Grünanlagen

Sechs Gebote – ein Knigge für Berliner Parks

Grillen, Radfahren, Ballspielen - all das wollen viele Berliner in der Sonne im Park. Doch genau diese Freizeitvergnügen sind oft verboten. Morgenpost Online bietet einen Überblick.

Foto: Christian Kielmann

Die Sonne scheint, die Menschen zieht es nach draußen und im Tempelhofer Park herrscht vergnügte Sommerstimmung. Inlineskater surren über den Asphalt und Lenkdrachen durch die Luft, Mädchen fahren mit pinken Fahrrädern um die Wette und auf den Grills brutzeln Würstchen und Steaks. Doch was hier, in Berlins jüngstem und größten Park, ausdrücklich erwünscht ist, wäre an anderer Stelle in der Stadt ein klarer Verstoß gegen das „Gesetz zum Schutz, zur Pflege und zur Entwicklung der öffentlichen Grün- und Erholungsanlagen“. Vieles, was Spaß macht, ist demnach offiziell verboten und kostet, wenn man erwischt wird, zwischen 10 und 5000 Euro. Für alle, die dem entgehen wollen, hier die wichtigsten Benimm-Regeln.

Grillen und Picknick

Was das Grillen in der bekanntesten Grünanlage der Stadt angeht, sind die Berliner vergleichsweise verwöhnt. Während eine Grillparty im Münchener Englischen Garten undenkbar wäre, steigen aus einem Teil des Großen Tiergartens ganz legal die Rauchschwaden auf; Ausnahme: Zum Schutz der Besucher der angrenzenden Fanmeile gilt bis zum Ende der Fußball-WM am 16. Juli ein Grillverbot. Doch leider würdigen viele Berliner die große Grill-Freiheit nicht. Sie hinterlassen Brandlöcher im Rasen, zertrampelte Hecken und vor allem: jede Menge Müll. An jedem der rund 24 schönen Wochenenden im Jahr müssen für rund 8000 Euro sechs Tonnen Grill-Müll aus dem Großen Tiergarten eingesammelt werden. 2009 waren es insgesamt 160 Tonnen. Im vergangenen Jahr wurde deshalb bereits in der Bezirksversammlung über ein generelles Grillverbot abgestimmt. Das bekam zwar keine Mehrheit, aber damit auch in einigen Jahren noch im Schatten der hohen Bäume, die einst der berühmte Gartenarchitekt Peter Joseph Lenné pflanzen ließ, die Steaks gar werden können, braucht der Tiergarten eine gewisse Ordnung: Generell ist das Grillen auf dem 30 Hektar großen gekennzeichneten Grillareal zwischen Spreeweg, Querallee, John-Foster-Dulles-Allee und Straße des 17. Juni erlaubt. Der Grill soll ein ‚handelsübliches Gerät’ sein, Eigenbauten aus Ofenrost und Blechplatten sind nicht gestattet. Mindestens 30 Zentimeter Bodenabstand gilt es zudem einzuhalten, damit der Rasen geschont wird. Kohle oder Holz direkt auf dem Boden anzünden? Verboten. Spieße für die Marshmallows sollte man auch nicht aus abgerissenen Zweigen schnitzen, sondern im Baumarkt kaufen. Und den Hammel oder das Spanferkel vor dem Grillen vom Metzger in kleine Portionen zerteilen lassen. Strafen bei Verstößen gegen diese Regeln bewegen sich zwischen 20 und 5000 Euro. Aber vor allem: Schon zu Hause eine Mülltüte einpacken, in die zum Schluss der ganze Abfall kommt! Bereits seit April stehen rund um das Grillareal im Tiergarten zusätzliche Container bereit, um diese Hinterlassenschaften aufzunehmen.

Diese einfachen Regeln gelten auch für alle anderen öffentlichen Grillplätze Berlins, 17 sind es insgesamt. In Mitte zählt nur der Monbijoupark dazu, in Pankow der Mauerpark an der Ostseite der Max-Schmeling-Halle. Wer aus alter Gewohnheit noch am Falkplatz in Prenzlauer Berg grillt, riskiert dagegen Ärger. Seit 1. September 2009 stehen dort Verbotsschilder, weil die Rauchschwaden den Anwohnern bis spät in die Nacht in die Wohnungen zogen. Mittlerweile kontrolliert auch die Polizei am Falkplatz und verteilt Platzverweise.

Die meisten Grillplätze hat Friedrichshain-Kreuzberg. Ausgewiesene Flächen sind im Volkspark Friedrichshain am kleinen Bunkerberg, im Görlitzer Park am Eingang Cuvrystraße und am Blücherplatz in Kreuzberg. In Tempelhof-Schöneberg gibt es seit dem 8. Mai die Grillareale auf dem Tempelhofer Feld in der Nähe der Eingänge Columbiadamm und Leinestraße. Treptow-Köpenick hat eine Grillfläche im Treptower Park gegenüber der Insel der Jugend. Am übrigen Spreeufer grillt man illegal und muss mit einem Bußgeld von 50 Euro rechnen. In Lichtenberg gibt es im Fennpfuhlpark und im Rudolf-Seiffert-Grünzug in der Nähe der S-Bahn Storkower Straße Grillflächen.

Im Westen der Stadt darf im Wilmersdorfer Preußenpark an der Württembergischen Straße und im südlichen Zehlendorf in der Grünanlage Ludwigsfelder Straße Ecke Neuruppiner Straße gegrillt werden. In allen nicht genannten Parks der Bezirke und der zwei anderen Berliner Parkbetreiber – die GrünBerlin GmbH ist neben dem Tempelhofer Park auch für die Gärten der Welt in Marzahn und den Britzer Garten zuständig, die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten verwaltet auch den Schlosspark Charlottenburg – ist das Grillen generell untersagt. Die sicherere Alternative ist ein Picknick ohne Grill. Das ist in den meisten Bezirken generell überall dort akzeptiert, wo man auch liegen darf. Nur in Mitte müssen sich Picknicker in Acht nehmen. Hier darf nur gegessen werden, wo auch Grillen erlaubt ist.

Ballspielen und Frisbee

Zurück zum Falkplatz in Prenzlauer Berg. An allen Zugängen stehen hier große gelb-weiße Hinweisschilder, die nicht nur Grillen und Fahrradfahren, sondern auch das Fußballspielen verbieten. Trotzdem steht hinter der nächsten Hecke ein Männer-Trio mit nackten Oberkörpern und spielt sich in hohem Bogen gegenseitig einen Ball zu. Der ist kleiner als ein normaler Fußball, aber trotzdem aus Leder. Erlaubt? Verboten? „Damit haben wir kein Problem“, sagt Andreas Schütze, der beim Bezirksamt Pankow für die Grünflächen zuständig ist. „Es geht uns nur darum, dass keine Freizeitturniere ausgetragen werden und deswegen niemand mehr auf der Wiese liegen kann.“

In vielen anderen Bezirken geht man mit Fußballspielern rigoroser um. Denn generell fällt Kicken in die Kategorie jener intensiv ausgeübten Freizeitbeschäftigungen, die „erfahrungsgemäß andere in ihrer Erholung stören und verunsichern.“ So formuliert es das Referat für Freiraumplanung und Stadtgrün der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Deswegen ist Ballspielen laut Grünanlagengesetz in den Berliner Parks generell verboten und wird mit Strafen von bis zu 50 Euro geahndet. „Fußballspielen ist eine ganz intensive Sportart, durch die die Grasnarbe geschädigt wird“, ergänzt Elke Huber vom Bezirksamt Spandau. Ausnahmsweise gebolzt werden darf nur auf Wiesen, an denen ein Schild es ausdrücklich erlaubt. In Pankow gilt das für den Mauerpark, in Mitte befindet sich die einzig legale Fußballwiese im Weddinger Goethepark, in Spandau darf im Spekte-Grünzug gekickt werden. In Neukölln und Charlottenburg-Wilmersdorf gibt es keine Ausnahmen, denn „Fußballspielen ist überhaupt nicht erwünscht“, so der zuständige Neuköllner Stadtrat Thomas Blesing (SPD).

Also gilt es, sich an die in allen Bezirken ausreichend vorhandenen Bolzplätze zu halten. Die liegen, beispielsweise in den Volksparks Friedrichshain und Wilmersdorf, sowieso mitten im Grünen. Oder man steigt gleich vom Runden auf das Flache um und spielt Frisbee. Das fällt nämlich nicht unter das Verbot von „Wurf- und Schießgeräten“ und ist in allen städtischen Parks ausdrücklich erlaubt.

Hunde und Halter

Naturgemäß kümmern sich die Berliner Hunde nicht um die Parkordnung. Zu groß ist die Verlockung, durchs Gras zu jagen, oder ihr Geschäft unter einen Parkbaum zu setzen. Hier müssen die Halter Haltung beweisen und ihre Lieblinge an die Leine legen. Frei herumlaufen dürfen die Vierbeiner nur in sogenannten „Hundeauslaufgebieten“ – aus Rücksicht auf jene Parkbesucher, die noch sehr jung sind oder Angst haben. Hundewiesen gibt es unter anderem in den Volksparks Friedrichshain, Humboldthain, Rehberge, Jungfernheide und Wilmersdorf. Überall sonst kosten tobende Hunde zwischen 35 und 100 Euro Bußgeld.

Einen schlimmen Verstoß begehen jene Hundebesitzer, die Parks für Freiluftklos halten. Auch wenn das Ordnungsamt hier oft das nachsehen hat, weil die Beamten den Hund auf „frischer Tat“ ertappen müssten, um dem Halter ein Knöllchen in Höhe von 35 oder sogar 75 Euro auszustellen: Parks sind Erholungsräume. Zuerst für den Mensch – dann fürs Tier.

Radfahren

Wie streng die Parkordnung auch mit Radfahrern umgeht, dürfte so manchen Berliner überraschen. Denn: Das Grünanlagengesetz verbietet Radfahren grundsätzlich in allen Parks. Wenn es auf manchen Wegen doch erlaubt ist, wird das durch Schilder angezeigt. „Aber auch dann haben Spaziergänger Vorrang. Wer es auf dem Rad eilig hat, sollte auf den Straßen bleiben“, rät Elke Huber vom Bezirksamt Spandau.

Wer sich nicht an die Regeln hält, dem kann es gehen wie Ricardo Tarli aus Wilmersdorf. Er kassierte im Preußen Park ein 20-Euro-Radfahr-Knöllchen, obwohl der Park am Abend beinahe menschenleer war. Wenn man sich diesen Ärger ersparen will, befolgt man besser zähneknirschend folgendes Sprichwort: Wer sein Fahrrad liebt, der schiebt.

Karaoke und Techno

Jeder Berlin-Reiseführer, dessen Leserschaft unter 35 Jahre alt ist, preist das sonntägliche Open-Air-Karaoke im Atrium des Mauerparks an. Ab 14 Uhr trällern beim Bearpit-Karaoke Mutige vor Dutzenden Zuschauern – und das ganze ganz legal. Denn die Veranstalter haben eine Sondergenehmigung des Bezirksamtes Pankow. „Wir sind da etwas großzügiger als andere Bezirksämter, denn der Mauerpark ist nun mal bekannt dafür, dass dort viel los ist“, erklärt Umweltamtsleiter Andreas Schütze. Ohne diese Genehmigung würde das Bearpit-Karaoke garantiert unter Paragraf 6 des Grünanlagengesetzes fallen, der verbietet, „Lärm zu verursachen, der andere Anlagenbesucher unzumutbar stört“. Dementsprechend stören Gitarrespieler und Trommler eher wenig.

Nächtliche Techno-Parties, wie sie derzeit häufiger in der Neuköllner Hasenheide gefeiert werden, sind allerdings verboten. In Neukölln beschränkt sich die Polizei bislang auf Platzverweise, doch grundsätzlich werden für renitente Lärmverursachen Bußgelder ab 50 Euro fällig. Außerdem werden die Kosten der Abfallbeseitigung nach illegale Parties den Feiernden in Rechnung gestellt.

Sonnenbad oben ohne

Zu guter Letzt noch ein Hinweis an alle Berlinerinnen, die nicht die Möglichkeit haben, sich auf dem eigenen Balkon ohne Bikini-Oberteil in die Sonne zu legen. Gegen Oben-ohne-Bräunen im Park gibt es keine rechtliche Handhabe – außer man stört damit andere Parkbesucher damit „unzumutbar“.