Geschäftsführer gefeuert

Neuer S-Bahn-Chef - doch das Chaos geht weiter

Die Berliner S-Bahn hat einen neuen Chef: Die S-Bahn-Mutter Deutsche Bahn hat die komplette Geschäftsführung gefeuert, Peter Buchner soll das Unternehmen nun aus der Krise führen. Bislang aber bleibt es bei weniger Zügen, kürzeren Zügen und mehr Gedränge - dafür hat sich die S-Bahn immerhin offiziell entschuldigt. Aber wann das Chaos aufhört, dazu hat bislang auch der neue Chef nichts zu sagen.

Im S-Bahn-Verkehr in Berlin und Brandenburg hat es am Freitag erneut Einschränkungen gegeben. Hintergrund sind weiterhin Sicherheitsüberprüfungen an den Rädern der Züge. Auf vielen Strecken wird nur im 20-Minuten-Takt gefahren, wie aus den Hinweisen zur aktuellen Betriebssituation hervorgeht. Die Linien S45 und S85 verkehren nicht. Auf der Ringlinie 41/42 verkehren die Bahnen im regulären Takt. Die Bahn bittet die Fahrgäste – wenn möglich - parallel laufende Regionalexpresslinien oder die U-Bahn zu benutzen. Regelmäßig aktualisierte Informationen gibt es im Internet unter S-Bahn-Berlin.de

Immerhin eine Entschuldigung gibt es von der S-Bahn Berlin: "Für die ausfallenden Fahrten und die zeitweise Überfüllung unserer Züge möchten wir uns ausdrücklich entschuldigen", heißt es in einer Mitteilung der S-Bahn. "Wir werden alles mögliche tun, um Ihnen schnellstmöglich wieder eine Beförderungsqualität anbieten zu können, die Sie von uns erwarten." Aber wann es soweit sein könnte, bleibt bislang offen

Wegen des anhaltenden Chaos hatte die Deutsche Bahn die komplette vierköpfige Geschäftsführung der S-Bahn gefeuert - sie verlieren ihre Posten, bleiben aber im Unternehmen. Erst nach einer Klärung aller Ursachen soll über personalrechtliche Folgen entschieden werden, sagte der für Personenverkehr zuständige Bahn-Konzernvorstand Ulrich Homburg.

Zum neuen Chef der S-Bahn hat der Aufsichtsrat Peter Buchner berufen. Buchner war bislang Bereichsleiter Nordost der Bahn-Tochter DB Regio und damit verantwortlich für den Regionalverkehr in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Er löst den bisherigen Sprecher der Geschäftsführung, Tobias Heinemann (38), ab. Heinemann hatte den Posten als S-Bahn-Chef im Mai 2007 übernommen. Zusammen mit ihm traten Thomas Prechtl (Finanzen), Olaf Hagenauer (Personal) und Peter Büsing (Technik) zurück. Büsing war erst vor einem Monat als Geschäftsführer berufen worden.

Bereits seit Anfang Juni ist der Verkehr bei der Berliner S-Bahn eingeschränkt. Akut verschärft hat sich die Situation zu Wochenbeginn. Auf Weisung des Eisenbahn-Bundesamts musste die S-Bahn 190 Viertelzüge – und damit rund ein Drittel ihres Wagenbestands – aus dem Verkehr nehmen, weil sie Fristen für die Sicherheitsüberprüfung der Räder nicht einhielt. Folgen der Anordnung der Aufsichtsbehörde sind der Ausfall ganzer Linien, Verspätungen und massive Einschränkungen im gesamten S-Bahn-Verkehr.

Wann der Verkehr wieder normal läuft, konnte Homburg noch nicht sagen. Man müsse der neuen Geschäftsführung die nötige Zeit für eine Analyse lassen. In der nächsten Woche soll aber zumindest ein Zeitplan für die Rückkehr zum Fahrplan stehen. Allerdings müssen sich die Berliner erst einmal auf noch mehr Einschränkungen einstellen. Die S-Bahn will die technischen Probleme so schnell wie möglich beheben und schickt deshalb noch mehr Züge in die Werkstätten. Immerhin soll auch die BVG um Zusatzangebote gebeten werden. Zudem kündigte Homburg auch Entschädigungen für die Fahrgäste an.

Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) bezeichnete den Personalwechsel als unzureichend. Damit die Leistung wieder stimme, müsse auch ein inhaltlicher Wechsel stattfinden und die Qualität wieder in den Vordergrund rücken, sagte VBB-Chef Hans-Werner Franz.