Wettbewerbssieger

So soll der Park Tempelhof einmal aussehen

Knapp zwei Jahre nach der Schließung des Flughafens Tempelhof hat Berlins Senatsbaudirektorin sechs Entwürfe zur Gestaltung eines Landschaftsparks vorgelegt. Alle eint: Sie lassen sich auch mit knapper Kasse realisieren, aber keiner erfüllt alle Vorgaben.

Skaten, Radfahren oder einfach nur auf der Wiese liegen und in den Himmel schauen. In kürzester Zeit, so scheint es, haben sich die Berliner das ihnen jahrzehntelang nicht zugängliche Rollfeld des Flughafens Tempelhofs zurückerobert. Doch nur Beton, Gras und viel Platz – dabei soll es nach dem Willen des Berliner Senats auf Dauer nicht bleiben. Das riesige, 260 Hektar große Areal soll sich in den nächsten Jahren in einen Landschaftspark verwandeln. 61,5 Millionen Euro will die Landesregierung dafür ausgeben.

Wie die künftige "Parklandschaft Tempelhof" einmal aussehen soll, darüber haben sich – im Rahmen eines von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung ausgelobten landschaftsplanerischen Wettbewerbs – Planergruppen aus ganz Europa Gedanken gemacht. Aus 78 eingereichten Arbeiten hat eine Jury jetzt sechs Entwürfe ausgewählt. Die mit je 16.666 Euro Preisgeld belohnten Wettbewerbssieger sind in Frankreich, Schottland und Deutschland beheimatet. Mit bbzl böhm benfer zahiri landschaften städtebau, Capatti Staubach Landschaftsarchitekten und Topotek1 kommen drei der prämierten Büros aus der Bundeshauptstadt.

Während viele Berliner sich noch gut an die spektakulären Entwürfe erinnern, die der von der Senatsverwaltung ausgelobte Ideenwettbewerb kurz nach der Schließung des Flughafens im Oktober 2008 hervorbrachte – darunter etwa ein 1000 Meter hoher Berg – wurden diesmal lediglich Konzepte prämiert, die sich angesichts knapper Kassen realisieren lassen. Dass die vom Senat bewilligten rund 60 Millionen Euro für die Parkgestaltung, verteilt auf die Fläche von mehr als 700 Fußballfeldern, nicht gerade viel sind – nämlich knapp 25 Euro pro Quadratmeter – lassen sämtliche Entwürfe deutlich erkennen. Eine verwunschene Streuobstwiese, deren Apfelbäume die Besucher zur Selbstbedienung einladen, kombiniert mit einem Wiesenmeer zwischen den einstigen Start- und Landebahnen, hat etwa das schottische Büro Gross.Max ersonnen. Bis auf die Obstbäume ist also im Wesentlichen schon alles vorhanden, was die Planergemeinschaft für ihre Parkgestaltung braucht. Im Erläuterungstext der Schotten heißt es dazu trotzdem kühn: "Der Architekt Norman Foster hat Tempelhof als die Mutter aller Flughäfen bezeichnet. Lassen Sie uns Tempelhof in die Mutter aller Parks verwandeln; eine Verwandlung von heroischen Ausmaßen!"

Neben dem im Auslobungstext ausdrücklich geforderten Erhalt der Start- und Landebahnen sowie anderer historischer Spuren findet sich zudem der Hinweis, dass "öffentliche Mittel für den Unterhalt immer weiter reduziert" werden. In Anschaffung und Pflege aufwendige Blumenrabatten oder Spielplätze finden sich deshalb in keinem der Entwürfe.

Trotzdem gelingt es einigen Teilnehmern, eigene Akzente zu setzen: So hat die Berliner Wettbewerbsgemeinschaft, gebildet aus den Landschaftsarchitekten Tancredi Capatti und Matthias Staubach sowie dem Architekten Christoph Mayer, zwar ebenfalls auf größere Eingriffe verzichtet. Entlang der Versorgungswege um das Feld herum sollen Bäume den Joggern und Radfahrern Schatten spenden. Als besonderen Clou leisten sich die Planer jedoch einen aufgeschütteten Hügel, um den sich ein Pfad hinaufwindet – ähnlich der Form eines Schneckenhauses. Von der Aussichtsterrasse auf der Spitze öffnet sich den Besuchern der Blick auf das Feld in seiner ganzen Größe.

Alle Vorschläge bilden nach Auffassung von Senatsbaudirektorin Regula Lüscher "die Grundlage für eine offene Debatte über die Zukunft des Parks". Kein Entwurf könne derzeit aber alle Aspekte der Auslobung erfüllen. Die Vorgaben waren wohl zu anspruchsvoll.

Die jetzt ausgewählten Büros sollen daher in den kommenden Wochen ihre Entwürfe weiterentwickeln. Alle eingereichten Wettbewerbsarbeiten werden dazu im August in einer Ausstellung im Flughafengebäude Tempelhof präsentiertet. Am 28. und 29.August haben dann die Berliner die Möglichkeit, in sechs Projektgruppen mit den Landschaftsarchitekten über ihre Ideen zu diskutieren. "Die Anregungen der Anwohner, aber auch aller anderen Stadt-Bewohner, sollen selbstverständlich in die Konzepte mit einfließen", sagte Petra Rohland, Sprecherin der Senatsverwaltung. Mitte Dezember 2010 soll die endgültige Entscheidung über das Konzept der Parklandschaft fallen. Spätestens 2012 sollen dann die Bagger anrollen. Der größte Teil der Arbeiten soll bis 2017 geschafft sein. Dann wird auf einem 100 Hektar großen Teilstück des Tempelhofer Feldes die Internationale Garten Ausstellung (IGA) veranstaltet. Wie diese Flächen gestaltet werden, das soll ein weiterer Planer-Wettbewerb klären.

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