Humboldt-Forum

Schloss-Architekt Stella soll geschummelt haben

Das Humboldt-Forum in Gestalt des Berliner Schlosses ist ein Jahr vor Beginn der Bauarbeiten ins Zwielicht geraten. Nach Medienberichten soll sich der Wettbewerbssieger Franco Stella die Teilnahme an der Ausschreibung durch falsche Angaben erschlichen haben. Sein Anwalt widerspricht.

Hat der italienische Architekt Franco Stella, als er sich am Wettbewerb um den Bau des Humboldt-Forums in Gestalt des Berliner Schlosses beteiligte, falsche Angaben gemacht? Das zumindest behaupten, gut ein halbes Jahr nach dem Wettbewerbsentscheid, bei dem Stellas Entwurf als Sieger gekürt wurde, die Kunstzeitschrift „art“ und das Stadtmagazin „Zitty“. Demnach soll der Italiener Bedingungen der Ausschreibungen nicht wahrheitsgemäß beantwortet und sich somit die Teilnahme am Wettbewerb quasi erschlichen haben.

Laut Auslobungstext musste eine Bürogröße von mindestens vier fest angestellten Architekten oder ein Jahresumsatz von mindestens 300.000 Euro sowie ein Projekt mit Gesamtbaukosten in Höhe von mindestens fünf Millionen Euro nachgewiesen werden. Diese Angaben mussten die teilnehmenden Architekten auf einem beigelegten Formblatt ausfüllen und durch eine Unterschrift bestätigen. Nach Angaben der Magazine hätten Recherchen ergeben, dass bei Stella weder der Jahresumsatz noch die Mitarbeiteranzahl die Mindestanforderungen erfüllt hätten. Der Italiener, so die Schlussfolgerung, hätte am Wettbewerb also gar nicht teilnehmen dürfen. Kritiker forderten deshalb, den Wettbewerb zu wiederholen.

„Die Darstellung ist schlicht falsch“, so Stellas Anwalt, Michael Pietzcker. „Franco Stella hat alle Angaben wahrheitsgemäß entsprechend den Anforderungen der Ausschreibung gemacht.“ So sei es zwar richtig, dass der Jahresumsatz im Durchschnitt der Jahre 2004 bis 2006 unter 300.000 Euro gelegen habe. „Etwas anderes hat Stella auch gar nicht behauptet“, so Pietzcker. Doch habe die Anzahl der beschäftigten Architekten im Büro aus mindestens vier bestanden. Die Magazine behaupten dagegen, Stella hätte in diesen Jahren lediglich einen Mitarbeiter gehabt. Sein Anwalt: „Die von Herrn Stella seinerzeit gemachten Angaben haben wir nochmals zusammen mit ihm überprüft. Sie sind richtig.“

Bereits unmittelbar nach der Bekanntgabe des Wettbewerbssiegers im November 2008 gab es Bedenken, dass der nahezu unbekannte Mann aus Vicenza mit der Aufgabe, den wichtigsten Kulturbau Deutschlands seit dem Mauerfall zu bauen, heillos überfordert wäre. Doch schnell präsentierte der Architekturprofessor mit den deutschen Planungsbüros von Hilmer & Sattler und Albrecht (hsa) sowie von Gerkan, Marg und Partner (gmp) eine Planungsgemeinschaft, der man den Bau des 480-Millionen-Euro-Projektes durchaus zutrauen kann. Während hsa für die Entwurfsplanung zuständig sein soll, übernimmt gmp die Ausführungsplanung. Erst in der vergangenen Woche hatte Stella den Architektenvertrag zum Bau des Humboldt-Forums mit der Bundesbauverwaltung unterschrieben.

Ungereimtheiten klären

„Ich bin überzeugt, dass Stella sämtliche Kriterien des Wettbewerbs erfüllt hat“, betont der Präsident der Berliner Architektenkammer, Klaus Meier-Hartmann. Auch, dass sich kleine Büros nach einem gewonnenen Wettbewerb große Partner suchen, sei ein normaler Vorgang. „Es gibt nur ganz wenige Büros, die so ein gigantisches Projekt alleine stemmen können“, so Meier-Hartmann. Ausdrücklich begrüßt er deshalb, dass nicht nur die wenigen bekannten Großbüros zum Wettbewerb zugelassen wurden. Dennoch zeige die aktuelle Diskussion, dass „offenbar immer wieder – vermeintliche oder tatsächliche – Ungereimtheiten auftauchen“, so der Kammerpräsident. „Es wäre Aufgabe des Auslobers, da Klarheit zu schaffen.“ Die Debatte um den Wettbewerb schade nicht nur dem Schloss, sondern dem Wettbewerbswesen insgesamt.

„Wettbewerbsteilnehmern vertraut“

Doch vonseiten der Auslober des Wettbewerbs, des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, gab es bislang nur ausweichende Antworten. Gestern räumte Rainer Lingenthal, Sprecher von Bauminister Wolfgang Tiefensee (SPD) ein, dass zwar eine von Franco Stella unterschriebene Selbstauskunft vorliege, nach der die Bedingungen für die Teilnahme am Wettbewerb erfüllt sind. Doch auf eine Überprüfung, so räumt man im Ministerium ein, habe man verzichtet: „Auf diese Angaben haben wir wie bei allen anderen Wettbewerbsteilnehmern vertraut.“

Nicht nur die Kritiker Stellas fordern nun, dass die Kontrolle schnellstens nachgeholt werden sollte, um die schädliche Diskussion ums Schloss zu beenden.