Car-Napping

Diebe jagen Berlinerin mit Reizgas aus ihrem Auto

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Axel Lier

Ein besonders dreister Autodiebstahl hat sich am Mittwochabend in Berlin ereignet: Eine Frau wartete vor einer Tiefgarage, in die sie ihr Auto fahren wollte. Plötzlich kamen zwei Männer auf sie zu, sprühten ihr Reizgas ins Gesicht und zerrten sie aus dem Wagen.

Erneut muss sich die Berliner Polizei mit einem Fall von Car-Napping – einer Auto-Entführung – beschäftigen. Zwei unbekannte Täter haben am Mittwochabend in Mitte eine 50-jährige Frau überfallen und ihren Luxuswagen gestohlen. Die Frau war gerade dabei, in eine Tiefgarage einzufahren, als sie von zwei Männern angesprochen wurde, die sie mit Reizgas besprühten und brutal aus ihrem Auto zerrten. Die Täter konnten unerkannt flüchten.

Gegen 17.50 Uhr lenkte Dagmar R. ihren BMW der 5er-Baureihe in Richtung Tiefgarage in der Borsigstraße 26. Als sie einfahren wollte, ging das Tor automatisch auf und ein anderes Auto fuhr langsam hinaus. Dagmar R. stoppte deshalb ihren Wagen in der zweiten Reihe und telefonierte mit einem Bekannten.

„Während des Haltens vor der Einfahrt wurde sie von zwei Männern angesprochen und sofort mit Reizgas besprüht“, sagte ein Polizeisprecher. Beide Täter hatten sich, so erinnert sich das Opfer, ihrem BMW von der Fahrerseite aus genähert.

Die 50-Jährige spürte plötzlich einen brennenden Schmerz in den Augen. Nach der Attacke saß Dagmar R. mit ihren Händen vor dem Gesicht wie gelähmt im Wagen, bevor sie wenige Sekunden später laut um Hilfe rief. Ihre Schreie hörte auch ihr Bekannter am Telefon. Der Zeuge meldete sich über Notruf bei der Polizei. Zwischenzeitlich hatten die beiden Unbekannten das Opfer abgeschnallt und aus dem BMW gezerrt. Mit dem Auto flüchteten sie in Richtung Tieckstraße. Wenig später trafen vor der Tiefgarageneinfahrt Polizei und Rettungssanitäter ein. Ein Polizeisprecher: „Die 50-Jährige klagte über Augenreizungen und Übelkeit.“ Die Helfer transportieren die 50-Jährige in das Bundeswehrkrankenhaus. Dort wurde sie ambulant behandelt.

Die Kriminalpolizei der Direktion 3 hat die Ermittlungen übernommen. Nach ersten Erkenntnissen soll es sich bei einem der Täter um einen etwa 20 Jahre alten Mann handeln, der etwa 1,65 Meter groß ist. Der zweite Täter soll 1,80 groß sein.

Meist sind Frauen die Opfer

Car-Napping ist in Berlin keine Seltenheit: Ein ähnlicher Fall hatte sich vor knapp einem Monat in Neukölln ereignet. Am 10. Januar hatte ein Unbekannter in der Johannisthaler Chaussee eine Mutter (48) und ihren 12-jährigen Sohn mit einem Messer bedroht, als sie mit ihrem Mercedes gerade an einer Supermarktausfahrt hielt. Der Täter setzte sich auf die Rückbank und zwang die Fahrerin, zur Bank zu fahren. Dort sollte sie Geld abholen. Der Mutter gelang es, die Polizei zu alarmieren; der Täter flüchtete.

Der aktuelle Car-Napping-Fall aus Mitte zeigt zudem Parallelen zu einem Autoraub in Kreuzberg im Dezember 2005. Damals schlugen ebenfalls zwei Täter vor einer Tiefgarage in der Methfesselstraße in Kreuzberg zu. Als Bianca H. gegen 19.05 Uhr ihre Parkkarte in den Automaten schob, wurde plötzlich die Fahrertür ihres Mercedes ML 270 (Wert ca. 60.000 Euro) aufgerissen. Ein etwa 1,80 Meter großer Mann mit schwarzer Mütze schlug sie mit dem Kopf auf das Lenkrad und öffnete mit der anderen den Sicherheitsgurt. Dann zerrte er die Frau aus dem Auto. Ein zweiter Räuber in dunkelgrüner Bomberjacke (etwa 1,70 m, braune Fellmütze) sprang auf den Beifahrersitz. Beide flüchteten mit Vollgas in Richtung Dudenstraße.

Im März raubten zwei Unbekannte in Wilmersdorf den Mercedes 500 eines Rechtsanwalts vor seinem Haus an der Humboldtstraße. Drei Wochen zuvor wurde eine 57-jährige Frau aus Lichtenrade vor der Einfahrt ihres Grundstücks von zwei Tätern gewaltsam aus ihrem BMW gezerrt. Anfang Januar 2006 überfielen zwei unbekannte Männer in Kreuzberg eine 38-jährige Frau, als sie mit ihrem Mercedes in die Tiefgarage ihres Wohnhauses fahren wollte. Die Ermittler gehen davon aus, dass es sich bei den Tätern zumeist um Osteuropäer handeln könnte.