derzeit geprüft, ebenso wie eine Trasse für eine Straßenbahn frei gehalten wird.

Umstritten zwischen SPD und Linker bleibt die Gestaltung des Marx-Engels-Forums zwischen Fernsehturm und dem künftigen Museumsschloss. Während die SPD das Forum bebauen möchte, lehnt die Linke dies weiterhin ab. Das Planwerk des Senats gebe klar vor, dass das Forum ein „grün geprägter öffentlicher Stadtplatz sein soll“, sagt Flierl. Aber wie man am Beispiel des Platzes am Stadthaus sieht, bietet die Politik bei Kompromissen viel Raum für Interpretationen, etwa für einen Platz, den man sonst eher als Innenhof bezeichnet hätte. Am 10. Juli will die Bauverwaltung ihre Ideen zum Marx-Engels-Forum präsentieren.

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