Kommentar

Kontrolleure haben versagt

Isabell Jürgens über den absehbaren Streit ums Schloss

Das Vorhaben, ein modernes Weltkultur-Forum in einer wieder aufgebauten Hohenzollern-Residenz unterzubringen, hatte von Anfang an erbitterte Gegner. Das Bundesbauministerium hätte also gewarnt sein müssen, dass wirklich unter jeden Stein geguckt wird. Nun soll also der siegreiche Architekt des Schloss-Wettbewerbs gleich zwei Teilnahmebedingungen nicht erfüllt haben, behaupten zwei Magazine. Auch wenn sie nur Indizien nennen und letztgültige Beweise schuldig bleiben, muss sich das Ministerium den Vorwurf gefallen lassen, bei einem der wichtigsten und teuersten Bauvorhaben des Bundes nicht richtig hingeschaut zu haben. Lediglich darauf zu vertrauen, dass Architekten bei der angeforderten Selbstauskunft die Wahrheit schreiben, ist angesichts einer Bausumme von einer halben Milliarde Euro nicht nur naiv, sondern fahrlässig. Kritiker – darunter sicherlich auch viele Architekten, die dem Italiener Franco Stella den Auftrag schlicht neiden – fordern nun sogar, dass der Wettbewerb wiederholt werden müsse, sollten sich die Vorwürfe bestätigen. Wenn das Ministerium das nationale Prestigeprojekt vor weiterem Schaden schützen will, sollte es die versäumte Prüfung schleunigst nachholen. Ein aus Steuermitteln finanziertes Schloss wird nur dann von allen akzeptiert werden, wenn die Vergabekriterien transparent gemacht werden.