Bauprojekt

Am Spittelmarkt entsteht ein neues Hotel

Startschuss für das "Motel One". Auf der Fläche des ehemaligen Ebbinghaus-Gebäudes am Berliner Spittelmarkt beginnen die Bauarbeiten. Dabei sollte der Neubau längst stehen. Und auch die Verlängerung der Axel-Springer-Straße verzögert sich.

Foto: wip (willmeroth projektentwicklu / wip

Noch pfeift der Wind ungehindert über die große Baugrube am Spittelmarkt. Doch in den nächsten Tagen beginnt sich dies zu ändern. Das Projekt "Motel One" hat sich wegen einer Reihe von Widersprüchen verzögert. Der Rohbau sollte ursprünglich bereits Ende 2009 auf der Fläche des ehemaligen Ebbinghaus-Gebäudes stehen. Nun wird das Haus erst im Dezember 2010 fertig.

Auch die Verlängerung der Axel-Springer-Straße, die neben dem Neubau verlaufen wird, kommt später als angekündigt. Voraussichtlich erst 2011 werden Kraftfahrer den kurzen Weg zwischen Kreuzberg und Mitte nehmen können. Bisher müssen sie einen Umweg fahren, zum Beispiel über Krausen- und Jerusalemer Straße.

Das Hotel-Projekt hat am 1. Juli 2009 den Besitzer gewechselt. Die Willmeroth Projektentwicklungsgesellschaft (WIP) hat das Vorhaben an die Gesellschaft für Beteiligungen und Immobilien-Projektentwickung mbH (GBI) verkauft. Die GBI will 20 Millionen Euro in das Vorhaben investieren. Die Deutsche Hypo, eine Tochter der Nord-LB, finanziert das Projekt.

Wo zuvor der DDR-Flachbau stand, in dem zuletzt das Modehaus Ebbinghaus residierte, entsteht ein Zwei-Sterne-Hotel mit zehn Stockwerken. Die Adresse ist Leipziger Straße 50. Betreiber soll die Kette „Motel One“ werden. „Motel One“ am Spittelmarkt wird 304 Zimmer haben, eine Bistro-Lounge und eine Bar. Eine Geschossfläche von fast 9000 Quadratmetern entsteht. Die Tiefgarage wird 37 Stellplätze haben. Bewohner des benachbarten Hochhauses Leipziger Straße 48/49 befürchten, dass das 30 Meter hohe Hotel Schatten auf ihre Wohnungen werfen wird. Eine Überflug- und Schattensimulation der L 50 Projektgesellschaft Leipziger Straße soll das widerlegen ( www.leipziger50.de ).

Nachfrage übersteigt Angebot

„Motel One ist das einzige Produkt in der Hotelbranche, das derzeit gut angenommen wird“, sagt Reiner Nittka, Vorstand des Hotelentwicklers GBI. Nicht nur von Touristen, sondern auch von Firmen, die ganze Kontingente für die Geschäftsreisen ihrer Mitarbeiter buchen. Die Zimmer sind 18 bis 20 Quadratmeter groß. „Es sind Fertigzellen“, sagt Nittka. Flachbildschirme seien Standardausrüstung. Der Zimmerpreis liege zwischen 59 und 69 Euro. Die GBI hat bereits mehrere Motel-One-Bauten in Deutschland errichtet und baut gerade ein neues Haus in Dresden. „Wir haben mehr Nachfrage, als wir befriedigen können.“

Die Objekte sind als Geldanlage begehrt. „Motel One ist ein Superprodukt“, sagt Nittka. Die Auslastung sei hoch, sie liege zum Beispiel im Hotel an der Kantstraße bei 80 bis 90 Prozent. Das Haus am Spittelmarkt werde „zwischen Rohbau und Fertigstellung“ an einen Fonds oder eine Versicherungsgesellschaft weiter veräußert, kündigt Nittka an.

Neben dem Hotelneubau wird die Axel-Springer-Straße bis zur Leipziger Straße verlängert. Die Ost-West-Verbindung ist seit langem geplant, doch der Ebbinghaus-Flachbau verhinderte das Vorhaben. Der Baubeginn soll im Frühjahr 2010 sein. Zunächst werde im Herbst 2009 der Planfeststellungsbeschluss erwartet, sagt Marko Rosteck, Sprecher der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Die 300 Meter lange Strecke von Schützen- bis Leipziger Straße wird etwa vier Millionen Euro kosten. Pro Richtung sind zwei Fahrspuren, ein Gehweg von sieben bis acht Metern Breite, ein Radstreifen und Stellplätze geplant. Auf beiden Seiten werden Bäume gepflanzt. Prognosen zufolge werden täglich mehr als 39000 Fahrzeuge über die verlängerte Axel-Springer-Straße rollen.

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