Der Fall

Rottmann - Hauptakteur des kriminellen Geschehens

Treuhand: Die Treuhandanstalt, kurz auch Treuhand genannt, war eine Anstalt in der Bundesrepublik Deutschland, deren Aufgabe es war, die volkseigenen Betriebe der DDR nach den Grundsätzen der Marktwirtschaft zu privatisieren oder, wenn das nicht möglich war, stillzulegen und die „Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu sichern“. Aufgrund unterschiedlicher Probleme wurden jedoch viele Betriebe geschlossen. Im Umfeld der Privatisierung kam es – wie beim Verkauf des VEB Wärmeanlagenbau – es zu Fällen von Fördermittelmissbrauch und Wirtschaftskriminalität, was das Ansehen der Bundesanstalt beschädigte.

Ermittler: Die Zentrale Ermittlungsgruppe für Regierungs- und Vereinigungskriminalität (Zerv) war eine zwischen 1991 und 2000 existierende Berliner Polizeibehörde zur strafrechtlichen Aufarbeitung der SED- und DDR- Vergangenheit.

Die Zerv wurde am 1. September 1991 als kriminalpolizeiliche Dienststelle beim Berliner Polizeipräsidium gebildet und am 31. Dezember 2000 wieder aufgelöst. Sie bearbeitete 20327 Ermittlungsverfahren, von denen 16323 Regierungskriminalität und 4004 vereinigungsbedingter Wirtschaftskriminalität zugeordnet wurden. Für die Behörde arbeiteten 500 Bundes- und Landesbeamte sowie 200 Ermittler der Polizei.

Wärmeanlagenbau: Der später von Rottmann „verwaltete“ VEB Wärmeanlagenbau Deutsch-Sowjetische Freundschaft war in der DDR der führende Anlagenbauer von Heiz- und Wärmetechnik. Das Unternehmen war unter anderen für die Fernwärmeversorgung der Plattenbausiedlung Hellersdorf zuständig. Nach dem Fall der Mauer galt der zur Berliner Wärmeanlagenbau GmbH (WBB) umgewandelte Betrieb als aussichtsreiches Unternehmen für den Übergang in die Marktwirtschaft. Die Treuhand hatte das Unternehmen jedoch – offenbar nach absolut unzureichender Prüfung – für lediglich zwei Millionen Mark an eine Schweizer Firma verkauft. Der WBB war fortan eine Aktiengesellschaft und hieß jetzt Physical Chemical Engineering. 1994 wurde Konkurs angemeldet.

Strafprozesse: Die strafrechtliche Aufarbeitung der Geschäfte mit dem ehemaligen Berliner Wärmeanlagenbau GmbH (WBB) gestaltete sich bislang schwierig. Mutmaßliche Mittäter des geflohenen Unternehmers Michael Rottmann erhielten lediglich Strafen von zwei, drei und dreieinhalb Jahren Haft. Eine Richterin sprach im September 1999 in ihrer Urteilsbegründung von „Luftgeschäften“, in deren Konsequenz nach und nach viele Millionen Mark versickert seien. Zwei Jahre später wurde Rottmann in einem anderen Prozess vom Vorsitzenden Richter als Hauptakteur des kriminellen Geschehens beschrieben, der sich der deutschen Justiz aber leider entzogen habe.