Integrationspolitik

Berliner Migrationspolitiker setzt auf junge Muslime

Der migrationspolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Raed Saleh, wertet die Islam-Konferenz als Erfolg. Der SPD-Politiker fordert Moscheevereine und Migrantenverbände aber auf, sich mehr zu öffnen, deutsch zu lernen und auf andere Religionen zuzugehen.

Foto: Marion Hunger

Morgenpost Online: Herr Saleh, was hat die Islam-Konferenz gebracht?

Raed Saleh: Die wichtigste Botschaft der Islam-Konferenz war, dass der Islam in Deutschland angekommen ist. Erstmals hat die Spitze der Bundesregierung das Thema mit Vertretern des Islam diskutiert. Das ist ein erster wichtiger Schritt. Wir müssen aber die Gespräche fortführen und die Akzeptanz weiter stärken.

Morgenpost Online: Ein konkretes Ergebnis gibt es aber nicht. Ist das nicht zu wenig?

Saleh: Versöhnung beginnt mit Dialog. Erst muss man miteinander reden, deswegen waren konkrete Ergebnisse auch gar nicht zu erwarten. Der Islam hat großen Respekt erfahren. Und wir können sagen: Deutschland ist nicht nur das christliche Abendland. In Deutschland sind viele Religionen zu Hause.

Morgenpost Online: Mehr als eine halbe Million Menschen in Berlin haben eine nicht-deutsche Herkunft. Wo steht der Islam, ist die Integration gelungen?

Saleh: Die Integration ist in Deutschland überwiegend gelungen, aber viele Moscheen führen in Berlin ein zurückgezogenes Eigenleben. Man hat das Gefühl, dass das der Islam der 60er-Jahre ist mit all den Hinterhofmoscheen. Das ändert sich zurzeit. In den Gemeinden wachsen junge Menschen in die Vorstände nach. Darin sehe ich eine große Chance, weil diese jungen Moslems hier in Deutschland, in Berlin sozialisiert sind. Die Gemeinden müssen herauskommen und noch mehr Begegnungen mit anderen Religionen führen. Ich habe in Spandau den Dialog der Religionen gegründet, den auch die frühere Ausländerbeauftragte Barbara John unterstützt.

Morgenpost Online: Fördert verstärkter Moscheebau in Berlin die Akzeptanz des Islam oder erschwert er sie nicht?

Saleh: Es werden dadurch Ängste geweckt, das ist richtig. Deswegen muss man den Dialog in den Quartiersgebieten weiter fördern. Wir müssen die Ängste vor Überfremdung ernst nehmen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man die Menschen schon im Vorfeld aufklären muss. Der Islam geht mit der Demokratie einher. Wenn wir die Gespräche verstärken, werden wir auch die Ängste abbauen können.

Morgenpost Online: Was muss sich sonst noch ändern?

Saleh: Einige Migrantenvereine sind nur in ihren Nischen unterwegs. Ich fordere sie auf, bei ihren Mitgliedern stärker für eine Öffnung in der Gesellschaft einzutreten. Integration ist Teilhabe. Es ist wichtig, die deutsche Sprache zu beherrschen. Bildungsangebote müssen auch ältere Migranten erhalten.

Morgenpost Online: Gerade die jungen Migranten haben es im Berufsleben besonders schwer. Teilweise liegt die Arbeitslosigkeit bei 40 Prozent. Ist Integration hier nicht gescheitert?

Saleh: Nein. Migranten haben eine Teilhabe an der Gesellschaft. Integration ist eine soziale Frage. Am Ende belegen alle Studien, dass nicht der Migrationshintergrund der entscheidende Faktor für Integration ist, sondern wie viel jemand verdient und wie bildungsfern oder –nah das Elternhaus ist.

Morgenpost Online: Der Landesbeirat für Integration empfiehlt dem Senat, ein Integrationsgesetz zu erarbeiten. Wie weit sind Sie da?

Saleh: Wir prüfen derzeit, ob ein solches Gesetz notwendig ist. Es macht nur Sinn, wenn tatsächlich strukturelle Rahmenbedingungen in der Verwaltung geschaffen werden, um Integration zu unterstützen.

Raed Saleh (32) ist in Palästina geboren und lebt seit 1982 in Berlin. Mit ihm sprach Stefan Schulz.