Kommentar

Eine neue Führung allein reicht nicht

Die Deutsche Bahn hat mit einem Schlag die gesamte Geschäftsführung der S-Bahn ausgetauscht. Ein in der mehr als 80-jährigen Geschichte des Unternehmens einmaliger Vorgang. Thomas Fülling über die hausgemachte Krise der S-Bahn.

Dennoch ein überfälliger Schritt. Denn nicht erst seit einigen Tagen, sondern schon seit Monaten leiden die Fahrgäste unter Zugausfällen, Verspätungen und schlechtem Service. Wieder und wieder versprach S-Bahn-Chef Tobias Heinemann, Abhilfe zu schaffen. Doch statt besser wurde das Angebot immer schlechter.

Das Fass zum Überlaufen brachten jedoch die Kontrollen des Eisenbahn-Bundesamtes zum Wochenbeginn. Die Aufsichtsbehörde musste feststellen, dass die S-Bahn Sicherheitschecks an Rädern und Achsen nicht ausführte. Wie gefährlich der Bruch eines Rades sein kann, wissen wir seit der ICE-Katastrophe von Eschede. Bereits der Verdacht, dass Sicherheitsstandards nicht so genau genommen werden, erschüttert das Vertrauen der Fahrgäste.

Doch der personelle Neubeginn bei der S-Bahn kann nur ein erster Schritt sein. Dringend notwendig ist eine Korrektur der Unternehmensstrategie. Diese darf nicht einseitig auf jährlich steigende Gewinnabführungen in zweistelliger Millionenhöhe an den Mutterkonzern ausgerichtet sein. Die Steuerzahler und die Fahrgäste, die das Unternehmen finanzieren, haben einen Anspruch auf ein kundenorientiertes Unternehmen.

Das heißt vor allem, dass die Züge nach einem stabilen und zuverlässigen Plan fahren. Dazu gehört auch, dass kaputte Türen und defekte Rolltreppen nicht erst nach Tagen oder gar Wochen repariert werden. Fahrgäste haben zudem Anspruch auf eine schnellere und bessere Information im Zug und auf den Bahnhöfen. Ohne Investitionen in Technik und Personal wird das kaum gelingen.